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INTERVIEW MIT BÜRGERMEISTER RUDOLF LEITMANNSTETTER

„Wollen eine eigene Wasserversorgung“

Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter.
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Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter.

Vogtareuth – Beim Thema Wasser wird es in der Gemeinde Vogtareuth entweder ziemlich laut oder ganz leise – je nachdem, wer spricht.

Seit Jahren herrscht dicke Luft zwischen den Stadtwerken Rosenheim und dem Gemeinderat in Vogtareuth. Die Stadt will einen dreijährigen Pumpversuch in unmittelbarer Nähe des Hofstätter Sees starten, doch sie dürfen den Grund nicht betreten: Privatrecht steht dagegen. Das finden die Vogtareuther gut. Denn sie sagen: Hände weg vom „Naturjuwel Hofstätter See“. Außerdem wollen sie selbst über ihr Wasser bestimmen.

Es ist ein erneuter Pumpversuch notwendig. Was sind die Hintergründe?

Es ist unser erster Dauer-Pumpversuch der Gemeinde am Brunnenstandort Buchwald-Lochen-Vogtareuth, um Gewissheit zu haben, wie sich die Wasserqualität nach längerer Entnahme verhält.

Wie lange wird er dauern, welche Ergebnisse sollen erzielt werden?

Der Dauer-Pumpversuch soll drei Monate dauern, die Genehmigung ist beim Landratsamt Rosenheim beantragt. Durch den DauerPumpversuch werden Ergebnisse hinsichtlich der Veränderung der Wasserqualität in Bezug auf die Konzentration von Eisen- und Mangan erwartet. Des Weiteren dient der Dauer-Pumpversuch der Feststellung der hydraulischen Auswirkungen im Brunnenumfeld.

Zum Jahresende 2020 muss die Gemeinde Vogtareuth einen eigenen Brunnen vorweisen. Kann der Zeitplan eingehalten werden?

Inwieweit der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt nicht nur von der Gemeinde Vogtareuth ab, sondern auch davon, wie schnell Entscheidungen in den Genehmigungsverfahren der Fach- und Genehmigungsbehörden getroffen werden können. Wir hoffen dabei auf Unterstützung der zuständigen Behörden. Nur die reine Bauzeit der Brunnenanlage und der erforderlichen Leitungen im Blick, wäre eine Umsetzung des Vorhabens innerhalb der Frist wohl möglich. Dabei wird aber auch davon ausgegangen, dass sich keine unvorhersehbaren Verzögerungen bei den Bauarbeiten ergeben.

Die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Rosenheim ist kompliziert. Vogtareuther Gemeinderäte lehnen sie ab. Was steckt dahinter?

Eine kommunale Zusammenarbeit im Hinblick auf den Brunnenstandort Buchwald/Stadtwerke ist aus folgenden Gründen nach Ansicht des Gemeinderats Vogtareuth nicht sinnvoll:

Für die Nutzung des Brunnens Buchwald der Stadtwerke Rosenheim ist vorher ein einjähriges Monitoring und danach ein dreijähriger Pumpversuch durchzuführen, um gegebenenfalls etwaige Schäden oder Einflüsse auf Natur und Umwelt im Bereich des Hofstätter Sees aufzuzeigen. Erst danach kann gegebenenfalls das wasserrechtliche Verfahren der Stadtwerke Rosenheim fortgeführt werden. Dieses Monitoring konnte wegen privatrechtlicher Betretungsverbote aber nicht durchgeführt werden. Einen Einfluss darauf hat die Gemeinde Vogtareuth nicht.

Die Duldung der Nutzung der Quelle Zaisering ist auf den 31. Dezember 2020 begrenzt. Wenn die Gemeinde Vogtareuth sich hier mit den Stadtwerken vertraglich binden würde, könnte erst frühestens nach der Durchführung des dreijährigen  Pumpversuchs die Planung und Umsetzung einer gemeindlichen Wasserversorgung weiter betrieben werden. Dies ist auf jeden Fall nach Ablauf der vom Landratsamt Rosenheim gesetzten Frist, weil mit dem Monitoring noch gar nicht begonnen ist.

Das Wasser, das während der Zeit des Pumpversuchs gefördert wird, kann der Gemeinde Vogtareuth, entgegen den Darstellungen in der letzten Besprechung im Landratsamt Rosenheim, nicht zur Verfügung gestellt werden, da es nicht als Trinkwasser genutzt werden darf, sondern in geeigneter Weise dem Ökosystem  wieder zugeführt werden muss, damit die Ergebnisse des Monitorings nicht unsachgemäß beeinflusst werden.

Falls das Monitoring negativ ausfällt, steht die Gemeinde Vogtareuth wieder ohne alles da!

Das wasserrechtliche Verfahren der Stadtwerke beinhaltet auch nicht die Wasserversorgung der Gemeinde Vogtareuth, sodass hier zumindest strittig ist, ob diese mit dem bisherigen Verfahren  überhaupt geprüft, beurteilt und verbescheidet werden kann.

Die Gemeinde Vogtareuth führt deshalb ein eigenes Verfahren zur Genehmigung der Brunnenanlage Buchwald-Lochen durch. Die Untersuchungen hierzu werden derzeit vom Ingenieurbüro Dr. Knorr vervollständigt, die Antragsunterlagen für den Dauer-Pumpversuch wurden dem Landratsamt vorgelegt.

Nach diversen Rechtsprechungen besteht Planreife eines Wasserschutzgebiets erst, wenn die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der sonstigen Betroffenen durchgeführt wurde. Dies wurde für das Schutzgebiet des Brunnen Buchwalds der Stadtwerke Rosenheim bisher nicht durchgeführt.

Wichtig war bei der Entscheidung für den Gemeinderat Vogtareuth auch, dass die Landwirte, welche einen Großteil der finanziellen Belastungen bei Verbesserungsbeiträgen, Wassergebühren und Einschränkungen im künftigen Wasserschutzgebiet zu tragen haben, mit großer Mehrheit eine eigene Wasserversorgung bevorzugen.

Im Hinblick auf den Klimawandel ist es allemal wichtig, die Wasserversorgung der Vogtareuther Bevölkerung soweit als möglich unabhängig und wie bisher in eigener Regie zu sichern.

Entscheidungen bezüglich der Versorgung mit Wasser, dem „Gold von morgen“ und in manchen Regionen der Welt auch schon „von heute“, sollen unabhängig von den außergemeindlichen Gremien getroffen werden können, wenn erst einmal der Brunnen Buchwald-Lochen genutzt werden kann.

Interview: Sigrid Knothe

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