Zwangspause für den Stephanskirchener Spielmannszug

In Zeiten vor Corona: Das Foto entstand Anfang März bei einer der letzten Proben des Spielmannszugs Stephanskirchen im Roten Schulhaus Schloßberg. Viele Musikfreunde vermissen seitdem den persönlichen Kontakt. re

Freitag, der ist allgemein als unglücksbringender Tag bekannt. Freitag, der 13. März, war auch für den Spielsmannszug Stephanskirchen ein Unglückstag: Er bedeutete das vorläufige Ende des Probenbetriebs.

Stephanskirchen − Neben der üblichen Probe musste wegen Corona auch die Jahresversammlung mit den Wahlen abgesagt werden. Seitdem steht das Vereinsleben so gut wie still. Das gemeinsame Musizieren ist nicht möglich. Auftritte und Workshops mussten gestrichen werden. Auch das gesellige Beisammensein, das einen Verein ausmacht, wurde jäh gestoppt.

Kontakt und Noten nur über App

„Wir halten derzeit nur über die sozialen Medien oder Videokonferenzen den Kontakt aufrecht“, sagt Franz Kotter musikalischer Leiter des Spielmannzugs Stephanskirchen. Über eine WhatsApp-Gruppe schicke er regelmäßig Noten und Anleitungen für die Griffe an die Mitglieder weiter. Bis auf Weiteres sei mehr nicht möglich, da Blasinstrumente aufgestoßenen Aerosole – feine Staubwölkchen, die beim Spielen entstehen und über die sich Viren besonders gut verbreiten – als zu hohe Gefährdung eingestuft werden, sagt Kotter. Vor allem dem Nachwuchs fehle aber der persönliche Kontakt.

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Spielmannszug stellt Instrumentarium um

Regelmäßiges Üben zu Hause sei wichtig, denn der Spielmannszug stelle seit Jahresbeginn sein Instrumentarium zu einem Flötenorchester um. Dies bedeutet, dass neben den klassichen Böhmflöten auch Alt- und Bassflöten zum Einsatz kommen. Das Spielmannszug-Pfeifferl wird nach und nach durch Piccolo-Flöten ersetzt. „Es besteht die Gefahr, dass viele dieser Errungenschaften in der Vereinsstruktur wieder verloren gehen könnten“, sagt Kotter.

Besorgt blickt Franz Kotter auch auf den Stillstand in der neu gegründeten Spielmannszugklasse sowie bei der Ausbildung der Nachwuchsmusiker. „Viele Schüler haben im September vergangenen Jahres erst angefangen. Die Unterbrechung in einer so frühen Phase nach dem Vereinseintritt ist sehr schwierig“, sagt Kotter. Das plötzliche Aus der regelmäßigen Einzel- und Gruppenproben werfe, so Kotter, die Schüler in ihrer musikalischen Entwicklung weit zurück. Es fehle das gemeinsame Üben ebenso wie die Rückmeldung der Instrumentallehrer.

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Konzert der Spielmannszugklasse entfallen

Die im Herbst gegründete Spielmannszugklasse – bayernweit ist es die einzige dieser Art – an der Ottfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen bereitete sich für die ersten Auftritte vor Publikum vor. Das gemeinsame Musizieren mit dem Hauptorchester des Spielmannszuges war für das Maibaum-Aufstellen an der Otfried-Preußler-Schule und das Frühlingsfest Ende Mai geplant. Beide Termine mussten wegen Corona gestrichen werden.

Trotz der derzeit frustrierenden Entwicklung hoffen die Verantwortlichen auf eine erfolgreiche Fortführung der Spielmannszugklasse – auch für die kommenden Schuljahre. „Da wir derzeit nicht in den vierten und fünften Klassen Werbung machen können, wissen wir nicht, wie viele Interessenten sich im kommenden Schuljahr anmelden werden“, sagt Kotter.

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Auf Spenden und Sponsoren angewiesen

Auch finanziell hat der Verein zu kämpfen. „Wir haben derzeit keinerlei Einkünfte. Weil wir für die Spielmannszugklasse neue Instrumente anschaffen, sind wir mehr denn je auf Sponsoren und Spenden angewiesen“, sagt Martina Rustige, Vorsitzende des Spielmannszugs. Zwar erhalte der Verein einmal jährlich eine Subvention, diese reiche jedoch nur für die Instandhaltung der Instrumente und Trachten.

Vereine haben wichtige soziale Rolle

Besonders ersehnen die Mitglieder des Spielmannszuges die Wiederaufnahme des Probenbetriebs. Vor allem aber das soziale Miteinander. Viele Spielleute seien seit Jahren nicht nur musikalisch, sondern auch freundschaftlich miteinander verbunden. „Gerade in schwierigen Zeiten wird deutlich, dass Vereine eine sehr wichtige soziale Funktion in unserer Gesellschaft übernehmen. Dies kann nach Corona eine Chance sein, wenn Menschen den Wert der Vereinsarbeit an ihrem Wohnort wiederentdecken und sich selbst engagieren wollen“, sagt Franz Kotter.

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