WEGEN VERSUCHTE BANDENDIEBSTAHLS

20-jähriger Rosenheimer muss erst ins Gefängnis und dann in Entziehungsanstalt

Weil er gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern in verschiedene Geschäfts- und Privaträume in Rosenheim eingebrochen war, musste sich jetzt ein 20-jähriger Rosenheimer vor Gericht verantworten.
+
Weil er gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern in verschiedene Geschäfts- und Privaträume in Rosenheim eingebrochen war, musste sich jetzt ein 20-jähriger Rosenheimer vor Gericht verantworten.
  • vonChrista Auer
    schließen

Zum zweiten Mal muss ein Rosenheimer ins Jugendgefängnis. Unter anderem wegen versuchten schweren Bandendiebstahls verurteilte ihn das Rosenheimer Jugendschöffengericht zur fünf Jahren Haft. Auch drogentechnisch hat der junge Mann das ein oder andere Problem.

Rosenheim – Das Jugendschöffengericht verurteilte jetzt einen 20-jährigen Rosenheimer wegen mehreren Fällen des vollendeten oder versuchten schweren Bandendiebstahls und des Diebstahls mit Waffen zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und ein Wertersatz in Höhe von rund 28600 Euro wurden angeordnet.

Lesen Sie auch: Nach der Arbeit war der Katalysator aus dem Auto eines Waldkraiburgers einfach weg

Das jugendliche Einbrechertrio, das Anfang vergangenen Jahres in Rosenheim unterwegs war, ist vorerst hinter Schloss und Riegel. Zwei 17- und 19-jährige Rosenheimer wurden bereits im Dezember zu Jugendstrafen von drei Jahren und vier Monaten beziehungsweise vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Einbrüche in Geschäfte und Häuser

Nun musste sich der Dritte im Bunde, ein 20-jähriger Rosenheimer, vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Ihm wurden eine ganze Reihe von gemeinschaftlichen Einbrüchen und Einbruchsversuchen in Geschäfts- und Privaträume im Stadtgebiet zur Last gelegt. In elf von 16 Fällen soll er beteiligt gewesen sein. Darunter schwerer Bandendiebstahl in zwei Fällen sowie versuchter schwerer Bandendiebstahl, Diebstahl mit Waffen und versuchter Diebstahl mit Waffen jeweils in mehreren Fällen.

Hohe Jugendstrafe stand im Raum

Nicht zuletzt auch wegen vier Einträgen im Vorstrafenregister wegen ähnlicher Delikte stand eine hohe Jugendstrafe im Raum. Auf Anregung des Verteidigers Andreas Müller kam es zu einem Rechtsgespräch und zu einer Verständigung, bei der dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses ein Strafmaß zwischen vier Jahren sechs Monaten und fünf Jahren sechs Monaten zugesichert wurde.

Angeklagter räumt Vorwürfe ein

Der 20-Jährige ergriff seine Chance und räumte sämtliche Tatvorwürfe ein. Damit ersparte er dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme und sich eine noch längere Haftstrafe.

Lesen Sie auch: Paar aus Rosenheim kauft in den Niederlanden Drogen zum Dealen - und wird erwischt

Angaben zu den Beweggründen machte er nicht. Allerdings lag die Vermutung nahe, dass der arbeitslose junge Mann das Diebesgut zur Finanzierung seiner Drogensucht brauchte.

Drogenkonsum seit dem 13. Lebensjahr

Laut dem medizinischen Gutachter konsumiert der 20-Jährige, bei dem keine körperlichen aber psychische Abhängigkeitsmerkmale festgestellt worden seien , bereits seit seinem 13. beziehungsweise 15. Lebensjahr intensiv Marihuana und Kokain. Er sei in seiner Steuerungsfähigkeit auch bei seinen Straftaten beeinträchtigt gewesen.

Lesen Sie auch: Drogen für den Raum Waldkraiburg: Mann ein zweites Mal auf der Anklagebank

Dabei handle es sich um Hangtaten und die Voraussetzungen für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt seien gegeben. Dabei sei von einer Therapiedauer von etwa zwei Jahren auszugehen. Ohne Therapie seien weitere Straftaten zu erwarten, führte der Sachverständige aus.

Bereits Jugendstrafe abgesessen

Bisher war die Rückfallgeschwindigkeit enorm. Knapp zwei Monate nachdem er eine dreieinhalbjährige Jugendstrafe abgesessen hatte, wurde der Angeklagte erneut straffällig. Mit seinen beiden Mittätern beging der 20-Jährige im Zeitraum von 16. Februar bis zum 27. Februar eine Vielzahl von Einbruchsdelikten, wenn auch nicht immer mit Erfolg.

Lesen Sie auch: Polizei schnappt Rollerdiebe: Männer aus Rosenheim stecken hinter monatelanger Serie

Häufig blieb das Vorhaben im Versuchsstadium stecken. Dabei erbeuteten die Täter Diebesgut im Wert von insgesamt rund 28 600 Euro und richteten einen Sachschaden von knapp 6000 Euro an.

DNS bringt Ermittler auf die Spur

Erstmals aufgefallen waren die jugendlichen Täter einer Polizeistreife am 27. Februar gegen zwei Uhr früh vor dem Eingang eines Rosenheimer Hotels. Die Polizeikontrolle ließ sich der Angeklagte aber nicht als Warnung dienen. Noch in der gleichen Nacht war er an einem Gasthof und der Gaststätte einer Tennis- und Kletterhalle zugange und erbeutete dabei insgesamt 550 Euro. Laut dem Sachbearbeiter der Kripo Rosenheim führten viele Puzzleteile aus DNS- Spuren und Videoaufzeichnungen schließlich zu dem Trio.

Anklage: „Wie ein Berufsverbrecher“

Der Anklagevertreter forderte aufgrund von Reifeverzögerungen eine Jugendstrafe im oberen Bereich des Deals sowie die Unterbringung im Maßregelvollzug. Positiv wurde das Geständnis gewertet. Zu Lasten des Angeklagten ging der hohe Beuteschaden, die Abwicklung der Straftaten „wie ein Berufsverbrecher“ und das Vorstrafenregister, „das nur den Gipfel des Eisbergs zeigt“.

Den Großteil seiner Jugend sei der Angeklagte in Haft gewesen, doch daraus habe er nichts gelernt.

Verteidigung beantragt milde Jugendstrafe

Der Verteidiger hob den Stellenwert des Geständnisses hervor, da aus seiner Sicht die Tatbeteiligung seines Mandanten bei einigen Fällen nicht eindeutig zu beweisen gewesen wäre. Er plädierte für eine Jugendstrafe im unteren Bereich der Verständigung .

Druck für die Therapie

Das Jugendschöffengericht verhängte ein Strafmaß von fünf Jahren und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Die lange Haft sei erzieherisch notwendig und erzeuge möglicherweise den notwendigen Druck, um die Therapie durchzuhalten, hieß es in der Urteilsbegründung von Richter Dirk Dombrowski.

Der Angeklagte habe eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt. Sein massiver Drogenkonsum habe zu einem großen Suchtdruck geführt. Zu Gunsten sei auch zu werten, dass einige Taten im Versuchsstadium steckengeblieben seien.

Kommentare