Verkauf von "Tafelsilber" abgelehnt

Die Pro-Kopf-Verschuldung von Großkarolinenfeld ist seit 2006 stetig gesunken. Das wird sich ab 2016 ändern, da die Ortsmitte neu gestaltet und ein Rathausbau geplant wird. Dafür müssen Kredite aufgenommen werden. Grafik re
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Die Pro-Kopf-Verschuldung von Großkarolinenfeld ist seit 2006 stetig gesunken. Das wird sich ab 2016 ändern, da die Ortsmitte neu gestaltet und ein Rathausbau geplant wird. Dafür müssen Kredite aufgenommen werden. Grafik re

Einstimmig hat der Gemeinderat Großkarolinenfeld den Haushalt 2015 abgesegnet. Der Verwaltungsetat umfasst 11,2 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt 4,1 Millionen Euro.

Die Hebesätze der Grundsteuer A und B sowie der Gewerbesteuer bleiben unverändert und liegen weiterhin im Mittelfeld der Steuersätze des Landkreisdurchschnitts.

Großkarolinenfeld - Die Einnahmen aus der Grundsteuer A werden voraussichtlich 45000 Euro betragen (2014: 43192 Euro). Bei der Grundsteuer B ist die Tendenz laut Kämmerer Werner Maushammer leicht steigend: Für 2015 rechnet er mit Einnahmen von 630000 Euro gegenüber rund 617000 Euro im Vorjahr.

Die Gewerbesteuereinnahmen hatten sich 2014 mit rund 1,2 Millionen Euro gegenüber 2013 (1,5 Millionen Euro) um knapp 30 Prozent verringert. Dieser Rückgang, so Maushammer, sei bedingt durch den Wegfall zweier Gewerbesteuerpflichtiger, deren Vorauszahlungen über 560000 Euro betragen hätten. Die für 2015 angesetzte Höhe der Gewerbesteuereinnahmen mit 1,3 Millionen Euro sei durchaus realistisch, da die Soll-Stellung für die Gewerbesteuer am 12. Februar bereits knapp eine Million Euro betragen habe.

Der Anteil der Gemeinde am Aufkommen der Grunderwerbssteuer ist seit 2010 konstant gestiegen, so der Kämmerer. Daher wurden die voraussichtlichen Einnahmen auf 148000 Euro angesetzt (Vorjahr: rund 135000 Euro).

Steuereinnahmen

steigen weiterhin

Aufgrund der guten Wirtschaftslage sind die Einnahmen aus dem Anteil an der Einkommenssteuer seit 2011 kontinuierlich gestiegen. Der Haushaltsansatz von knapp 3,9 Millionen Euro (Vorjahr: 3,7 Millionen Euro) beruht auf einer Mitteilung des Landesamtes für Statistik über die voraussichtliche Höhe.

Die Schlüsselzuweisungen sind für das laufende Jahr um etwa 500000 Euro höher auf rund 1,15 Millionen Euro angesetzt. Die Einnahmen aus den Wassergebühren steigen vermutlich nur leicht, so der Kämmerer. Hier sollen demnächst die Gebühren neu festgesetzt werden und eventuell sinken. Ähnlich ist es bei den Abwassergebühren: Da die Kläranlage Tattenhausen aufgelöst und an die Abwasserbeseitigungsanlage Großkarolinenfeld angeschlossen werden soll, muss neu berechnet werden.

Die zu zahlende Kreisumlage wird sich 2015 von 2,5 Millionen Euro im Vorjahr um knapp140000 Euro (plus 5,3 Prozent) auf rund 2,8 Millionen Euro erhöhen. Die Personalausgaben der Gemeinde pro Einwohner steigen um 6,2 Prozent von 384 Euro auf 405 Euro. Dies sei nicht nur einer Lohnerhöhung um durchschnittlich 2,4 Prozent, sondern auch der Wiederbesetzung von Planstellen, der Einstellung eines stellvertretenden Kämmerers und der Schaffung zweier neuer Stellen in der Kinderkrippe geschuldet, so Maushammer. Dem Stellenplan stimmte das Gremium einstimmig zu.

Die abzuführende Gewerbesteuerumlage wird sich von 233000 Euro auf 257000 Euro erhöhen. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug Ende 2014 rund 723 Euro und soll 2015 auf 711 Euro sinken. Damit liegt Großkarolinenfeld um 48 Euro unter dem bayerischen Durchschnittswert.

Zuführung in Höhe von 1,52 Millionen

Die Tilgungsausgaben belaufen sich auf rund 64000 Euro, die Zuführung zum Vermögenshaushalt beträgt 1,52 Millionen Euro. Damit wird die Pflichtzuführung um 1,45 Millionen Euro überschritten, teilte Maushammer weiter mit.

Zum Abschluss des Rechnungsjahres 2014 kann eine Zuführung zur Rücklage von 390000 Euro erzielt werden. Dieser Überschuss wird als Mehreinnahme des Jahres 2014 in den Haushalt für 2015 eingestellt.

Der Schwerpunkt bei den Ausgaben des Vermögenshaushaltes 2015 von knapp 4,1 Millionen Euro bilden Bauvorhaben. Die allgemeinen Rücklagen hatten am Jahresanfang einen Stand von 105000 Euro betragen, womit die Höhe der Mindestrücklage eingehalten ist. Aufgrund erheblicher Investitionen zwischen 2014 und 2018 in Höhe von insgesamt rund 18,7 Millionen Euro wird der Höchstbetrag der Kassenkredite auf zwei Millionen Euro festgesetzt.

Hohe Investitionen stehen an

Bis 2018 werden voraussichtlich weitere 9,8 Millionen Euro an Investitionsmitteln nötig sein. Im Finanzplanungszeitraum wurden sowohl Investitionsmittel für die Durchführung des Park- &-Ridekonzepts, des Ausbaus der Bahnhofstraße, für den Neubau eines Rathauses, den Anschluss der Kläranlage Tattenhausen an das Kanalnetz Großkarolinenfeld sowie für weitere Grunderwerbe berücksichtigt.

In den kommenden Jahren werde ein Haushaltsausgleich nur mehr mit Kreditaufnahmen möglich sein, so Kämmerer Maushammer. Diesen Finanz- und Investitionsplan befürwortete das Gremium mehrheitlich gegen die beiden Stimmen von Dr. Erwin Gutsmiedl und Margarete Knorek von der GBV."Wir haben 13 Jahre keine Schulden gemacht und eine gute Vermögensvorsorge betrieben", zog Bürgermeister Bernd Fessler Bilanz. Josef Lausch von der PLW lobte ebenso wie Franz Dußmannvon der SPD und Margarete Knorek von der GBW das von der Kämmerei vorgelegte Zahlenwerk. Ein Antrag von Gutsmiedl, unterstützt von seiner Kollegin Knorek, Leonhard Krichbaumer von der CSU und Roman Hörfurter von der PLW, in Anbetracht der ab 2016 geplanten Investitionen statt einer Neuverschuldung zwei Grundstücke im Gesamtwert von rund einer Million Euro zu verkaufen, fand keine Mehrheit. "Tafelsilber" soll nicht verkauft werden, befand die Mehrheit und lehnte den Antrag mit 13 gegen vier Stimmen ab. hh

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