Debatte um Wildwechsel-Schilder

Wastl muss wieder häufiger ausrücken: Wildunfälle an der Staatsstraße zwischen Söchtenau und Rins

Wastl hat eine Spur aufgenommen, lenkt den Jäger von der Staatsstraße in Richtung Wald.
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Wastl hat eine Spur aufgenommen, lenkt den Jäger von der Staatsstraße in Richtung Wald.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Es ist dunkel, es ist kalt und Georg Löw ist mit Wastl, seiner Tiroler Bracke, im Einsatz. Mal wieder ein Wildunfall auf der Staatsstraße 2360 zwischen Rins und Söchtenau. Revierpächter Löw kämpft für Wildwechsel-Schilder an der Straße. Bisher vergeblich, das Landratsamt sieht keinen Bedarf.

Söchtenau – Georg Löw ist Pächter eines Jagdreviers in der Gemeinde Söchtenau und wird immer wieder zu Wildunfällen gerufen, „20 Mal im Jahr sind es sicher.“ Und das sind nur die Unfälle, die gemeldet werden, bei denen er von der Polizei informiert wird, dass es mal wieder ein totes Tier von der Straße zu holen gilt oder er mit seinem Wastl ein verletztes Reh oder einen Dachs im Wald suchen und von seinem Leid erlösen muss. Immer wieder findet er beim Streifzug durch sein Revier verendetes Wild oder es rufen Spaziergänger an, die ein totes Tier im Straßengraben sahen.

Im Winter mehr Unfälle als im Sommer

Jetzt, in der dunklen Jahreszeit, rücken Löw und Wastl, der auf Schweiß und Nachsuche ausgebildet ist, öfter aus an die Staatsstraße als im Sommer. Frühe Dämmerung und baldige Dunkelheit – da kommen sich Wildwechsel und Feierabend nah, oft zu nah. Und auf dem verhältnismäßigen geraden Abschnitt der Staatsstraße wird zügig gefahren, sagt Löw. Mit scheußlichen Folgen, kommt es zum Unfall. „Es ist teilweise nur noch Matsch vom Wild auf der Straße“, so Löw.

Gefahr für Autofahrer

Thomas Schreder, der Pressesprecher des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) fügt an, dass es dabei nicht immer bleibt, ein Wildunfall auch für die Autofahrer gefährlich werden kann. „Wenn ein Reh über die Motorhaube fliegt, kann das ganz übel ausgehen. Schlimmstenfalls tödlich.“

Jagdverband hält Warnschilder für sinnvoll

Schreder hält Wildwechsel-Warnschilder durchaus für sinnvoll, im Idealfall mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Wildwechsel-Schilder hätte Georg Löw gerne an der Staatsstraße, stellte schon zweimal einen entsprechenden Antrag beim Landratsamt – und blitzte zweimal ab.

Schilder nur aufgrund besonderer Umstände

Einen Wildunfall mit Personenschaden gab es zwischen Rins und Söchtenau zwischen 2017 und Ende Oktober 2020 nicht, teilt das Landratsamt mit. Nach § 45 Absatz 9 StVO seien Verkehrszeichen nur dort anzuordnen, wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend geboten ist, heißt es aus der Unteren Straßenbaubehörde. Und: Das Schild „Wildwechsel“ diene vorrangig der Warnung der Kraftfahrer und nicht dem Schutz des Wildes.

Mehr Platz zwischen Straße und Wald

Eine aktuelle Untersuchung der bayerischen Straßenbauverwaltung habe ergeben, dass die Wildwechsel-Schilder weitgehend wirkungslos seien, hieß es in der letzten Ablehnung. Dazu gab es den Ratschlag, der „jagdliche Eingriff“ möge „intensiviert“ werden, es könne auch der Bewuchs neben der Straße großzügig beseitig werden. Diese Maßnahmen verstärkten die Trennwirkung der Straßen für das Wild.

Leitplanken bringen „etwas besseres Ergebnis“

Auch das Anbringen von Leitplanken habe, so das Landratsamt 2019 ein „etwas besseres Ergebnis“ als Wildwechsel-Schilder. Das wäre Sache des Straßenbaulastträgers der Staatsstraße. Natürlich seien Leitplanken, Zäune oder Reflektoren sicherer, sagt Schreder, aber sie seien an vielen Stellen nicht zwingend nötig.

Fahrer muss mit Wildwechsel rechnen

Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes, fügt einen weiteren Hinweis der Kollegen an: „In einem Waldstück und in der Nähe von freien Flächen (Wiesen, Felder) hat ein Verkehrsteilnehmer immer mit Wildwechsel zu rechnen und muss entsprechend angepasst fahren.“

Kein unkontrolliertes Ausweichmanöver

Andreas Ruepp, BJV-Präsidiumsmitglied und Polizist, wiederholt dazu das, was schon der Fahrlehrer lehrt: „Taucht auf der Fahrbahn ein Stück Wild auf, sollte gegebenenfalls sofort abgeblendet und kontrolliert gebremst werden. Ist ein Zusammenstoß nicht mehr zu verhindern, muss das Lenkrad unbedingt gerade gehalten werden – keinesfalls sollten unkontrollierte Ausweichmanöver versucht werden.“

Freistaat ist für tote Tiere auf der Staatsstraße zuständig

Der Straßenbaulastträger – hier also des Freistaats Bayern –, sei im Übrigen auch für tote Tiere auf der Fahrbahn zuständig, so Thomas Schreder. „Da kann der Jäger ausrücken, muss es aber nicht“, so Schreder. Und wenn es zu viele Unfälle würden, „kann ich jeden Kollegen verstehen, der nicht ausrückt.“ Nur bei verletzten Tieren, da ist der Jäger gefordert, denn da geht es darum, das Tier gegebenenfalls von seinem Leid zu erlösen.

Georg Löw hat jetzt zur Selbsthilfe gegriffen, hat sich für ein paar Wochen beim BJV Warnschilder ausgeliehen.

Was tun nach dem Wildunfall

Andreas Ruepp erläutert das korrekte Verhalten nach einem Wildunfall:

  • Ruhe bewahren,
  • Warnblinkanlage einschalten,
  • Warnweste anziehen und Unfallstelle mit einem Warndreieck sichern,
  • Polizei informieren,
  • Fluchtrichtung bei davonlaufendem Tier merken,
  • verletztes Tier keinesfalls anfassen,
  • getötetes Tier von der Fahrbahn ziehen (Handschuhe!),
  • Wild nicht mitnehmen – das wäre Wilderei,
  • Schaden bei der Versicherung melden.

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