Warum machen Möbelhäuser vor Ponyhof St. Margarethen auf, fragt Lia (11)

In einem aufrüttelnden Brief schildert die leidenschaftliche Reiterin Lia Nawarth aus München ihre Situation. Die Ponys vom Reithof St. Magarethen sind ihr ans Herz gewachsen. privat
  • vonBarbara Forster
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Wann darf ich endlich wieder reiten?“ Unter Tränen stellte Lia (11) ihrer Mama Katharina Nawrath mit Beginn der Corona-Krise täglich diese Frage. Das Mädchen hat ihr Herz an den Ponyreithof St. Margarethen in Brannenburg verloren. Die neuesten Lockerungen machen jedoch den Weg ins Inntal frei.

Brannenburg – „Das ist sehr schlimm für sie“, berichtet Katharina Nawrath. Oft würde sie deshalb weinen. Was die Elfjährige daran besonders ungerecht findet: Warum darf ein Möbelhaus aufmachen, aber nicht der Ponyhof? „Ich kann darauf immer nur sagen: Ich weiß es nicht“, schildert die Mutter. „Für eine Kinderseele ist das wahnsinnig schwierig zu begreifen.“ Weil Lia nicht mehr länger untätig bleiben wollte, schrieb sie einen Brief an die OVB-Heimatzeitungen. „Man sollte mal darüber nachdenken, was uns Kindern guttut in dieser Krise. Im Moment tut uns nichts gut“, macht sie darin ihrem Ärger Luft. Und weil es dem Ponyreithof in Margarethen im Moment finanziell nicht so gut gehe, bittet die Elfjährige auch darum, für den Reiterhof etwas zu spenden. Infos dazu gebe es auf der Homepage.

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Viele Tränen seien in den letzten Wochen geflossen. Nicht nur bei Lia. Stefan Haug, einer der beiden Geschäftsführer des Ponyreithofs St. Margarethen, bekomme häufig Briefe und Anrufe von aufgelösten Kindern. „15 bis 20 Anrufe am Tag“, berichtet Haug. Und jedem einzelnen Kind müsse er erklären, dass es den Pferden gutgehe. Auch Haug findet: „Man hat die Kinder und Jugendlichen bei dieser ganzen Sache ein bisschen vergessen.“  Für die meisten Kinder sei das Reiten nicht nur ein Hobby. Die Pferde und der Hof seien vielmehr ein „Zuhause“. Deshalb versucht er auch, die Kinder, so gut es geht, zu trösten. Dass es im Moment auch finanziell nicht so gut laufe, sei für ihn Nebensache.

Einnahmen brechen ein

Im Moment brechen Einnahmen durch Reitstunden und Übernachtungen weg, schildert Haug. Das würde schon „ein ganz schönes Loch“ reißen, sagt der Geschäftsführer. Normalerweise habe der Ponyreithof pro Tag etwa 150 Reitschüler.  Das Problem seien auch die laufenden Kosten: In erster Linie gehe das Geld für die Versorgung und Bewegung der Pferde drauf, erklärt Haug.  Da kein Reitunterricht stattfinden könne, würden die 30 Schulpferde aktuell durch Angestellte und zwei ehrenamtliche Mitarbeiter bewegt werden. Das kostet Geld, merkt Haug an. Pro Pferd eine Stunde Bewegung – und das täglich.

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Mittlerweile habe der Ponyreithof schon Spenden erhalten. „Nicht viele, aber dafür sehr hohe“, sagt Haug. Warum der Ponyreithof überhaupt schließen musste, sei für ihn unbegreiflich: „Die Infektionsgefahr auf einem Reitplatz mit 800 Quadratmetern geht gegen Null“, macht er deutlich. Aber sich länger darüber zu ärgern, bringe nichts. Haug blickt nach vorne: Ab 11. Mai möchte er den Reitbetrieb wieder aufnehmen. Auf Nachfrage erklärte das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, dass ab Montag, 11. Mai, die neuen Regeln greifen würden, die in der Vierten Bayerischen Infektionsschutzverordnung (4. BayIfSMV) vom 5. Mai 2020 unter Teil 4 beschrieben werden. Darin heißt es unter anderem, dass der Trainingsbetrieb von Individualsportarten im Breiten- und Freizeitbereich unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen wieder aufgenommen werden kann.

Ponys können ausgeliehen werden

Auf der Homepage des Ponyreithofs St. Margarethen wurde bereits veröffentlicht, unter welchen Bedingungen der Reitbetrieb ablaufen wird: Reitunterricht sei in Gruppen bis maximal fünf Personen möglich und Ausritte in Gruppen bis maximal vier Personen, erläutert Stefan Haug. Auch Ponys können ausgeliehen werden. Für die Ausritte und den Reitunterricht würden die Gruppenpreise vorübergehend aber etwas ansteigen. Nicht jede Klientel könne sich das leisten, weiß Haug. Aber für ihn zählt zunächst einmal, dass die Kinder wieder die Möglichkeit haben, ihre Pferde zu sehen. „Das Telefon klingelt alle zwei Minuten“, sagt Haug. Die Kinder würden sich schon unglaublich freuen. Der Beherbergungsbetrieb des Reiterhofes werde voraussichtlich am 30. Mai wieder aufgenommen. Unter welchen Bedingungen, sei allerdings noch unklar, sagt Haug.

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Lia freut sich indes, dass der Reitunterricht bald wieder stattfinden kann: „Ich und meine beste Freundin sind fast ausgerastet“, erzählt sie am Telefon. Besonders schön sei es, dass sie endlich wieder ihr Lieblingspferd „Fee“ streicheln könne. Auch Haug ist glücklich darüber, dass die Kinder – wenn auch unter bestimmten Voraussetzungen – wieder zum Reiten kommen. Denn wie er findet: „Das Kinderlachen fehlt hier in der Bude.“

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