Wie groß ist das Verkehrsproblem zwischen Stephanskirchen und Rosenheim wirklich?

25000 Fahrzeuge passieren täglich die Innbrücke zwischen Schloßberg und Rosenheim. Vor allem im Schul- und Berufsverkehr kommt es zu Staus. Ein Paket an Maßnahmen, das dies ändern soll, liegt vorerst auf Eis.
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25000 Fahrzeuge passieren täglich die Innbrücke zwischen Schloßberg und Rosenheim. Vor allem im Schul- und Berufsverkehr kommt es zu Staus. Ein Paket an Maßnahmen, das dies ändern soll, liegt vorerst auf Eis.

Die Auflösung der Busspur in der Rosenheimer Innstraße, die neue Ampel an der Wasserburger Straße in Schloßberg, die bessere Vertaktung der Ampeln – all das liegt auf Eis. Weil die Messwerte im Februar deutlich unter den Werten des Verkehrsgutachtens lagen. Zur Überraschung aller Beteiligten.

Von Sylvia Hampell

Stephanskirchen – Eine bessere Abstimmung der Ampeln an Salzburger, Rohrdorfer und Innstraße, eine neue Ampel an der Wasserburger Straße in Schloßberg und vor allem die Auflösung der etwa 100 Meter langen Busspur in der Rosenheimer Innstraße – dieses Maßnahmenpaket schlug Verkehrsplaner Helmuth Ammerl vor, um die täglichen Staus die rund 25 000 Fahrzeuge morgens und abends zwischen Schloßberg und Rosenheims Innenstadt produzieren, zu verringern und gleichzeitig die Linienbusse zu beschleunigen.

Fahrzeiten wichen erheblich ab

Nachdem alle Beteiligten der Planungsvereinbarung zur Umsetzung des Gutachtens und der Finanzierung des mindestens 15 Monate langen Probebetriebs zugestimmt hatten, maß im Auftrag der Stadt Rosenheim im Februar ein Fachbüro an vier Tagen die Fahrzeiten der Linienbusse vom Schloßberg zum Busbahnhof Stollstraße. Die wichen zum Teil ganz erheblich von den Werten in der Simulation des Planungsbüros ab.

Wesentlich kürzere Fahrzeiten, als angenommen

Dazu Christian Schwalm, der stellvertretende Pressesprecher der Stadt: „Die Fahrzeitenmessungen haben im Februar 2020, also noch „vor Corona“, stattgefunden. Erstaunlicherweise haben die Messungen an diesen Tagen wesentlich kürzere Fahrtzeiten, also deutlich geringere „Verlustzeiten“, ergeben als dies nach der Simulation des Büros Obermeyer im Auftrag der Gemeinde Stephanskirchen rechnerisch hätte der Fall sein dürfen“.

Umsetzung zunächst ausgesetzt

Aus Sicht der Stadt Rosenheim habe es keinen Sinn, „ein Problem lösen zu wollen, das möglicherweise gar nicht existiert“. Deshalb sei die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen zunächst ausgesetzt.

Milder Winter schuld?

Stephanskirchen Bürgermeister Karl Mair pendelte im Februar noch täglich nach Rosenheim und stellte fest, dass die Verkehrslage verhältnismäßig entspannt war: „Ich kam auch bei relativ spätem Fortkommen zuhause rechtzeitig am Arbeitsplatz an.“ Vielleicht sei der milde Winter eine Erklärung, so Mair, weil viele Radfahrer gar nicht aufs Auto umgestiegen seien.

Planer hat keine schlüssige Erklärung

Überrascht von den Messergebnissen war auch Verkehrsplaner Ammerl, „ich habe keine schlüssige Erklärung.“ Allerdings stammten die Zahlen, die dem Verkehrskonzept zugrunde liegen, von einer Zählung 2015. In deren Rahmen hätten gerade die Fahrer der Linienbusse sehr über die Staus zwischen Haidholzen und der Abzweigung von der Innstraße zum Klinikum geklagt, einen Zeitverlust von bis zu 20 Minuten gemeldet. Deswegen sei diese Strecke auch Schwerpunkt des Verkehrsgutachtens geworden. Die Rückstaus hatten sich 2019 nach seiner Beobachtung aber schon deutlich reduziert, so Ammerl, reichten nur noch sehr selten bis zur Kraglinger Spange.

Neue Messung soll Klarheit bringen

Bedingt durch die Veränderungen in den Verkehrsströmen durch die Corona-Krise – nur fünf Prozent weniger Fahrzeuge machen laut Ammerl bei derart überlasteten Strecken schon einen sehr großen Unterschied – konnte laut Schwalm den Ursachen für die Abweichungen zwischen gemessenen und errechneten Fahrtzeiten bisher noch nicht weiter nachgegangen werden. Laut Ammerl könnte das im November/Dezember der Fall sein. Da sollen die nächsten Messungen sein und den einen oder den anderen Wert verifizieren.

Bis dahin liegt alles auf Eis.

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