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Dorferneuerung läuft gut

Der Traum des Bürgermeisters wird wahr: Vogtareuth bekommt eine Dorfmitte

Zwei Männer, Gerhard Rinser und Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter,  stehen mit einem Plan vor einem Erdhügel und einem Bagger. Anstelle des Erdhügels soll im Rahmen der Dorferneuerung die neue Ortsmitte von Vogtareuth entstehen.
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Gerhard Rinser vom Vorstand der Dorferneuerung (links) und Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter mit dem Plan für die neue Ortsmitte in der noch nicht neuen Ortsmitte.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Peter Höcherl hat gerade richtig Spaß an seinem Beruf. „Die Vogtareuther sind so engagiert, es ist klasse“, schwärmt der Mann, bei dem die Fäden der Dorferneuerung zusammenlaufen. Die Erfolge nehmen Form an.

Vogtareuth - Das erste, das Peter Höcherl von seiner neuesten Dorferneuerungsgemeinde sah, war das „Prinzessinnenhaus“. Es gehörte zu dem Zeitpunkt einer sehr wohlhabenden Araberin, die sich nicht kümmerte. Das Haus zerfiel. „Oh, je, der Ort braucht Hilfe“, habe er damals gedacht, erzählt Höcherl.

Und er hat gut Lachen: „Ich habe schnell gemerkt, dass in Vogtareuth alle mit Begeisterung dabei sind, sich unglaublich engagieren.“ Allen voran Gerhard Rinser, sozusagen Ortschef der Dorferneuerung, der Partner vor Ort von Höcherl, der beim Amt für ländliche Entwicklung (ALE) für die Gemeinde zuständig ist. Rinser sprudelt vor Begeisterung, wenn er aufs Thema Dorferneuerung kommt. Der ganze Prozess, die Zusammenarbeit in den Arbeitskreisen, der kurze Draht ins Rathaus zu Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter und der Verwaltung, das gefällt Rinser richtig gut.

Dem Bürgermeister auch. Zumal jetzt Leitmannstetters Traum von einer großen freien Fläche im Ortszentrum wahr wird. Gegenüber vom neuen Pfarrzentrum, neben der Feuerwehr. Die Fläche, die mit Schotterrasen begrünt wird, bekommt in der Mitte einen Brunnen, gestaltet vom in Vogtareuth lebenden Künstler Alfred Regnat. Fußwege aus geschliffenen Granitsteinen sorgen für eine gute Anbindung in alle Richtungen -auch zur Schön-Klinik. „Wir müssen die Klinik mehr in den Ort holen“, sind sich Rinser und Leitmannstetter einig. Zumal dort jetzt das McDonald-Haus für die Familien langfristig kranker Kinder gebaut wird.

Alfred Regnat hat den Brunnen für die neue Vogtareuther Dorfmitte gestaltet.

Über die Granitsteine haben aber nicht nur Höcherl, Rinser und die Aktiven der Dorferneuerung entschieden. Nein, es wurden fünf oder sechs Muster verlegt und jeder Vogtareuther konnte seinen Favoriten auf einen Zettel schreiben und in einen eigens dafür vorgesehenen Briefkasten werfen.

Was Rinser an dem ganzen Prozess der Dorferneuerung besonders gut gefällt: Höcherl und das ALE wollen den Vogtareuthern nie etwas „aufdrücken“. Höcherl höre zu, koordiniere und habe viel Geduld. „Ideen und Projekte brauchen Zeit zum Reifen“, sagt der. „Dorferneuerung ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“

Die Anlieger seien von der Idee einer neuen Ortsmitte von Anfang an angetan gewesen. Sie wurden auch immer informiert und werden jetzt gefragt, ob sie sich beteiligen wollen. „Wenn der Bagger eh schon da ist, kostet viel weniger“, lacht Rinser. Die ersten stünden auch schon in den Startlöchern.

Die alte Ökonomie erstrahlt in neuem Glanz

Schon über die Ziellinie sind Hans und Kathi Bürger-Schuster. Die beiden haben die „alte Ökonomie“, ein Nebengebäude der Vogtei, mit viel Zeit, Geld und Herzblut grundsaniert. „Es ist wunderschön geworden“, freut sich Höcherl, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft. Architekt Richard Kröff und seine Planerin Theresa Stein nahmen sich des Baudenkmals an. Sie hatten damit zu kämpfen, dass das Gebäude im Erdgeschoss und im ersten Stock nur von einer Seite aus Licht bekommt. An der von der Kirche abgewandten Seite waren aber Dachfenster möglich, so dass die fünf Wohnungen im Reihenhausformat alle eine Galerie über dem ersten Stock haben. Und die ehemaligen Garagentore durften zu großen Fenstertüren umgebaut werden.

Die „alte Ökonomie“ im Vogtareuther Dorfzentrum ist mit viel Aufwand saniert worden. Ein Paradebeispiel für die Beteiligung von Privatpersonen an der Dorferneuerung, findet Peter Höcherl vom Amt für ländliche Entwicklung.

Hans und Kathi Bürger-Schuster investierten in eine Befunduntersuchung des Gebäudes. Restauratorin Doris Wolf-Reich fand einen großen gemauerten Bogen aus dem ein Fenster in der Mitte des Gebäudes wurde. Die Bauherren waren, nachdem die alte Ökonomie von allem befreit wurde, was dort nicht hingehörte, von den Proportionen des Gebäudes so angetan, dass sie mehr Geld in die Hand nahmen, als ursprünglich geplant. Und sie stellten Baumaterial: Alles im Gebäude verbaute Holz ist Esche aus Bürger-Schusters Wäldern.

Idealfall für private Beteiligung

Die Fläche zwischen alter Ökonomie, Kirche und Vogtei wurde hübsch angelegt, die Zufahrt zur Kirche und zur Ökonomie barrierefrei gestaltet. „Das ist der Idealfall, wie sich ein Privatmann an der Dorferneuerung beteiligen kann. Das ist ganz hohes Niveau“, schwärmt Höcherl. Dessen Amt das Projekt der Bürger-Schusters, wie jede Maßnahme einer Privatperson im Rahmen der Dorferneuerung, mit einem Zuschuss für Fenster, Fassade und Garten bedachte.

Im Frühjahr 2023 geht es los

An der Ecke Vogteistraße/Moosstraße liegt derzeit noch ein Berg Erde. Aber in den Straßen liegen, bis auf Glasfaser, alle Leitungen, die dort hingehören und zum Teil erneuert werden mussten. „Es ist alles in trockenen Tüchern“, stellt der Bürgermeister zufrieden fest, „im nächsten Frühjahr können wir anfangen.“ Sind der neue Dorfplatz und die Moosstraße fertig, geht es an der Einmündung Rosenheimer/Vogteistraße weiter. Die ist im Moment sehr breit, soll durch eine begrünte Insel schmaler werden. Egal wo gerade gebaut werde, die Zufahrt der Feuerwehr sei immer offen, versichert der Bürgermeister.

Leitmannstetter und Rinser gehen davon aus, dass die neue Dorfmitte bis Ende nächsten Jahres fertig ist. Vielleicht gibt es dort dann ja auch einen kleinen Weihnachtsmarkt, hoffen die beiden. Peter Höcherl wäre dabei: „Ich sitze dann auf einem Bankerl und genieße“.

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