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Unterstützerkreis kommt in Schwung

Stephanskirchen packt an: Erprobte Struktur funktioniert und hilft Ukraine-Flüchtlingen

Erst begeistert gepackt, dann fleißig mit verladen: die Grundschüler aus Schloßberg und ihre Hilfspakete für Kinder in der Ukraine. re
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Erst begeistert gepackt, dann fleißig mit verladen: die Grundschüler aus Schloßberg und ihre Hilfspakete für Kinder in der Ukraine. re
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Keinen Monat nach der ersten russischen Rakete saßen in Stephanskirchen 25 Frauen, Kinder und Männer aus der Ukraine in Schloßberg und hatten ihre erste Deutschstunde. Die Erfahrungen der Stephanskirchner Helfer aus den Jahren nach 2013 griffen.

Stephanskirchen – Was ist mit Schulpflicht? Wie bekomme ich eine Arbeitserlaubnis? Wie meldet man sich eigentlich an? Wie können wir hier helfen? Wie dort? Offene Fragen rund um die Flüchtlinge aus der Ukraine gibt es reichlich. In Stephanskirchen trafen sich jetzt knapp 100 Frauen und Männer, fanden sich zum Unterstützerkreis Ukraine zusammen und versuchen gemeinsam, Antworten auf die Fragen zu finden.

Flüchtlingszahl steigt kontinuierlich

Vor gut einer Woche waren es noch 25 Geflüchtete, die in der Gemeinde angekommen waren, vor knapp einer Woche dann schon über 50 und die Zahl steigt kontinuierlich an in Richtung 100. Zumeist handelt es sich um Frauen und Kinder, vereinzelt sind auch Männer dabei. Die große Mehrheit ist privat untergebracht. An der Salzburger Straße hat der Landkreis seit 1.April zudem ein Haus angemietet, das zwölf Personen Platz bietet.

Strukturen schaffen, das sei das Ziel des ersten Helfertreffens gewesen, sagt Helmut Heiss, bis 2020 Integrationsbeauftragter der Gemeinde und mit entsprechenden Erfahrungen der damaligen Flüchtlingswelle ausgestattet.

Also wurden Arbeitsgruppen gebildet: „Vermieter“, „Kümmerer“, „Begleitung“, „Kita und Schule“ sowie „Sprachkurse und Dolmetscher“. Alle Teilnehmer bekamen eine Karte, wer sich wo Mitarbeit vorstellen kann. „Der Rücklauf war toll, die Auswertung läuft“, so Heiss.

Die Köpfe der Arbeitsgruppen (von links): Stefan Lechner und Barbara Lohmeyer (für die Vermieter), Helmut Heiss (für die „Kümmerer“), Steffi Panhans (für Fahrdienste und Begleitung), Michaela Plass (für KiTa und Schule), Carola Schreiner (für Sprachkurse und Dolmetschen).

Die Leitenden der Arbeitskreise sind für Organisation und Vernetzung zuständig. „So können wir auch agieren, nicht nur reagieren“, sagt Heiss. Denn, so Steffi Panhans, Dritte Bürgermeisterin und Kopf der Gruppe Begleitung und Fahrdienst, es gebe in der Gemeinde viele Kompetenzen, die müssten nur gebündelt und vernetzt werden.

Deutschkurs läuft schon seit 22. März

Stephanskirchen war eine der ersten Gemeinden, die einen Deutschkurs für Ukraine-Flüchtlinge anbot. Er läuft schon seit dem 22.  März. „Das ist auch eine sehr gute Möglichkeit für uns, Nachrichten zu verbreiten“, so Panhans.

Der kritische Punkt ist für Heiss diesmal gar nicht so sehr die Integration. Da viele in Familien untergekommen sind, ergebe sich einiges von selbst. Zum anderen kämen die Geflüchteten aus einem europäischen Land, der Kulturkreis sei ähnlich. Und es seien zum Teil Deutsch- oder Englischkenntnisse vorhanden, was die Sache auch erleichtere.

Knackpunkt sind die Unterkünfte

Knackpunkt sind die Unterkünfte. Denn wer eine Wohnung – oder Ferienwohnung – zur Verfügung stellt, möchte oder muss oftmals wissen, für wie lange. „Unbegrenzt ist das nur bei den wenigsten möglich“, so Heiss. Und anders als 2015/2016 kann auch die Gemeinde nicht mal eben zehn Quartiere aus dem Boden stampfen. Zwei für jeweils zwölf Personen stellt sie bisher. Neben dem Gebäude in der Salzburger Straße auch die Villa Baumer an der Kuglmoos-straße.

Eines wurde schon während des Treffens, bei dem zwei Mitarbeiterinnen der Caritas die Teilnehmer mit Informationen rund um Anmeldung, Unterkunft, Schulpflicht und anderem mehr versorgten, klar: „Es sind viele Menschen gewillt, für eine optimale Gestaltung der Situation auf wackeligen Beinen zu arbeiten“, so Panhans.

Bürgermeister Karl Mair ist froh, dass die Verbindung von Haupt- und Ehrenamtlichen wieder rund läuft. „Das hat schon vor sechs, sieben Jahren gut funktioniert und jetzt wieder.“

Michaela Plass ist in der Gemeindeverwaltung für Asyl- und Flüchtlingsfragen zuständig, aber auch Kopf der Gruppe „Kitas und Schule“. Also der personifizierte direkte Draht zwischen Ehrenamt und Rathaus. Dementsprechend aktuell sind auch die Hinweise auf der Internetseite der Gemeinde.

Grundschüler waren höchst aktiv

Icke Biberger und Christina Tomczyk erzählten beim Treffen des Unterstützerkreises vom Hilfstransport in die Ukrainie, der von Familie Heilmaier angestoßen und organisiert wurde. Christina Tomczyk kam über ihre Kinder dazu. Die beiden hatten sich – wie viele Schulkinder – alles möglich einfallen lassen, um Geld für ukrainische Kinder zu sammeln. „Mein Sohn hat sogar den Nachbarn angeboten, gegen eine Spende ihr Bad zu putzen“, erzählt sie lachend.

Gut 3300 Euro kamen an der Grundschule Schloßberg zusammen. Die Kinder waren völlig euphorisch, gingen begeistert allein oder mit den Eltern Lebensmittel einkaufen, sagen Tomczyk und Schulleiterin Juliane Ascher übereinstimmend. Lerneffekte gab es da fast nebenbei: Die Kinder verglichen Preise, damit sie für ihr Geld möglichst viel bekamen. Und dann wurde fleißig sortiert und verpackt, oft liebevoll bemalt. „Die Kinder waren alle glücklich, dass sie etwas tun konnten“, sagt Tomczyk. Es sei wirklich herzerwärmend gewesen, ergänzt Ascher. Die Aula füllte sich mehr und mehr. Auch diese Pakete sollten mit dem Heilmaier-Transport in die Ukraine.

Nächste Aufgabe:Schulranzen sammeln

An der Grundschule Schloßberg läuft derweil, vom Elternbeirat initiiert, schon die nächste Aktion: Schulranzen, Stifte, Hefte und mehr für die Kinder aus der Ukraine besorgen. Einige Ranzen stehen schon bei der Schulleiterin. „Die Viertklässler haben sie gespendet“, sagt Juliane Ascher, „sie sind schon früher auf Rucksäcke umgestiegen.“

Angesichts all dieses Engagement wundert es nicht, dass Helmut Heiss sagt: „Wir sind gut aufgestellt für das, was noch kommt.“

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