Ziemlich einmalig: Der Spielmannszug Stephanskirchen

Die Drumband des Spielmannszuges Stephanskirchen bei der Probe. Maskottchen „Bär“ bewacht den Pokal der amtierenden bayerischen Meister.
+
Die Drumband des Spielmannszuges Stephanskirchen bei der Probe. Maskottchen „Bär“ bewacht den Pokal der amtierenden bayerischen Meister.

Meistertitel, Nachwuchs ohne Ende, Spielmannszugklasse läuft bestens – der Spielmannszug Stephanskirchen hat so viel Erfolg, dass er Unterstützung braucht.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Meistertitel, Nachwuchs ohne Ende, Spielmannszugklasse läuft bestens – der Spielmannszug Stephanskirchen hat so viel Erfolg, dass er Unterstützung braucht, ideelle wie materielle. Das machte der musikalische Leiter, Franz Kotter, jetzt bei seinem Bericht im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde kurzweilig deutlich. Die Musiker wünschen sich einen eigenen Probenraum und bräuchten einmalig 25 000 Euro, um neue Instrumente anzuschaffen. Im Gemeinderat traf Franz Kotter mit seinen Anliegen auf offene Ohren. Zumindest eine Finanzspritze wurde ihm in Aussicht gestellt

Der musikalische Leiter ist sichtlich stolz auf seine Truppe. Klar freut er sich über den bayerischen Meistertitel der Drumband, die ihren Instrumenten durch schlagen die Töne entlockt. Auch den vierten Platz für den gesamten 35-köpfigen Spielmannszug – Schlagwerkzeuge und Pfeifer – findet er toll. Aber so richtig begeistert ist er vom vielen Nachwuchs im Verein. Und vom Erfolg der Spielmannszugklasse.

Und genau das ist das Problem: Über 20 junge Musiker sind in Schule und Verein. Und im kommenden Schuljahr wird es eine zweite Spielmannszugklasse an der Otfried-Preußler-Schule (OPS) geben. Da braucht Kotter wieder Leihinstrumente. Kein preiswertes Vergnügen. Eine Querflöte kostet gerne mal 600 Euro, für Vibra-, Marimba- oder Xylophon darf man gerne noch eine Null dranhängen.

„Nachwuchssorgen“ mal umgekehrt Als Kotter im vergangenen Jahr die erste Spielmannszugklasse in der fünften Jahrgangsstufe der OPS ins Leben rief, machte er sich auf Sponsorensuche – und stieß auf wenig Resonanz. Acht Stiftungen sprangen schließlich ein, stellten 20 000 Euro zur Verfügung. Und dürfen sich jetzt als Paten oder Partner der einzigen Spielmannszugklasse in Bayern fühlen. Eine der ganz wenigen in Deutschland. Kotter weiß nur von einer Weiteren. Beim Kongress des niedersächsischen Musikbundes in Stade hätte Kotter Ende März sein Konzept vorstellen sollen. „Hätte sollen“ wegen Corona.

Nun kommt die zweite Spielmannszugklasse, und es werden noch einmal Instrumente gebraucht. Da hofft Kotter nun auf Unterstützung durch die Gemeinde. Einmalig 25 000 Euro werden gebraucht. „Dann komme ich nicht wieder an, denn dann sind wir an der Otfried-Preußler-Schule auf Jahrzehnte perfekt ausgestattet.“ Was nicht nur Kämmerer Philipp Brück ein Schmunzeln entlockte.

Der Erfolg der Spielmannszugklasse ist einer seits Segen. Er ist aber auch Fluch. Die Spielmannszugkinder beziehungseise deren Eltern zahlen pro Monat 20 Euro für die zusätzlichen Musikstunden und für das Leihinstrument. Die Lehrer der Musikschule bekommen 45 Euro. Die Differenz trägt der Verein. Das geht, weil die Gemeinde jedes Jahr einen Zuschuss von 7500 Euro gibt.

Draufzahlen bei der Integration

Schwierig wird es nun aber mit den Kindern aus den Flüchtlingsfamilien. Drei sind dieses Jahr in der Spielmannszugklasse, nächstes Schuljahr werden es voraussichtlich mehr sein. Das Jobcenter zahlt für diese Kinder bestenfalls 15 Euro, oft weniger und damit zu wenig. „Wir legen drauf, wenn wir Kinder integrieren – da läuft doch was verkehrt.“ Was die Ausschussmitglieder genauso sahen.

Der Traum vom eigenen Probenraum

Des Fluches zweiter Teil: 35 Aktive plus Nachwuchs Kotter weiß kaum noch, wie und wo er mit seiner Truppe proben soll. Der alte Sitzungssaal im roten Schulhaus ist zu klein, „wir proben nur noch mit Ohropax, anders geht es nicht“, und außerdem müssen die Instrumente jedes mal wieder auf- und abgebaut werden.

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

Ausweichen in die Aula der benachbarten Schule? „Ich trage ungern ständig 6000-Euro-Instrumente zwei Stockwerke rauf und runter“, sagt Kotter. Die alleinige Nutzung des alten Sitzungssaales wäre ein Fortschritt, weil dann die Instrumente stehenbleiben könnten. Aber vielleicht gebe es ja eine Lösung -– zum Beispiel mit der Feuerwehr Schloßberg, schlug Kotter verschmitzt vor. Denn die braucht ein neues Gerätehaus.

Zu beschließen hatte der Hauptausschuss zu diesem Lagebericht nichts, anzumerken aber schon:

Aufbruchsstimmung im Verein

Petra Schnell (parteilos) ist begeistert von der Aufbruchsstimmung imSpielmannszug, räumte aber ein, dass der Gemeinderat sich wenig darum gekümmert habe, wie das organisiert und vor allem finanziert wird. „Damit müssen wir uns beschäftigen. Am Geld sollte es nicht scheitern.“ Stephan Mayer (Parteifreie) konnte die Notwendigkeit eines anderen Probenraumes gut nachvollziehen. Das werde nicht von heute auf morgen gehen, „aber wir müssen eine Lösung suchen“.

Janna Miller (Die Grünen) bat Kotter und die ebenfalls anwesende Vorsitzende des Spielmannszugs, Martina Rustige, die Gemeinderäte – und vor allem den Hauptausschuss – bei Projekten künftig von Anfang an mit auf den Weg zu nehmen. Das wollte Kotter nicht auf dem Spielmannszug sitzenlassen: Er habe es vor drei Jahren über den damaligen Bürgermeister probiert, das sei aber leider im Sande verlaufen. „Umso besser, dass es jetzt geklappt hat“, so Janna Miller.

Kommentare