Unerträgliches Pfeifen: Rohrdorf wehrt sich gegen den Lärm der Züge

Knapp an den Balkonen der Anwohner führt in Thansau das Bahngleis vorbei. Die Lokführer der Güterzüge müssen an ungesicherten Bahnübergängen mehrere Sekunden pfeifen, Schilder – wie hier auf Höhe des Führerstandes zu sehen – markieren die Signalstellen.
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Knapp an den Balkonen der Anwohner führt in Thansau das Bahngleis vorbei. Die Lokführer der Güterzüge müssen an ungesicherten Bahnübergängen mehrere Sekunden pfeifen, Schilder – wie hier auf Höhe des Führerstandes zu sehen – markieren die Signalstellen.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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„Der Lärm ist unerträglich“ finden viele Rohrdorfer und Thansauer. „Der Lärm“ ist das Pfeifen der Güterzüge, wenn sie über einen der vielen ungesicherten Bahnübergänge im Gemeindebereich fahren. Der Widerstand im Ort wächst.

Rohrdorf – Den Anwohnern der Güterverkehrsstrecke reicht es: Vor wenigen Tagen traten sie eine Unterschriftenaktion los. Ziel sei es, so Sepp Wagner, einer der Initiatoren, die Bemühungen der Gemeinde Rohrdorf zu unterstützen. Diese versucht, mit den Verantwortlichen der Bahn, der Politik und der Wirtschaft eine Lösung des Lärmproblems zu finden.

Pfeifton Vorschrift an ungesicherten Übergängen

„Ein Pfeifton an Bahnübergängen wird nicht zum Selbstzweck abgegeben, sondern dient der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer“, so ein Sprecher der Deutschen Bahn. Er werde immer dann abgegeben, wenn an einem nicht gesicherten Bahnübergang die Strecke von den Verkehrsteilnehmern nicht weit genug eingesehen werden könne.

17 von 23 Bahnübergängen sind nicht gesichert

Und solche Bahnübergänge gibt es viele in der Gemeinde, zum Teil keine 100 Meter auseinander. Acht hat Wagner in Thansau gezählt, darunter zwei, an denen der Lokführer gleich zweimal pfeifen muss. Es gibt 15 weitere Bahnübergänge in Thansau und Rohrdorf, vier davon sind technisch gesichert, an zweien muss der Zug halten, die restlichen sind nicht gesichert. Die Initiatoren der Unterschriften-Aktion wollen sich dafür einsetzen, dass alle Bahnübergänge gesichert werden, keine Signaltöne mehr nötig sind.

Bürgermeister froh über Rückendeckung

Simon Hausstetter, der Bürgermeister, ist um die Unterstützung seiner Bürger froh. Am Montagvormittag seien innerhalb weniger Stunden gut 50 Unterschriften im Rathaus eingegangen, erzählt er. Wagner hat übers Wochenende nur in seiner Nachbarschaft etwa 100 gesammelt.

Anwohner pro Zug, aber gegen gellendes Signalhorn

Der Unmut der Anwohner bezieht sich nicht auf die Zugfahrten zur Müllumladestation im Griesenholz und zum Zementwerk, betont Wagner. „Wir sind sehr für die Züge“, versichert Wagner. Das Problem sei allein das Pfeifen. Das sei früher schon nervig gewesen, heute sei es unerträglich, laut und schrill. Zu hören bis zum Samerberg, nach Riedering, in die Kastenau und nach Happing, berichten Hausstetter und Wagner.

Pfeifton gesetzlich geregelt

„Das Pfeifen tut direkt weh“, findet auch Bernhard Huber, Rohrdorfs BBV-Obmann. Für ihn ist der erste Schritt, zu klären, ob das Pfeifen tatsächlich so laut sein muss. „Der Pfeifton muss so laut sein, dass er vom Autofahrer im Fahrzeug gehört wird. Lautstärke und Art des Pfeiftons sind in einer Richtlinie geregelt“, so der Bahnsprecher.

Bauern sind gesprächsbereit

Im Zweifelsfalle, so der BBV-Obmann, seien die Landwirte in der Gemeinde bereit, den einen oder andern Bahnübergang aufzugeben, gerade in der Nähe von Siedlungen. Sie müssten aber noch zu ihren Feldern kommen. Er könne die Anwohner gut verstehen, so Huber, und gehe davon aus, dass auch seine Berufskollegen bereit seien, das Schlimmste abzuwenden.

Züge fahren zum Zementwerk und zur Müllumladestation

„Wir haben getan, was wir konnten“, versichert Dr. Benjamin Geller, Werkleiter bei Rohrdorfer Zement. Sie hätten die Wagengarnituren gewechselt, führen jetzt auch mit ganz modernen Loks, „die die ÖBB in Kooperation für uns entwickelt hat“. Die Frühzüge seien meist nicht vom Zementwerk „und wir versuchen, bis 22 Uhr längst durch zu sein.“ Die Frühzüge fahren zur Müllumladestation des Landkreises, „zwei hin und zwei zurück“, bestätigt Michael Fischer, der Sprecher des Landratsamtes. Allerdings fahren sie nicht nur zur Umladestation, sondern weiter bis Rohrdorf, „weil sie erst hier die Lok umkoppeln können“, verrät der Bürgermeister.

Zementwerk und Gemeinde im Gespräch

Mit ihm und den Gemeinderäten, die sich einig sind, dass etwas passieren muss, hatten sich Vertreter des Zementwerkes schon zu einem Gespräch getroffen, besprochen, wie die Lage aussieht. „Das war gut – und wir haben dann auch den Kontakt zur Bahn hergestellt“, so Geller.

Anwalt und Gutachterin beauftragt

Die Gemeinde hat laut Bürgermeister zudem einen Rechtsanwalt beauftragt, der klären soll, was überhaupt möglich ist. Und eine Gutachterin eingeschaltet, um belastbare Zahlen zu haben, zum Beispiel zur Lautstärke des Signaltons.

Ortstermin mit Bahn Ende Oktober

Was mit den diversen Bahnübergängen geschehen soll, welche gesichert, welche aufgelassen werden, das soll beim Ortstermin in der kommenden Woche besprochen werden. Ziel sei es, die Situation der Anwohner zu verbessern, betonen sowohl Landratsamt wie Bürgermeister wie Bahn. Im Vorfeld dieses Ortstermins wollte sich die Bahn nicht zu möglichen Kosten oder Realisierungszeiträume äußern.

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