BEWÄHRUNGSSTRAFE FÜR 26-JÄHRIGEN RAUBLINGER

Auf der Wache „ausgetickt“

Der Angeklagte hatte einem 22-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. dpa
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Der Angeklagte hatte einem 22-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. dpa

Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte einen 26-jährigen Raublinger jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Bedrohung und Beleidigung zu einer sechsmonatigen Gesamtfreiheitsstrafe auf Bewährung.

Raubling /Rosenheim – Nach zwei Mass Starkbier und etlichen Schnäpsen war der Raublinger offensichtlich auf Krawall gebürstet: Nach Stopps auf dem Starkbierfest und in einer Rosenheimer Bar waren Alkoholisierung und Aggressionspotenzial scheinbar so hoch, dass sich der 26-Jährige nicht mehr im Griff hatte.

Wieviel er in der Nacht auf 18. März getrunken hatte und warum es zu seinen Ausrastern gekommen war, konnte der junge Mann vor Gericht nicht mehr sagen. Allerdings entschuldigte er sich für sein Verhalten und räumte alle Tatvorwürfe ein.

Demnach hatte er im Punkt eins der Anklage vor einem Lokal in der Adlzreiterstraße einem 22-jährigen Rosenheimer einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und ihm dabei eine Platzwunde an der Oberlippe und Prellungen des Nasenbeins und des Kiefergelenks zugefügt. Der Rosenheimer, der als Nebenkläger auftrat, sagte aus, dass der Angeklagte möglicherweise seine Unterhaltung mit einem Spezl mitangehört hatte, in der es da rum ging, dass ein Mädchen zu ihm gesagt habe: „Hey, Du Arschloch, schau ned so blöd.“

Der Angeklagte habe nämlich daraufhin unvermittelt zugeschlagen und ihn anschließend noch geschubst, sagte der Rosenheimer. Dabei habe er sich den Kopf an einem Banner angeschlagen. Beim Eintreffen der Polizei sei der Angeklagte bereits weg gewesen, der Türsteher habe allerdings seinen Namen über Facebook herausgefunden. Derweil war der Raublinger nach eigenen Angaben auf dem Heimweg. Am Ludwigsplatz kam ihm dann jedoch ein Arbeitskollege mit einem Bekannten in die Quere. Der habe gepöbelt und nach Aggressionen auf beiden Seiten „ist die Sache schnell gegangen und ich habe zugeschlagen“.

Keine Erinnerung an Details

An Details konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern, allerdings war er „fast sicher“, dass er auch geschlagen worden sei, weil er am anderen Tag Schmerzen gehabt habe. Da es zu diesem Vorfall keine weiteren Details gab, weil der Geschädigte den Gerichtstermin verschwitzt hatte, wurde der Punkt zwei der Anklage auch im Hinblick auf die ohnehin zu erwartende Strafe auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Denn der Angeklagte hatte sich noch weiteren Ärger eingehandelt. Auf das Eintreffen der Polizei hatte der Raublinger recht unfreundlich reagiert. Er habe sich ungerecht behandelt gefühlt, sagte der Angeklagte. Die Polizisten hätten nicht professionell gehandelt und so habe sich die Situation hochgeschaukelt. „Ich würde Polizisten nie angreifen, denn die Polizei ist wichtig für die Gesellschaft“, beteuerte der Raublinger, der bereits im Vorfeld zweimal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war.

Aufgrund seines aggressiven Verhaltens und zweier Körperverletzungen innerhalb von 15 Minuten, habe man beschlossen, den Mann auch zu seinem eigenen Schutz in Sicherheitsgewahrsam zu nehmen, sagten die am Einsatz beteiligten Polizeibeamten. Der Angeklagte habe sich anfangs zwar ein wenig gegen die Fesselung gewehrt und einige Beleidigungen losgelassen, aber bis dahin habe man sein Verhalten unter „Wochenendstandardrepertoire abtun können.

„Ausgetickt“ sei er erst auf der Wache. Dort habe er sich die Kleidung vom Leib gerissen, wüste Beleidigungen ausgestoßen und gedroht: „Ich bringe Euch alle um“, „ich mach Euch fertig“ und „ich beende Eure Karrieren“. Auf dem Weg zur Zelle habe er seine Fäuste geballt, um auf einen Beamten loszugehen. Ein Kollege habe dies jedoch verhindern können. Die Beamten gaben an, dass der Angeklagte stark alkoholisiert aber nicht unzurechnungsfähig gewesen sei.

Für Staatsanwalt Dr. Mösner waren die Angaben des Geschädigten und der beiden Polizeibeamten glaubhaft. Strafmildernd wurde das Geständnis und die alkoholbedingte Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit gewertet. Geldstrafen hätten den Angeklagten bisher nicht davon abgehalten, weitere Straftaten zu begehen, deshalb sei eine Gessamtfreiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung und eine Geldauflage in Höhe eines Monatsgehalts angemessen, forderte der Anklagevertreter.

Verteidiger Raphael Botor hielt den Antrag zu hoch. Er verwies auf Schadenswiedergutmachung von 750 Euro, die sein Mandant dem Geschädigten in einem vollstreckbaren Vergleich zugesichert habe und plädierte für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen.

Massive Beleidigungen

Richterin Dr. Cornelia Dowila folgte weitgehend den Ausführungen des Anklagevertreters, blieb mit ihrem Urteil aber unter dessen Forderung. Der Angeklagte habe ein enormes Aggressionspotenzial an den Tag gelegt. Glücklicherweise sei der Faustschlag einigermaßen glimpflich ausgegangen. Zudem sei es in der Folge zu massiven Beleidigungen und einem tätlichen Angriff auf den Beamten gekommen. Zudem wurde dem Angeklagten die Teilnahme an einem Antiaggressionstraining und eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro auferlegt.

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