Warum es nur in Stephanskirchen Spielmannszugklassen gibt

Musik liegt in der Luft. Ist das in Stephanskirchen der Fall, ist meistens der Spielmannszug Schloßberg mit Dirigent Franz Kotter nicht weit, so wie hier beim Konzert im Pausenhof beim „Sommer dahoam“.
+
Musik liegt in der Luft. Ist das in Stephanskirchen der Fall, ist meistens der Spielmannszug Schloßberg mit Dirigent Franz Kotter nicht weit, so wie hier beim Konzert im Pausenhof beim „Sommer dahoam“.

Große Trommeln begrüßen am ersten Schultag die Fünftklässler an der Otfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen. Und läuten zugleich die Anmeldung für die Spielmannszugklasse ein. .Anfang Oktober soll es musikalisch losgehen. Wenn Corona das zulässt.

Von Sylvia Hampell

Stephanskirchen – Dass es genug Anmeldungen geben wird, davon ist Franz Kotter, der „Erfinder“ dieser bayernweit einmaligen Klasse, der bei seinem Schulleiter weit offene Türen einlief, überzeugt. „Letztes Schuljahr haben sich zu Schulbeginn noch acht Kinder angemeldet“, erzählt er. Ob das dieses Jahr auch so sein wird, das erfährt Kotter nicht aus erster Hand: Er tritt heute seinen Dienst an einer Schule in Niederbayern an.

Drumband empfängt die Schüler

Den geplanten Empfang der Schüler durch eine Abordnung des Spielmannszuges musste Schulleiter Florian Burggraf kurzfristig absagen: Blasinstrumente sind nach dem Hygienekonzept, dass ihm am Freitag kurz vor 17.30 Uhr zuging, auf dem gesamten Schulgelände verboten. Die Drumband des Spielmannszugs springt ein.

Spielmannszugklasse ohne Kotter? Das wird funktionieren, ist Kotter überzeugt. Er, der Grundschullehrer, habe die Spielmannszugklasse der Mittelschule ja ohnehin nicht unterrichten, nur organisieren dürfen. Die zwei Stunden Orchesterunterricht – statt des normalen Musikunterrichts –, in denen Stücke eingeübt werden, hat von Anfang an eine Kollegin übernommen, der wöchentliche Instrumentalunterricht läuft über die Musikschule Rosenheim. „Das geht auch ohne mich weiter“, lacht Kotter und fügt an: „Wenn es das Infektionsgeschehen denn erlaubt. Sonst ist es für dieses Schuljahr dumm gelaufen.“

Corona-bedingt alles verschoben

Das „Instrumentenkarussell“, bei dem Schüler die verschiedenen Blas- und Schlaginstrumente ausprobieren können, findet laut Schulleiter Burggraf erst Ende September statt. Der musikalische Auftakt der Spielmannszugklassen in der fünften und sechsten Jahrgangsstufen der OPS ist heuer corona-bedingt ohnehin für Anfang Oktober geplant.

Von der Schule ins Nachwuchsorchester

Dann lernen die Sechstklässler im Orchesterunterricht Stücke aus dem Repertoire des Spielmannszuges. Dadurch wird ein nahtloser Einstieg in den Spielmannszug möglich. Beziehungsweise in ein geplantes Jugendorchester. „Wir haben im Spielmannszug auch 20 Kinder in der Ausbildung“, so Kotter. Aus diesen und der Spielmannszugklasse soll das Nachwuchsorchester entstehen.

Und falls es in der Gemeinde Stephanskirchen noch Kinder und Jugendliche gibt, die ein passendes Instrument spielen, dann sind die laut Kotter herzlich willkommen. „Musik macht gemeinsam doch viel mehr Spaß, als alleine im Kämmerchen“, findet der Dirigent des Spielmannszuges Schloßberg.

Zwei Stunden Fahrt zur Probe

Denn das bleibt Kotter. Alle zwei Wochen nimmt er gut zwei Stunden Fahrt in eine Richtung auf sich, kommt zur Probe des Gesamtorchesters nach Stephanskirchen. „Ich habe in den letzten Jahren so viel Zeit investiert, dass ich die Früchte meiner Arbeit auch ernten will“, sagt er. Seine Frau macht sich mit auf die Fahrt, sie spielt im Spielmannszug Schloßberg.

Spielmannszug wird Flötenorchester

Außerdem will Kotter die nächste Nische besetzen, den Spielmannszug zum Flötenorchester umbauen. Zur Finanzierung der Instrumente läuft gerade eine Aktion auf einer Internetplatform der VR-Bank, denn: „Wir unterstützen den Spielmannszug gerne und freuen uns über das große Engagement der Vereinsleitung, können aber über die bestehenden Zuschüsse hinaus nicht für sämtliche Instrumente sorgen. Das würde auch der Gleichbehandlung mit anderen Vereinen widersprechen“, so Bürgermeister Karl Mair.

Passender Probenraum fehlt noch zum Glück

Jetzt fehlt dem Spielmannszug Schloßberg nur noch ein passender Probenraum. Das machte Kotter den Gemeinderäten im Frühsommer eindringlich klar. Denn im roten Schulhaus sind zwar alle Instrumente gut aufgehoben, müssen aber ständig auf- und abgebaut werden. „Außerdem ist der Raum für 40 Aktive plus 20 Kinder fast zu klein.“ Da mache sich die Gemeinde schon Gedanken, versichert der Bürgermeister. Die spontane Idee eines Gemeinderatsmitglieds, den Probenraum auf das neue Gerätehaus der Schloßberger Feuerwehr zu bauen, die bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Info-Abend des Spielmannszugs

Querflöte in verschiedenen Größen, Trommel, Marimba- und Xylophon gehören zu einem Flötenorchester. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ein solches Instrument spielen oder dieses lernen wollen (auch Erwachsene ohne Vorbildung), sind zu einem Info-Abend des Spielmannszugs eingeladen. Der beginnt am Freitag, 18. September, um 17 Uhr im roten Schulhaus in Schloßberg.

Kommentare