Wolf vor der Haustür: Sachranger Bauern sind besorgt und bringen ihre Tiere in Sicherheit

Lorenz Obermüller aus Prien hatte seine Schafe in Stein bei Sachrang auf der Weide. Am Sonntag hatte er die Tiere nach Leiten gebracht.
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Lorenz Obermüller aus Prien hatte seine Schafe in Stein bei Sachrang auf der Weide. Am Sonntag hatte er die Tiere nach Leiten gebracht.
  • vonTina Blum
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Im beschaulichen Sachranger Ortsteil Stein sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht – sondern jetzt auch der Wolf. Vor allem den Almbauern bereitet das umherstreifende Raubtier große Sorgen.

Sachrang – Seit gut zwei Wochen beobachten sie bei ihren Tieren seltsames Verhalten. Sie berichten von ausgebrochenen Herden und scheuenden Tieren. Auch Irmgard Aigner aus Stein hatte den Wolf am vergangenen Sonntag nur wenige Meter vor ihrem Haus gesehen.

Kater wird zum Wachhund

Irmgard Aigner aus Stein sah den Wolf vor ihrer Haustür.

„Ich wollte den Kater rauslassen“, berichtet sie. Es sei schon spät am Abend gewesen, als sie die Tür öffnete und Kater Felix plötzlich auf der Türschwelle kehrtmachte und zurück ins Haus lief. Sie habe daraufhin die Tür geschlossen und das Hoflicht angemacht, um zu sehen, was ihren Stubentiger verschreckt hatte. „Da stand der Wolf, keine drei Meter von der Tür.“

Irmgard Aigner blieb ruhig. Schließlich hatten ihr Nachbar Josef Schmid und Schwiegersohn Lorenz Obermüller am Nachmittag die Ziegen und Schafe, auf die sie aufpasst, schon reingeholt. Sie machte das Licht wieder aus und der Wolf verschwand hinterm Haus. „Mir konnte er ja nichts tun“, sagt sie.

Schafe und Ziegen in Sicherheit gebracht

Josef Schmid war schon am Sonntagnachmittag in Alarmbereitschaft. Ein Urlauber hatte den Wolf gesehen, fotografiert und den Anwohnern Bescheid gegeben. Das machte schnell die Runde. Wenig später sah auch er das Raubtier, das offenbar unterwegs zu Irmgard Aigners Grundstück war. „Ich habe dann sofort meine Ziegen, die auch dort stehen, in den Stall verfrachtet“, erinnert er sich. Auch Aigners Schwiegersohn Lorenz Obermüller, der in Prien wohnt, hatte seine neun Schafe „in einer Hauruckaktion“ am Sonntag verladen und nach Prien in den Stall gebracht.

Ziegenböcke müssen nachts noch draußen bleiben

Martina und Josef Schmid brachten ihre Ziegen in Sicherheit.

Die Anspannung bei den Bauern ist groß. Normalerweise grasen die Tiere bis Ende Oktober auf den Weiden. Viele bringen sie aber schon jetzt in Sicherheit. „Meine Ziegen lasse ich nur noch tagsüber raus, nachts kommen sie in den Stall“, erklärt Schmid. Seine Ziegenböcke müsse er allerdings nach Einbruch der Dunkelheit auf der Weide lassen, bis er einen Unterstand für sie gefunden hat – was ihm Unbehagen bereitet.

Tiere zeigen seltsames Verhalten

Bei seinen Tieren stellt Schmid seit Tagen Nervosität fest. Am Dienstagmorgen fand er das Gehege seiner Ziegenböcke leer vor. Der Elektrozaun war intakt, der Strom eingeschalten. Von den Böcken fehlte jede Spur. „Ich vermute, dass sie über den Zaun gesprungen sind“, sagt er. Gut 600 Meter weiter habe er sie dann – zum Glück unverletzt und vollzählig – in einem Holzverschlag gefunden. Auch nachdem Schmid sie auf die Weide zurückgebracht hatte, hätten sie sich seltsam verhalten: „Sie liefen andauernd im Kreis und haben sich nicht entspannt hingelegt, wie sonst.“

Nachts trauen sich Wölfe näher heran

Und wie sieht es weiter oben am Berg aus? Wie eine Mitarbeiterin berichtet, habe an der Priener Hütte noch keiner den Wolf gesehen – weder Gäste noch Personal. Dass sich Wölfe so nah an Häuser der Menschen heran trauen, ist laut Bayerischem Landesamt für Umwelt (LfU) nicht ungewöhnlich. „Wölfe meiden zwar den Menschen, jedoch nicht menschliche Infrastrukturen wie Straßen oder Wege“, so ein Sprecher des LfU. In ihrer Raumnutzung passten sich Wölfe an die Aktivität des Menschen an. Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen seien, würden Wölfe nur in der Nacht nutzen. „Im Schutze der Dunkelheit laufen sie durchaus unmittelbar an bewohnten Häusern vorbei. Ähnliches Verhalten kennt man von Rehen und Füchsen.“

Aschaus Bürgermeister Simon Frank bleibt gelassen

Aschaus Bürgermeister Simon Frank bleibt gelassen. „Bislang sind noch keine Meldungen zum Wolf im Rathaus eingegangen. Mir ist auch noch kein Schadensfall bekannt“, erläutert er. Er verstehe aber die Sorgen der Landwirte. Die Gemeinde könne aber nichts tun. Dafür sei aber der „Bayerische Aktionsplan Wolf“ vom Landesamt für Umwelt entwickelt worden. Die Förderung für den Herdenschutz kann auf dem Gebiet der Gemeinden Samerberg, Frasdorf und Aschau Hilfen für Zäune und Herdenschutzhunde beantragt werden.

Keine Auswirkungen auf Tourismus

In der Tourist-Info Aschau habe es von Gästen noch keine Fragen oder Bedenken zum Wolf gegeben. „Unsere Telefone laufen nur wegen Corona heiß“, so Herbert Reiter, Chef der Tourist-Info. Einen Einbruch bei den Besucherzahlen oder Stornierungen gebe es bislang nicht.

Tote Schafe am Bichlersee: Fuchs

Anfang August waren zwei tote Schafe im Umfeld des Bichlersees bei Oberaudorf gefunden worden. Wie das Landesamt für Umwelt gestern auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, zeigen die Ergebnisse einer DNA-Analyse Spuren eines Fuchses. Hinweise auf die Beteiligung eines Wolfes gibt es laut LfU es nicht.

Was tun, wenn der Wolf kommt?

Das Landeamt für Umwelt (LfU) empfiehlt, nicht wegzulaufen, wenn man einem Wolf begegnet. Besser ist es, sich langsam zurückzuziehen. Wer einen Hund dabei hat, sollte ihn anleinen und nahe bei sich behalten. Wenn der Wolf zu nahe kommt, rät das LfU, laut zu gestikulieren und auf sich aufmerksam zu machen.

Hier sind in den vergangenen Jahren Wölfe in der Region gesichtet und bestätigt worden. Klinger

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