VEREIN MUSEUMS EISENBAHN GEMEINSCHAFT WACHTL

Wachtl-Bahn soll wieder fahren

Die letzte Bahn ist schon vor längerer Zeit abgefahren, dennoch bemühen sich Vorsitzender Josef Moser (links) und Dritter Vorsitzender Michael Fehring. Beide haben das Wohl des Vereins mit seinem museumsreifen Fuhrpark im Auge. hko
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Die letzte Bahn ist schon vor längerer Zeit abgefahren, dennoch bemühen sich Vorsitzender Josef Moser (links) und Dritter Vorsitzender Michael Fehring. Beide haben das Wohl des Vereins mit seinem museumsreifen Fuhrpark im Auge. hko

Nach einem guten Vierteljahrhundert Bahnverkehr mit der Wachtl-Bahn, die unter den Schmalspurbahnen mit 900 Millimetern Spurweite die älteste private Schmalspurbahn Europas war, die zwischen zwei Ländern verkehrte, ist nun Schluss. Doch der Verein Museums Eisenbahn Gemeinschaft Wachtl rund um den Vorsitzenden Josef Moser gibt nicht auf.

Kiefersfelden – Jahrzehnte lang war die Wachtl-Bahn ein touristisches Highlight, sie beförderte ihre Fahrgäste von Deutschland (Kiefersfelden) nach Österreich (Wachtl) und wieder zurück. Neben der schönen Landschaft, die an dem Mitfahrenden langsam vorbeizog, war es vor allem das nostalgische Flair der Bahn, mit ihren alten Waggons und Loks, das die Besucher anzog. Und so waren nicht wenige traurig, als der betreibende Verein, die Museums Eisenbahn Gemeinschaft Wachtl e. V., den Fahrbetrieb der einmaligen Schmalspurbahn im Jahre 2017 einstellen musste.

Die Strecke war aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahrbar und eine Sanierung der Gleisanlagen durch den Verein finanziell nicht realisierbar. Auf ihrer genau 6,1 Kilometer langen Strecke, entlang des wildromantischen Kieferbachs, Klausenbachs und der Thierseer Ache, erschloss sie dem Reisenden ein weitläufiges Wander- und Erholungsgebiet. Das reichte von den Oberaudorfer Almen und der Gießenbachklamm bis zum Tiroler Seengebiet zwischen Hecht- und Thiersee.

Betrieben und touristisch genutzt wurde die Bahn seit dem Jahre 1991 von der Museums Eisenbahn Gemeinschaft Wachtl – hauptsächlich an den Wochenenden, Feiertagen und auch zu Sonder- und Ausbildungsfahrten von Juli bis Oktober.

Darüber hinaus hat sich der rührige Verein auch die Erhaltung und Pflege von historischen Fahrzeugen und die Bewahrung der „Eisenbahntradition“ sowie Ausbildung, Prüfung und Fortbildung von Mitgliedern auf die Fahnen geschrieben.

Von vielen Feriengästen, aber auch Kieferern, wurde die Einstellung der Bahn daher bedauert und selbstredend bemüht sich der Vorstand rund um den Vorsitzenden Josef Moser um eine Wiederaufnahme des Fahrbetriebs. Mit seinen Vorstandskollegen hat er nach Klärung interner Personalien nun einen weiteren möglichen Verfahrensablauf erörtert. Vor allem muss der Eigentümer der Museumsbahn, das Unternehmen Südbayerische Portland-Zementwerk in Rohrdorf, von der Wiederinbetriebnahme der Wachtl-Bahn überzeugt werden. „Wir waren in Rohrdorf beim ,Tag der offenen Tür‘ des dortigen Zementwerks und hatten diesbezüglich auch ein kurzes Gespräch in freundlicher Atmosphäre“, so Dritter Vorstand Michael Fehring. „Wir sind wieder im Gespräch, aber es ist nicht klar, ob, wer und wann wieder gefahren werden darf.“ Dieser „Schwebezustand“ soll aber nicht ewig währen, „wir hoffen schon, dass wir in absehbarer Zeit wieder den Betrieb aufnehmen dürfen“, lautet die Botschaft, in der jedoch noch mehr Hoffnung als Überzeugung mitschwingt.

Von der Gemeinde Kiefersfelden wurde durch Bürgermeister Hajo Gruber jedenfalls schon im Vorfeld dem Verein zugesagt, bei einer Wiederaufnahme des Fahrbetriebs „die pflegerischen Maßnahmen entlang der Strecke“ durch die Gemeinde wieder aufzunehmen, mit denen die Kommune den Verein schon in den Jahren zuvor kostenlos unterstützt hatte.

Aktuell sind die Vereinsmitglieder aber auch nicht untätig, die Umgestaltung des Vereinsheims steht an und das Angebot an technischen Schulungen soll erweitert werden. Jochen von Hagen, zuständig für Kommunikation und Außendarstellung des Vereins, wird den Internetauftritt aktualisieren, um auch so neue Interessenten für die Wachtl-Bahn zu generieren. Im Eisenbahner-Videoportal newsletter@bahnwelt-tv.de ist dazu ein kurzes Video zu sehen.

Auch im Bereich der Jugendarbeit weht frischer Wind, der ehemalige Vorsitzende Maximilian Schrott kümmert sich um die jungen Vereinsmitglieder, die im Verein noch nicht die gewünschte Basis darstellen, trotz großer Modell-Eisenbahn im oberen Stockwerk des Vereinsheims. Im Fokus steht also die Vereinsarbeit, Pflege des Areals und das Generieren neuer Mitglieder, auch um den Bekanntheitsgrad der Museums-Eisenbahn zu erhöhen.

Ziel ist es, eine Neustrukturierung des Vereins und auch des Vereinslebens, wobei die Wiederaufnahme des Fahrverkehrs oberste Priorität hat. „Wir wollen an unseren urbanen Ideen mit Eisenbahnfahrten, Schulungen und technischer Weiterbildung festhalten und die Tradition des Eisenbahnerlebens aufrechterhalten“, so Michael Fehring.

Programm und Aktivitäten des Vereins sind unter der Homepage www.wachtl-bahn.de jederzeit einseh- und abrufbar.

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