Ziel: "Not lindern bei uns dahoam"

Gemeinsam für bedürftige Familien und Senioren stark (von links): Johanna Schrödinger, Christine Burgemeister, Stiftungs-Geschäftsführerin Astrid Steidl, Marianne Krug-Semsch und Christine Veicht mit den Dagobert-Spendenboxen.
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Gemeinsam für bedürftige Familien und Senioren stark (von links): Johanna Schrödinger, Christine Burgemeister, Stiftungs-Geschäftsführerin Astrid Steidl, Marianne Krug-Semsch und Christine Veicht mit den Dagobert-Spendenboxen.

Der Schutz von Familien und deren Werten ist eine der Säulen der Stiftung "Protegoon" Bad Aibling. Die gemeinnützig anerkannte Organisation entstand vor drei Jahren als private Initiative. Ihr Ziel: "Not lindern bei uns dahoam". Über 170 bedürftigen Familien und Senioren in der Region half sie bereits. Motto: "Anstiften zum Familiären - Leben, Lieben, Lachen und Lernen". Notleidenden Familien wird dabei geholfen - sei es bei Heizkosten, Stromrechnungen etc. Aber auch schöne Momente beschert Protegoon durch die Aktion "Glücksmomente", wie einen Besuch des Münchner Zoos mit Zugfahrt und Verpflegung.

Bad Aibling/Landkreis - Derartige Gemeinschaftserlebnisse, die in der heutigen Zeit immer seltener in Familien werden - gerade in sozial schwächeren - sind Protegoon wichtig. Dabei prüfen die Verantwortlichen um Stiftungs-Geschäftsführerin Astrid Steidl genau den jeweiligen Fall, die Geschichte, die sich hinter dem Antragsteller verbirgt, sowie dessen soziale Lage.

Damit das Spendengeld auch dort ankommt, wo es benötigt wird, können sich Leute nicht direkt bei Protegoon melden. "Wir werden aktiv, wenn Beratungsstellen des Landkreises auf uns zukommen, Jugendämter oder andere Institutionen uns Fälle melden beziehungsweise empfehlen", so Astrid Steidl gegenüber unserer Zeitung. Man wolle besonders dort helfen, wo der Staat nicht eingreifen kann. Dabei werde im Einzelfall entschieden.

Die unterstützten Personen würden das Geld aber meist nicht in bar ausgezahlt bekommen, "wir bezahlen direkt bei der jeweiligen Stelle." Nebenkostennachzahlungen würden an den Vermieter gehen, Nachzahlungen von Kindergarten-Beiträgen auch direkt an die Organisation. Deshalb arbeite die Stiftung mit über 35 Beratern von verschiedenen behördlichen Stellen zusammen. Diese gehen auch, wenn beispielsweise kein Geld für Kleidung vorhanden ist, mit den Kleinen und ihren Eltern zum Einkaufen. "Unbürokratische und im Notfall rasche Hilfe, aber mit Kontrolle, wollen wir leisten", so Steidl.

Besonders Alleinerziehende hätten es oft schwer. "Sie schuften und kommen doch nicht über die Runden. Miete und Betreuung kosten oft zu viel", weiß Steidl. So könne es vorkommen, dass Mitte des Monats kein Geld für Windeln da sei oder der Strom abgestellt worden ist, weil eine Nachzahlung nicht zu leisten ist. Gerade der Punkt, dem eigenen Kind "nichts bieten zu können" sei für viele Eltern schlimm. Protegoon will hier das Gefühl von "Du bist nicht allein" vermitteln und die betreffenden Personen mit ihrer Hilfe wieder auf den "rechten Weg schubsen".

80 Prozent der Hilfesuchenden seien alleinerziehende Mütter, auch einzelne Väter. "Protegoon-Hilfe" erfahren überdies sozialschwache Senioren.

Die Hilfe aus Bad Aibling kommt für die betreffenden Personen aus dem gesamten Landkreis Rosenheim dann oft überraschend - als unerwartetes Geschenk. Gerade Familienerlebnisse oder Angebote für Kinder spielen hier eine Rolle, wie eine Kinderfreizeit in den Ferien. Über 41000 Euro sind bereits in den ersten drei Jahren in Hilfsaktionen geflossen.

Nicht ohne Grund setze sich der Stiftungsname aus den Begriffen "ich schütze" (lateinisch protego) und "weitermachen" (englisch go on) zusammen. Gemäß Satzung hat eben dieser nachhaltige Schutz von Familie und Familienwerten oberste Priorität. "Die Förderung einer ausgewogenen erzieherischen Funktion innerhalb des Familienverbundes ist wichtig, aber allein die pure Erhöhung der Lebensfreude kann Ziel der Bemühungen von Protegoon sein", so Steidl.

Hauptinitiator und Geldgeber ist der Aiblinger Franz Wenger mit Unternehmenssitz in München. Zusammen mit seiner Frau Astrid Steidl trägt er sämtliche anfallenden Verwaltungskosten aus eigener Tasche. "Denn nur so können wir gewährleisten, das Spenden von anderen Personen wirklich zu 100 Prozent am Zielort ankommen", so die Geschäftsführerin der Stiftung.

In der Region gehe es nicht darum, Menschen vor dem Hungertod zu retten. Die Not in Deutschland sei eine andere. "Bei uns können Eltern nicht schlafen, weil sie unverschuldet nicht wissen, wie sie die Schulsachen für ihre Kinder oder die Klassenfahrt bezahlen sollen", weiß Steidl. Bei Letzterem sprang Protegoon bereits mehrfach ein. Denn oft würden sich die Eltern auch genieren, in der Schule kundzutun, dass sie die Kosten für eine Klassenfahrt nicht stemmen können. Dies sei auch ein Grund, warum die Privatsphäre der "Schützlinge" unter allen Umständen gewahrt werde. Bei den über 170 Familien und Senioren, denen geholfen wurde, sind 200 Personen nicht eingerechnet, denen über die Aktion "Glücksmomente" (siehe Kasten) Freude bereitet wurde. Denn was für viele eine Selbstverständlichkeit sei, sei für andere unerschwinglich - beispielsweise ins Kino gehen oder einen Märchenpark besuchen.

Außerdem hat Steidl mit ihren Mitstreitern die "Hosentaschen-Indianer" und Dagobert-Spendenboxen ins Leben gerufen. Letztere stehen in zahlreichen Geschäften im Landkreis, um das Kleingeld in den Hosentaschen oder im Geldbeutel zu erbeten. Allein hier seien im vergangenen Jahr 3000 Euro gsammelt worden. Weitere Infos unter www.protegoon.org. Konto: protegoon, Sparkasse Rosenheim, BLZ 71150000, Konto 20020475.

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