Hygienekonzepte bei den Bergbahnen

Wintersport unter Corona-Bedingungen im Raum Rosenheim: Immer eine Stocklänge Abstand

Die Loipen werden breiter: Reit im Winkl sorgt kommenden Winter für mehr Abstand beim Langlaufen.
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Die Loipen werden breiter: Reit im Winkl sorgt kommenden Winter für mehr Abstand beim Langlaufen.

Mit umfassenden Hygienekonzepten und einem breiter aufgestellten Angebot versuchen sich Bergbahnen, Verbände und Sportgeschäfte derzeit auf die Wintersaison unter Corona-Bedingungen einzustellen. Ein schwieriges Unterfangen – zumal der Lockdown noch mehr Verunsicherung schürt.

Von Korbinian Sautter

Rosenheim – In den Wintersportregionen sorgt das Coronavirus bereits jetzt für Unsicherheit. Die Bergbahnen, Verbände und Geschäfte entwickeln die ersten Hygienekonzepte und versuchen sich so, bestmöglich auf die kommende Saison vorzubereiten. Die Anbieter hoffen dabei, dass die Reiselust der Angst einer Infektion überwiegt und trotz Corona wieder zahlreiche Sportbegeisterte ihren Winterurlaub in der Region verbringen. Auch wenn jetzt zunächst der Lockdown viele Wintersportler verunsichern wird.

Auf der Suche nach Alternativen

In den lokalen Geschäften rechnet man damit, dass sich die Wintersportbegeisterten dieses Jahr vorwiegend nach Alternativen wie Skitouren, Langlaufen oder Schneeschuhwanderungen umsehen werden. Muck Bauer, der Geschäftsführer von Sport Bauer in Schleching, stellt sich bereits auf einen speziellen Winter ein: „Ich kann mir gut vorstellen, dass an einem schönen Sonntag der ein oder andere lieber zum Langlaufen gehen wird, um die volle Skipiste zu meiden. Sobald die Schneelage auch in den Tälern gut ist, glaube ich, dass das viele einfach mal ausprobieren.“ Gerade diejenigen, die sowieso schon mit dem Gedanken gespielt haben, ein anderes Winterprogramm zu testen, hätten demnach eine spezielle Motivation.

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Denn im Gegensatz zum Skifahren lässt sich beim Langlaufen der Mindestabstand deutlich besser einhalten. Vor allem, wenn, wie in Reit im Winkl, die Loipen verbreitert werden, wie es laut Florian Weindl, dem Leiter des dortigen Tourismus-Verbands, geplant ist. „Wir bereiten uns auf alle möglichen Alternativen vor. Ich bin sicher, dass die Nachfrage aufgrund von Corona enorm sein wird. Daher haben wir die Langlaufstrecken im Tal sowie die Wanderwege und Schneeschuh-Pfade allesamt ausgebaut, sodass wir überall genügend Abstand bieten können.“

Die Entwicklungen im Blick

Beim Sportgeschäft iko in Raubling bleibt man dagegen erst einmal gelassen. Laut Geschäftsführerin Tessa Irlbacher gilt es, erst einmal mit dem üblichen Bestand in die Wintersaison zu gehen, um dann zu sehen, wie sich die aktuelle Lage entwickelt.

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Eine ähnliche Vorgehensweise ist auch beim Rosenheimer Sporthaus Siebzehnrübl zu beobachten. „Wir müssen positiv bleiben und nach vorne schauen. Wie sich die Leute bewegen, wird in erster Linie von der Schnee- und nicht zwangsläufig von der Corona-Lage hier in der Region abhängen. Wenn wir frühzeitig einen guten Winter bekommen, dann ist Langlaufen sicher eine Alternative, die die Leute quasi von der Haustüre aus machen können“, erklärt Filialleiter Alexander Kneissl.

Neben Langlaufen und Winterwandern gibt es aber auch noch die Möglichkeit auf ein coronakonformes Ski-Erlebnis. Denn auch das Skitouren gehen wird wohl nicht nur etwas für erfahrene Skisportler und Naturliebhaber bleiben.

Warenangebot angepasst

Das Fachgeschäft Sport Brosig in Kiefersfelden rüstet sich bereits für die immer beliebter werdende Alternativsportart: „Grundsätzlich rechnen wir dieses Jahr auf jeden Fall mit mehr Leuten, die sich für Skitouren interessieren. Dementsprechend haben wir uns sogar mit zwei Dritteln Skitouren-Material und nur zu einem Drittel mit normaler Skiausrüstung aufgestellt“, erläutert Geschäftsführer Georg Brosig. Wie stark die Nachfrage wachsen wird, könne man jetzt noch nicht genau sagen. Für Brosig steht aber fest, dass der Trend in den besonderen Zeiten weg von den bislang vollen Pisten gehen wird.

Personal am Sudelfeld aufgestockt

Für diese haben sich die Bergbahnen bereits im Sommer ein Hygienekonzept überlegt. Neben der Maskenpflicht in Gebäuden, Liften und Wartebreichen wurde beispielsweise am Sudelfeld bereits das Personal aufgestockt, um eine hygienisch einwandfreie Reinigung der Anlagen zu gewährleisten, wie Egi Stadler, Geschäftsführer der dortigen Bergbahnen, versichert.

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Die Betreiber hoffen darauf, dass sich dadurch trotz der verschärften Corona-Situation wieder zahlreiche Wintersportler für das Skifahren entscheiden.

Blickpunkt Bergbahnen: So sieht das Hygienekonzept aus

• 1,5 Meter Abstand überall, wo es möglich ist

• Abstandsmarkierungen im Wartebereich vor den Kassen und beim Einstieg zu den Bahnen

• Maskenpflicht in Gebäuden, Kassen, Wartebereichen, Liften, Kabinen und bei Skikursen

• Desinfizierende Reinigung der Gebäude und Kabinen

• Vorwiegend digitaler Vorverkauf von Skipässen

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