Wenn zaubern Gänsehaut macht

Illusionentransport der etwas anderen Art: Auf der Ladepritsche ging&#39s durch die Wüste zu den verschiedenen Auftrittsorten. Der guten Laune des Zaubererduos "Power of magic", der beiden Assistentinnen Katja und Christine sowie von Sohn Tobias Mayer tat dies keinen Abbruch. Kleines Bild: Roland Mayer mit der Geistertafel. Foto re
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Illusionentransport der etwas anderen Art: Auf der Ladepritsche ging's durch die Wüste zu den verschiedenen Auftrittsorten. Der guten Laune des Zaubererduos "Power of magic", der beiden Assistentinnen Katja und Christine sowie von Sohn Tobias Mayer tat dies keinen Abbruch. Kleines Bild: Roland Mayer mit der Geistertafel. Foto re

Mythen, Mumien und Pyramiden. Wer Ägypten hört, denkt unwillkürlich an Geheimnisvolles, an Rätselhaftes und Wundersames. Bereits zu Zeiten der Pharaonen hatten Magier im Land von 1001-Nacht einen hohen Stellenwert. Umso größer war der Reiz für das Duo "Power of magic", bei einer Tournee ans Rote Meer einem großen Publikum die moderne Form der Zauberei zu präsentieren - ein

Raubling/Soma Bay - Doch insbesondere die Schreckensrufe angesichts der Schwebeeffekte ließen Roland Mayer aus Raubling und seinen Partner, den Münchener Adrian Zenz-Dröge, erahnen, dass Magie den Arabern auch heute nicht geheuer ist; und hinter Mentaler Zauberei wittern sie unwillkürlich den bösen Blick.

Begonnen hatte das Abenteuer bereits auf heimischem Boden, mit den Vorbereitungen für die Reise auf die Halbinsel Soma Bay. Schließlich galt es, eine abwechslungsreiche und für alle Altersklassen geeignete Bühnenshow zusammenzustellen - immer mit Blick auf das Gewicht der Ausrüstung. Um wertvolle Kilos zu sparen, wurde beispielsweise die Käfigillusion komplett neu als Holz-/Aluminiumkonstruktion gebaut. Am Ende waren es trotzdem immerhin 220 Kilo Sperrgepäck, die von München nach Hurghada verfrachtet werden mussten.

Eine möglichst günstige Fluggesellschaft zu finden, erwies sich dabei noch als das kleinere Problem. Weil nämlich manche Teile weit mehr als 32 Kilo auf die Waage brachten, musste eine Sondergenehmigung her, damit das Flughafenpersonal diese Stücke überhaupt aufheben durfte. Auch war das Röntgengerät mit den wenig kompakten Ausmaßen mancher Ausrüstungsteile überfordert: Diese wurden schließlich in einem aufwändigen Procedere auf Etappen durchleuchtet und anschließend unter polizeilicher Aufsicht mit einem Sonderaufzug zur Gepäckverteilstation transportiert. Bei soviel Aufregung blieb nicht einmal mehr Zeit für Flugangst.

Um ein Haar hätte dann am Flughafen in Hurghada die fehlende technische Beschreibung einer selbstgebauten Illusion für Probleme beim Zoll gesorgt. Doch mit Bakschisch geht viel...

Die große Hilfsbereitschaft der Gastgeber entschädigte für den anstrengenden Vorlauf. Vor allem hinterließ der äußerst personalintensive Hotel-Service, Sonnenbrillenputzdienst am Pool inklusive, einen bleibenden Eindruck bei den Bayern.

Ihr Publikum in den Hotelanlagen verzauberten die beiden Magier - unterstützt von ihren Assistentinnen und Ehefrauen Christine Mayer (sie arbeitet im "realen" Leben auch als Behindertenbeauftragte der Stadt Rosenheim) und Katja Zenz - mit einem vielfältigen Mix an Darbietungen: Tücher erschienen plötzlich, um im Nichts zu verschwinden; Spazierstöcke und Tische erhoben sich wie von Geisterhand gelenkt in der Luft; eine Papierrose verwandelte sich auf wundersame Weise in eine echte; gleichermaßen sorgten Käfigillusionen, Mentaleffekte wie das Gedankenlesen beim Buchtest und ein wahrhaft magischer Modecocktail beim blitzschnellen Kostümwechsel ("Quick Change") für Erstaunen und Begeisterung.

Als Herausforderung gestalteten sich unterdessen nicht nur die Fahrten durch die Wüste zu den verschiedenen Auftrittsorten; die Großillusionen wurden hierfür kurzerhand auf die offene Ladepritsche eines Kleinlasters gepackt. "Pressieren darf es dabei nicht.", warnen die Künstler lachend. Denn selbst bei einer achtminütigen Fahrzeit war es durchaus angebracht, zwei Stunden einzuplanen - für die Verspätung des Chauffeurs, für schier endlose Diskussionen und ähnliches. Auch mit organisatorischen Widrigkeiten hatten das Team immer wieder zu kämpfen. Allein der simple Wunsch, die Tische näher an die Bühne zu stellen, setzte einen Marsch durch sämtliche Ebenen der Hierarchie in Gang. Für einen DJ , der kaum ein Wort Englisch verstand, wurde kurzerhand ein Regieplan mit kleinen Bildern für die Musikeinspielungen gezeichnet. Und die eingerosteten Stellschrauben der Bühnenscheinwerfer sprachen ohnehin für sich. Derweil sorgte der starke Wind bei einer Veranstaltung unter freiem Himmel für ganz andere Probleme: Um ein Haar hätte sich der "Schwebende Tisch" selbständig gemacht.

Ihren Abschied vom Land am Nil nahmen "Power of magic" schließlich in einem für hiesige Verhältnisse absolut unkonventionellen Rahmen: Als kleines Dankeschön traten sie auf eigenen Wunsch im rappelvollen staff-house ihrer Hotelanlage auf. Faszination und (Ehr-)Furcht waren schier greifbar beim Personal, überwiegend ägyptischen Frauen und Männern. Seitdem sind Zauberer wie Assistentinnen auf den Speicherkarten unzähliger Fotohandys gebannt. Zusätzlich erinnert dort das Abschiedsgeschenk, ein zwei Meter hohes Werbebanner, gewissermaßen als überdimensionale Autogrammkarte an einen einzigartigen Abend.

Übrigens: Das Ticket für das 14-tägige Gastspiel hatte der Raublinger Roland Mayer mehr oder weniger "erzaubert": Während eines Privaturlaubs hatte er seine Arabisch-Stunden stets mit einem kleinen Zauberkunststück beendet, was sich wiederum schnell bis zum Hotel-Manager herumsprach... pil

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