Altwasser am Inn

Vogtareuth: Die Kinderstube für Fischnachwuchs wird wieder eröffnet

Den Weg bahnen: Die Verbindung zwischen Sulmaringer und Bucher Inn-Altwasser ist schon weit fortgeschritten, der Durchstich fehlt allerdings noch.
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Den Weg bahnen: Die Verbindung zwischen Sulmaringer und Bucher Inn-Altwasser ist schon weit fortgeschritten, der Durchstich fehlt allerdings noch.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Nasen-Winzlinge wollen es ruhig, wollen ganz gemütlich groß werden. Der Inn ist ihnen zu schnell. Die Altwasser unterhalb Vogtareuths sind aber vom Inn abgeschnitten. Also gibt es zwischen Feldkirchen und Rosenheim keine Nasen. Das ändert sich im nächsten Frühjahr.

Vogtareuth – Riesige Betonbauteile liegen auf dem schmalen Weg zwischen Inndamm und den Altwässern, im Wald steht ein Bauzaun, schwere Fahrzeuge haben Reifenspuren hinterlassen. Was auf den ersten Blick etwas erschreckend aussieht, entpuppt sich als ökologische Maßnahme.

Die Verbund AG, Betreiber der Innkraftwerke, hat sich seit Langem auf die Fahnen geschrieben, von „ihren“ Gewässern nicht nur zu profitieren, sondern sich auch um eine ökologische Aufwertung zu kümmern. Auch hier in der Region. So hat der Verbund, gemeinsam mit den Kreisfischereivereinen Wasserburg und Rosenheim in einem Großprojekt vor einem Jahrzehnt Altwässer und Auen oberhalb des Innwerks Wasserburg renaturiert und revitalisiert.

Vom Inn aus derzeit nicht zu erreichen

Unterhalb Vogtareuths werde derzeit laut Wolfgang Syrowatka, Pressesprecher der Verbund AG, Lebensraum erschlossen und für Wasserlebewesen erreichbar gemacht. Die Auengewässer in diesem Bereich oberhalb des Kraftwerks Feldkirchen seien derzeit für Wasserlebewesen vom Inn aus nicht erreichbar. „Mit der durchgängigen Anbindung ändern wir das nun“. Für rund 400.000 Euro.

Freude bei den Rosenheimer Fischern

Sehr zur Freude der Rosenheimer Fischer, die schon im Vorfeld der Maßnahme mit eingebunden waren. Deren Vorsitzender Rainer Schäfer berichtet, dass derzeit nur das Vogtareuther Altwasser direkt am Kraftwerk eine Verbindung zum Inn habe, das Sulmaringer und Bucher Altwasser nicht. So fällt das Bucher Altwasser zwei bis drei Meter hinab ins Sulmaringer Altwasser – für Fische ein unüberwindliches Hindernis. „Sie können nicht aufsteigen“, so Schäfer.

Hier geht’s nicht weiter: Das Bucher Altwasser fällt zwei bis drei Meter ins Sulmaringer Altwasser hinunter. Für Wasserlebewesen ein unüberwindbares Hindernis.

Kinderstube für Nasen und Eitel

Hintergrund ist, dass diese Gewässer Rückzugs- und Lebensräume für Wasserlebewesen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien sind. Vor allem die Nasen und die Eitel nutzen Altwässer gerne als Laichgebiet und Kinderstube. „Weil es keine Verbindung gibt, gibt es südlich vom Kraftwerk auch so gut wie keine Nasen im Inn. Oberhalb, südlich von Wasserburg, nach der Renaturierung dort, gibt es wieder Nasen, in der Sims und der Mangfall auch, aber in dem Teil vom Inn nicht“, so Schäfer.

Fischereiverein setzt Nasen ein

Das soll sich ändern. Der Kreisfischereiverein Rosenheim hat ein Nasen-Programm, in dem aus dem Laich Jungfische aufgezogen werden. Und diese sollen, nach Abschluss der Arbeiten an den Altwässern, ab April 2021 dort eingesetzt werden. Und wenn die kleinen Nasen dann große Nasen sind, wandern sie in den Inn.

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„Das Ziel dieser und vieler anderer ökologischer Maßnahmen, die wir umsetzen, ist nicht, mehr Kilowattstunden zu erzeugen. Erklärtes Ziel ist die weitere Verbesserung der Lebensraumqualität“, so Syrowatka.

Ökologischen Wert langfristig sichern

Neben der Verbesserung und Aufrechterhaltung des Hochwasserschutzes – derzeit gerade auf der anderen Innseite direkt beim Kraftwerk Feldkirchen – schaffe der Verbund mit seinen Revitalisierungsprojekten neuen Lebensraum, schütze den Erhaltungszustand durch ein mit den Behörden abgestimmtes Pflegemanagement. „Unser Ziel ist die Vernetzung von Flusslebensräumen, Nebenflüssen und großen Auengebieten“, so der Verbund-Sprecher. Durch systemisch großräumige Ansätze versuche das Unternehmen, den ökologischen Wert langfristig zu sichern.

Vogtareuths Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter kann nachvollziehen, dass Spaziergänger derzeit ob der großen Fahrzeuge und ihrer Spuren erschrecken, bei dem weichen Boden sehe es vermutlich schlimm aus. „Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass der Verbund nach dem Abschluss der jeweiligen Maßnahme alles wieder sehr gut herrichtet“.

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