Zuhören hilft bei Zoff dahoam

ProjektdesignerinFranziska Wanger kennt die Herausforderungen in der Familie.

Raubling – Die Corona-Krise sorgt auch für die eine oder andere Familienkrise. Home- Office, kein Schulunterricht, keine Ausgangsmöglichkeiten.

Kurz: Die Familie ist sich selbst überlassen. Was also tun, wenn einem zu Hause alles über den Kopf wächst?

Eine Möglichkeit: Herzensgespräche suchen. Die Soziale Stadt Raubling bietet diese Gespräche seit knapp zwei Jahren an. Ins Leben gerufen wurde dieses Angebot von Franziska Wanger. Jetzt, während der Corona-Krise, bekommt die 42-Jährige Unterstützung von der Diplom-Psychologin Manuela Eimannsberger.

Oft gehen eigene Bedürfnisse unter

Die Herzensgespräche seien durch ein vorausgegangenes Angebot – Zauberkoffer für Eltern – entstanden, erklärt Wanger. Die gelernte Projektdesignerin sei vor einigen Jahren selbst Mutter geworden. Und habe am eigenen Leib erfahren, was das für Herausforderungen bergen kann.

„Dann habe ich mich auf die Suche begeben herauszufinden, wie das Familienleben funktionieren kann.“ Sie habe gemerkt, dass ihre eigenen Bedürfnisse teilweise untergegangen seien. Oft habe sie sich die Frage gestellt: Wie funktioniert das Elternsein? Um das herauszufinden, habe sie verschiedene Fortbildungen gemacht.

Zunächst wurde sie Achtsamkeitstrainerin, kurz da rauf machte sie eine Ausbildung zur Elternbegleiterin. Seither gibt sie Eltern Tipps und Impulse rund um das Familienleben. „Jeder Familie ist für sich eine Spezialfamilie und hat seine ganz eigenen Herausforderungen“, sagt Wanger. Die 42-Jährige betont: „Das Angebot ist für jedermann.“ Manchmal, da sei es auch nur der ganz normale Alltag, der zu Streitereien führe, erklärt Wanger. Gerade für Mütter könne diese Phase im Moment besonders belastend sein: „Verschiedene Lebensräume prallen aufeinander“, erklärt Manuela Eimannsberger. Einerseits soll man Leistung in der Arbeit erbringen, andererseits seien da auch noch die Kinder, um die man sich kümmern müsse. Was da helfe, seien kreative Lösungen. Auf der Homepage der Sozialen Stadt Raubling hat Franziska Wanger ein paar ihrer Tipps veröffentlicht. Einer ihrer Ratschläge sei zum Beispiel Massagen.

Sowohl Erwachsene als auch Kinder würden Berührungen an Armen oder Beinen genießen. In stressigen Phasen helfe das Massieren, zu entspannen. Ein weiterer Tipp: Spielsachen in einer Schatzkiste verstecken. Wenn die Kinder wieder einmal quengelig sind, könnten Eltern zusammen mit ihren Schützlingen herumliegende Schätze in einen Karton legen.

Diese „Schatzkiste“ könne man dann gemeinsam „ausgraben“ und bestaunen. Ebenfalls gewinnbringend für Eltern und Kinder: Kuschelrunden auf dem Sofa. Und wenn auch nur für ein paar Minuten, sagt Wanger.

Zugleich räumt die Elternbegleiterin aber ein: Ein Patentrecht oder einen Ratschlag, der immer funktioniere, gebe es nicht. Dazu seien die Probleme und auch die Familien zu unterschiedlich. Was der einen Familie vielleicht helfe, sei für eine andere wiederum unnütz. Um herauszufinden, was der Schlüssel zu einem friedvollen Miteinander sei, müsse man innerhalb der Familie kommunizieren. „Es ist immer gut, im Gespräch zu bleiben“, rät Wanger. Bislang sei kein vermehrter Andrang von Anrufern erkennbar, berichtet Wanger. Das Angebot „Herzensgespräche für Eltern“ sei auch vor der Corona-Krise schon gut genutzt worden.

Aber die Sorgen und Probleme hätten sich im Moment ein Stück weit geändert. Gerade jetzt, während der Krise, kämen zu den bereits vorhandenen Problemen noch weitere hinzu. Finanzielle Sorgen, Unsicherheiten, zu wenig Freiraum sind nur ein paar der genannten. Manchmal sei den Eltern auch schon geholfen, wenn man einfach zuhöre, berichten Manuela Eimannsberger und Franziska Wanger. Für ein Herzensgespräch treffen sich die beiden Frauen normalerweise persönlich mit den Eltern. Um auch jetzt einen etwas „persönlicheren“ Kontakt herstellen zu können, bieten Eimannsberger und Wanger seit Kurzem an, die Gespräche über Videokonferenzen zu führen.

Keine Scheu vor Anrufen haben

Auch das kostenlose Angebot „Zauberkoffer für Eltern“ möchte Wanger Familien ans Herz legen. Es richte sich an alle Eltern, die sich ein Zusammenleben auf Augenhöhe mit ihren Kindern wünschen. Während der Corona-Krise solle es Webinare dazu geben.

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