Heimatgeschichte

Markus Müller hat Spuren von Napoleons Truppen bei Riedering gefunden - und teilt sein Wissen

Manfred Müller ist mit Leib und Seele Hobby-Historiker.
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Manfred Müller ist mit Leib und Seele Hobby-Historiker.
  • vonElisabeth Kirchner
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Napoleon Bonaparte in Riedering, ernsthaft? Ja, ernsthaft. Markus Müller kann es beweisen. Zumindest, dass seine Truppen rund um Riedering und Stephanskirchen kämpften. Sie hinterließen genug Spuren – auf die sich ab Mitte Januar jeder machen kann.

Riedering – „Heimatgeschichte geht jeden von uns an,“ ist Markus Müller (46) überzeugt. Ihn, der sich seinerzeit wenig für den schulischen Geschichtsunterricht begeistern konnte, hat es gepackt. So sehr, dass er nach jahrelangen Recherchen und nach erfolgreichem Suchen im Boden rund um Riedering eine Ausstellung über die napoleonischen Truppen in seiner Heimat zusammengestellt hat, die – sofern Corona es zulässt – ab Mitte Januar im Riederinger Sitzungsgebäude für alle Interessierten offen steht.

Napoleon macht die Wittelsbacher zum bayerischen Königshaus

Viel weiß man über die Schlacht bei Hohenlinden, bei der die französischen Truppen im Dezember 1800 das österreichisch-bayrische Heer schlugen. Und dass später, auch um Österreichs Einfluss in Süddeutschland zu schwächen, Napoleon einen Freundschaftsvertrag mit Bayern abschloss mit der Folge, dass Kurfürst Maximilian IV. Joseph ab 1806 als Maximilian I. Joseph die bayerische Königsdynastie im Hause Wittelsbach begründete.

Marschtrommel, Markus Müller hat dieses Originalstück im Internet ersteigert.

Napoleons Truppen rund um Riedering und Stephanskirchen

Doch dass die französischen Truppen gegen österreichisch-bayrische Truppen auch rund um Riedering und Stephanskirchen kämpften, ist nur „eingefleischten“ Geschichtsliebhabern bewusst, wie Müller erzählt. Damals kam es auch zu einem heftigen Gefecht bei Raubling, in dessen Zuge die dortige Innbrücke abbrannte.

Die Erinnerungen liegen im Boden

Von den einstigen Kämpfen sei oberirdisch nichts mehr zu sehen, dafür finde er, so Müller, im Boden zahlreiche Erinnerungen an die durchziehenden Truppen. Seien es militärische Abzeichen und Uniform-Applikationen, seien es Bataillonsknöpfe und Münzen, seien es abgefeuerte Musketen- oder Kanonenkugeln – die schwerste wiegt 2,7 Kilo.

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Das Landesamt für Denkmalpflege als Helfer

Alle Fundstücke werden gesäubert und zugeordnet. Mit Hilfe zahlreicher Kunstbände und Geschichtsbücher versucht Müller, die Gegenstände zeitlich einzuordnen. Um seine Funde belegen zu können und wenn er nicht weiter weiß, nimmt er auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in Anspruch, das die eingereichten Gegenstände, wenn sie es denn wert sind, untersucht und zeithistorisch einordnet. „Und bislang waren das alle meine Funde“, freut sich Müller, der kürzlich eine Expertise über eine bronzene Fibel (eine Gewandnadel) zurückerhalten hat. Die Fibel datiert übrigens aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus.

Funde aus vielen Epochen aufgestöbert

Müller hat viel aus den verschiedensten Epochen aufgestöbert: Münzen, Fibeln, Broschen (besonders schätzt er eine Jugendstil-Brosche mit Rubin), Schmuck-Anhänger, Schuhschnallen (die älteste aus dem Mittelalter), Schellen, die Tieren umgehängt wurden, Gewichte, Siegelringe, einen Nagel aus dem Mittelalter und und und. Für Müller, der viele der kleineren Gegenstände wohlsortiert und beschriftet bei sich zu Hause aufbewahrt – „die größeren lagere ich in einer Garage“– sind das alles Schätze. Heimatgeschichte, die es zu erhalten gilt.

Schatzsuche geht nur mit Genehmigung

Seine Schatzsucher-Tätigkeit findet natürlich in Absprache mit Ehefrau Sabine statt, bekennt er schmunzelnd. Mit einem Metalldetektor, Schaufel und Pinpointer geht er Felder ab. Der Hobby-Historiker betont, dass eine Genehmigung wichtig ist. Ebenso wichtig sei, dass Munition der Polizei zu melden ist, „da könnte ja noch was scharf sein“. Und dass wertvolle Funde nur mit Genehmigung behalten werden dürfen.

Viel Wissen ist schon verlorengegangen

Der Boden rund um Riedering berge viel Heimatgeschichtliches, aber viel Wissen sei schon verloren gegangen. So wisse kaum jemand, dass Steine eines mittelalterlichen Burgstalls im Riederiger Wald für das Fundament der Pfarrkirche verwendet wurden oder dass 1800 rund um Riedering gekämpft wurde.

Mit der Drohne den Truppen folgen

Und genau deswegen hat Müller eine Ausstellung zum Thema „Napoleons Truppen in Riedering“ erarbeitet. Neben seinen Funden wird er Wissenswertes, Kartenmaterial und Gegenstände aus der damaligen Zeit präsentieren, sei es die kopie eines Votivbilds in der Stephanskirchener Kirche, sei es eine Marschtrommel, die er im Internet ersteigert hat und „die mich ein kleines Vermögen gekostet hat“, seien es Nachbildungen von Waffen, sei es ein Modell der Raublinger Innbrücke von 1800 oder ein Film, der mittels Drohnenflug die Truppenbewegungen nachzeichnet.

Mitte Januar soll es endlich losgehen

Eigentlich sollte die Ausstellung im Dezember durch Landrat Otto Lederer eröffnet werden, wurde coronabedingt auf 2.  Januar und dann noch einmal verschoben. Nun soll es Mitte Januar losgehen. Müller freut sich schon, sein Wissen präsentieren zu dürfen, denn: „Heimatgeschichte geht jeden von uns an.“

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