Harte Einschnitte für Tourismus und Gastro

Viel Frust im Frost: So reagiert die Region auf die Verlängerung des Corona-Lockdowns

Lichtblick in weiter Ferne: Richtigen Betrieb wird die Hocheckbahn frühestens ab 10. Januar erleben.
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Lichtblick in weiter Ferne: Richtigen Betrieb wird die Hocheckbahn frühestens ab 10. Januar erleben.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Unsicherheiten durch das Hin und Her der Corona-Regeln in Bayern und Tirol, dazu die Verlängerung des Lockdowns: Tourismus- und Gastgewerbe drohen nicht nur Verluste, man sieht sich zu Unrecht als Pandemietreiber bezichtigt. Mit unterschiedlichen Maßnahmen will man den Härten eines Winters ohne richtige Saison begegnen.

Grassau/Oberaudorf –Marcel Henneke ist auf seine Art so etwas wie ein Corona-Veteran. Bis vor kurzem arbeitete er in einem Hotel auf Mallorca, wo Corona ziemlich viel, wenn nicht sogar alles lahmlegte. Seit zwei Monaten ist er als Generalmanager am Hotel „Golf Resort“ Grassau tätig. Seinen Einstand feiert er in einer schweren Zeit. Die Sperrung von Hotels und Gaststätten bis zum 10. Januar, der Lockdown auch über Weihnachten und Silvester „trifft uns natürlich hart“.

Schlepplift als Gefahr?

Hannes Reichenauer betreibt in Oberaudorf die Hocheckbahn und sieht Skiliftbetreiber und Hotellerie zu Unrecht gestraft. Man habe doch den Sommer über ja gezeigt, dass die Hygienekonzepte greifen. Und wer bitte solle sich in einem Schlepplift anstecken?

An Oberaudorfs Bürgermeister Mathias Bernhardt ist Rechenauer daher mit einer Bitte herangetreten: Er möge doch Ministerpräsident Söder nach Oberaudorf einladen, damit der sich das mal vor Ort anschauen könne: Wie man für Abstand und Sicherheit der Gäste sorge, wie man investiert habe, wie wenige Aerosole sich beim Wedeln verbreiten und vor allem: dass Oberaudorf mit dem „Seuchenort“ Ischgl so wenig zu schaffen habe, als läge es am andern Ende der Welt und nicht nur 250 Kilometer entfernt.

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Ischgl! Das ist das eine Wort, das auch bei Florian Weindl den Blutdruck hoch und die Stimmung runtergehen lässt, die Summe all dessen, was in Zeiten einer Pandemie im Tourismus schiefgehen kann. Statt auf Party und Massentourismus zu setzen, hätten sich die bayerischen Wintersportorte doch in eine ganz andere Richtung entwickelt, sagt der Leiter der Tourist-Information von Reit im Winkl. Man fährt den Ort nicht runter, macht aber sanfte Angebote.

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Schneewandern und Langlauf für Tagesausflügler werde man anbieten. Unter anderem sollen die rund 150 Kilometer Loipen verbreitert werden, damit Langläufer den Abstand halten können. Das Vorhaben stand zuletzt auf der Kippe, da das Gesundheitsministerium auch gespurte Loipen in freier Natur als Sportstätten im Sinne der Infektionsschutz-Verordnung definiert hatte. Damit wäre Langlauf verboten gewesen. Diese Regelung, die vielerorts für Unverständnis gesorgt hatte, ist nun vom Tisch.

Das Leid von Handel und Tourismus

Handel und Tourismus im Grenzgebiet leiden. An den Regeln, die auch den Kleinen Grenzverkehr langsam abschnüren. Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber bestätigte, „dass kaum noch ein Kunde aus Österreich kommt“. Was an den bayerischen Corona-Regeln liegt. Nach ihnen sollen überhaupt nur noch notwendige Touren über die Grenze unternommen werden. Und das ohne Quarantäne-Pflicht nur dann, wenn man sich kürzer als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten hat.

Stichwort Tirol: Was erlaubt und was verboten ist. Grafik

Diese Regeln übertrumpft Österreich demnächst. „Voraussichtlich ab 19. Dezember“, so sagt es ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, schottet sich Österreich gegenüber Risikogebieten ab. Das ist jedes Land, das eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 aufweist. Ob als Deutscher einreisend oder als Österreicher zurückreisend: Es muss – bis auf Ausnahmen – in Quarantäne, wer aus Deutschland kommt.

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Das bedeutet: Einheimische können wohl ab 26. Dezember in Österreich wieder Ski fahren, Deutsche aber nicht. Während in Reit im Winkl das Schweigen im verschneiten Walde herrscht, darf drüben, auf der anderen Seite in Kössen, über die Piste gebrettert werden. Das wird bei Skifans hart ankommen. Jedoch haben die Österreicher bereits „verstärkte Kontrollen“ durch die Polizei angekündigt. Details werden eben ausgearbeitet, hieß es.

Besondere Brisanz

„Es muss schon lichterloh brennen, wenn Kanzler Kurz so etwas verkündet“, sagt mit einem gewissen Verständnis dafür der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion. „Er sperrt die Deutschen aus, die in den Skigebieten für 80 Prozent der Umsätze sorgen.

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Das zeigt die Brisanz der Geschichte.“ Stöttner hatte kürzlich mit Verweis auf das vorbildliche Verhalten der Tourismusbranche Markus Söders Corona-Maßnahmen leise in Frage gestellt. Jetzt sagt er hingegen: „Wenn die Zahlen nicht besser werden, dann droht der Komplett-Lockdown. Das will ich auch nicht.“

Wie lang braucht die Branche Hilfe?

Es bleibt die Hoffnung. Auf einen baldigen Sieg über Corona. „Es wird sicher einen großen Nachholeffekt geben“, glaubt etwa Marcel Henneke. „Das sieht man jetzt schon in China.“ Stöttner setzt darauf, dass die Hilfe des Freistaats die wirtschaftlich so wichtige Tourismus- und Gastro-Branche bei guter Gesundheit halte. Nach der Novemberhilfe sei eine Unterstützung für Dezember in Sicht, „75 Prozent Umsatzentschädigung – das ist eine vernünftige Entschädigung“.

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Und Hannes Reichenauer hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Söder seiner Einladung folgt. Zur Besichtigung der Hygienemaßnahmen, aber auch zum Skifahren. Wenn er denn will. Wenn nicht? „Dann darf er bei uns auch gerne rodeln“, sagt Reichenauer.

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