Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Bis zu 80 Tonnen pro Tag

Vom Apfel bis zum Saft: Rohrdorfer Unternehmen gibt einen Einblick in die Obstverwertung

Bis zu 80 Tonnen Äpfel werden täglich von Obstbauern zur Verwertung angeliefert.
+
Bis zu 80 Tonnen Äpfel werden täglich von Obstbauern zur Verwertung angeliefert.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
    schließen
  • Korbinian Sautter
    Korbinian Sautter
    schließen

Obst und Obstverwertung haben im Herbst richtig Konjunktur. Doch wie groß diese ausfällt, hängt vom ganzjährigen Wetter ab. Wie gut das Obstjahr tatsächlich ist, lässt sich bei der „Oro Obstverwertung“ ablesen.

Rohrdorf – Seit 38 Jahren ist Joachim Wiesböck in der Firma tätig und seit 20 Jahren dessen Geschäftsführer.

Was 1958 als ein Projekt von drei Brüdern auf dem Gelände eines stillgelegten Zementwerkes begann, ist heute einer der größten Fruchtsaftlieferanten der Region. In dem Betrieb mit 16 Beschäftigten wird seit 1958 für die Kunden Obst verwertet. Bei einem Rundgang erklärt Wiesböck, wie Äpfel, Birnen und vieles mehr in die Saftflaschen kommen.

Joachim Wiesböck, Oro-Geschäftsführer.

3,5 Millionen Füllungen pro Jahr

„Aktuell werden im Jahr 3,5 Millionen Flaschen mit rund 40 Getränkesorten verarbeitet und abgefüllt“, berichtet der Geschäftsführer. Erste Station ist dabei die Obst-Annahme, die in einem normalen Ernte-Jahr 80 Tonnen je Tag erreicht und die für das Most-Obst täglich von Montag bis Freitag und für das Bio-Obst jeden Mittwoch möglich ist. Um täglich auf die notwendige Menge zu bekommen, arbeitet das vor 63 Jahren gegründete Rohrdorfer Unternehmen mittlerweile mit 9000 Obstbauern zusammen. „Das geht von Hausgärten, die nicht wissen was sie mit ihren 20 Kilogramm Äpfeln machen sollen, bis hin großen Streuobstwiesen, die über zehn Tonnen abwerfen“, sagt Wiesböck. Als Streuobst stärkster Landkreis in Bayern könne man sich dafür glücklicherweise noch auf viele regionale Bauern verlassen.

„Heuer haben wir allerdings aufgrund von Frost, Hagel und Unwetter mit 20 bis 25 Tonnen je Tag nur ein Viertel der Anlieferungen“ – so Wiesböck, dessen zweite Führungsstation zeigt, wie das angelieferte Obst sortiert, getrennt und gereinigt wird. Alsdann kommt das Obst in die Presse. Dabei werden im Schleuder-Verfahren acht Tonnen in der Stunde zu Saft gemacht. Im Rahmen des Sterilisierungsverfahrens kommt es dann zu einer Kurzzeit-Erhitzung auf 90 Grad. Daraufhin wird das gepresste Obst auf 20 Grad zurückgekühlt und kommt als Saft in die kalte Tanklagerung.

Lesen Sie auch: Ein kleiner Garten Eden in Gefahr: Termin auf der Streuobstwiese in Rohrdorf

Vom Tank kommt der Saft nach Bedarf über die Abfüllanlagen in die Flaschen und in den Verkauf. „Der Tank hat ein Fassungsvermögen von 2,2 Millionen Liter, die wir im Herbst vollmachen“, berichtet Wiesböck stolz. Davon würden meist 1,4 Millionen Liter Apfelsaft verkauft werden, während der Rest als Reserve für schlechte Ernten eingelagert wird.

Hit des Jahres ist Mangoschorle

Wie Joachim Wiesböck weiter informiert, gibt es bei „Oro“ rund 350 Kunden inklusive Getränkemärkten, Brauereien und Gastwirtschaften, die – neben den Abholungsmöglichkeiten vor Ort – für den Vertrieb und Ausschank sorgen. Im Umkreis von 50 Kilometern werden unter anderem Apfel, Kirsche und Rhabarberschorlen verteilt. „Der größte Hit in diesem Sommer war speziell bei weiblichen Kunden die Mangoschorle“, erzählt Wiesböck.

Ein zentrales Motto für den Oro-Geschäftsführer ist eine gerechte Bezahlung der Obstbauern. „Gut bezahlte Lieferanten machen den Saft etwas teurer, aber wenn die Qualität stimmt, dann sind Kunden und Verbraucher einverstanden, zumal regionale Produktverwertung auch aus Umwelt-Überlegungen immer mehr an Bedeutung gewinnt“.

Das könnte Sie auch interessieren: Prien: Obst- und Gartenbauverein gartelt bereits seit über 100 Jahren

Sorgen bereiten ihm allerdings der Blick in die Zukunft und das allgemeine Bauern-Sterben, dazu sagt er: „Immer weniger kleine Landwirte bedeuten immer weniger kleine Streuobstflächen. Und wenn Kühe nicht mehr unter den Obstgärten weiden, dann ändert sich wieder was.“ Aus diesem Grund begrüßt Joachim Wiesböck das kürzlich in Rohrdorf gestartete Streuobst-Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung. Auf der Webseite www.streuobst-blueht.de will man laut dem Landwirtschaftsministerium über die Bedeutung der Streuobstwiesen aufklären und arbeitet dafür mit Bauern in der Region zusammen.

Lesen Sie auch:Rohrdorf/Nußdorf: Kalte Aprilnächte sorgen für spärliche Apfelernte

Damit all die Kunden und Abnehmer auch in saisonschwachen Zeiten ausreichend und zufriedenstellend bedient und beliefert werden können, gibt es bei „Oro“ zwei Grundsätze: Einmal ist das Tank-Fassungsvermögen so ausgelegt, das ein schwaches Obstjahr durch ein gutes Erntejahr ausgeglichen werden kann. Zum Zweiten bekommt „Oro“ bei Bedarf Obst aus Württemberg, Böhmen und Niederbayern.

Im niederbayerischen Rottal wurde eine Sammelstelle für Äpfel und Birnen übernommen, desweiteren gibt es Partner- und Sammelstellen in Sauerlach und Alteiselfing.

Geschäftsführer baut selbst an

Joachim Wiesböck, der selbst 30 Apfelbäume sein Eigen nennt und nach seinen Worten im Laufe der Zeit die Freude am Pflegen und Ernten gefunden hat, hat dafür auch eine natürliche Erklärung, indem er sagt: „Ein Apfelbaum hat zu jeder Jahreszeit eine angenehme Funktion und Ansicht, sei es beim Reif, bei der Blüte, oder im Sommer, wenn er Schatten wirft“. Die wichtigste Funktion bietet aber weiterhin der Herbst, wenn durch die Ernte der Startschuss für die Obstverwertung fällt.hoe/kos

Mehr zum Thema

Kommentare