Überall Abstand, nur im Schulbus nicht? Lehrer und Eltern in der Region machen sich Sorgen

Pro Doppelsitz nur ein Schüler– wird das in den Schulbussen auch nach den Pfingstferien möglich sein? dpa

In Schulgebäuden haben die Kinder Maskenpflicht und müssen 1,5 Meter Abstand halten. Auch an Bushaltestellen und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind Mund- und Nasenschutz zu tragen. Aber wie schaut es in den Schulbussen mit Abstandhalten aus, vor allem wenn nun nach und nach immer mehr Schüler wieder an ihre Schulen zurückkehren?

Von Eva Lagler

Bad Feilnbach/Brannenburg – Sorgen machen sich einige Eltern, deren Kinder die Dientzenhofer-Realschule in Brannenburg besuchen. Denn nicht nur in einem Infobrief des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) zum Thema „Infektionsschutz bei der Schülerbeförderung“ heißt es, dass der für den öffentlichen Raum gültige Mindestabstand von 1,5 Meter im ÖPNV und Schulbusverkehr nicht zu jeder Zeit gewährleistet werden könne. „Aus diesem Grund gilt in Omnibussen keine konkrete Abstandsregelung.“

Eltern sorgen sich um ihre Kinder

Auch das Bayerische Verkehrsministerium teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass die Einhaltung nicht durchgehend möglich sei. „Daher wird es hier insgesamt für zulässig erachtet, von der zwingenden Einhaltung der Abstandsregelung abzusehen.“

Die Empfehlung, die der LBO den Schülern mitgibt, lautet zwar, stets „einen angemessenen Abstand zu anderen Personen einzuhalten“ und sich möglichst nicht direkt neben- oder hintereinander zu setzen. „Aber wie soll das möglich sein, wenn nun etappenweise immer mehr Schüler im Bus mitfahren, einige vielleicht auch stehen müssen?“, fragt Isolde Eisele aus Bad Feilnbach. Sie sorgt sich um die Sicherheit ihrer beiden Kinder, die nach den Pfingstferien wieder die Schule besuchen werden.

Skeptisch sieht auch der stellvertretende Schulleiter Alois Plomer die Situation. Er hatte die Eltern zunächst informiert, dass auch künftig im Bus nur ein Schüler auf einem Doppelplatz sitze und niemand stehen müsse. Das könne er so nicht mehr zusagen, sagt er. Er versichert aber, auf allen Ebenen bemüht zu sein, „diesen widersprüchlichen Zustand in den Bussen zu beenden.“ Er betont: „In Absprache mit den sehr kooperativen Busunternehmen schaffen wir es bis Pfingsten einigermaßen, die Zielvorgabe ,ein Schüler pro Doppelsitz‘ zu halten. Das funktioniert mit den wöchentlichen Schichten zum Präsenzunterricht fahrenden Schülern.“

Mehr Eltern fahren Kinder mit dem Auto zur Schule

Nach Pfingsten jedoch werde es eng. Zwar habe man es durch viel Tüftelei hinbekommen, dass dann von den rund 800 Realschülern immer nur 300 im Haus sein werden. Ob aber die Idealvorstellung von den Abständen im Bus noch haltbar seien oder man Zusatzbusse brauche, das sei die Frage. Da man sich in der Hot-Spot-Region Rosenheim befinde, seien die Sicherheitsmaßnahmen besonders wichtig. Deshalb gelte an der Realschule auch ein Mindestabstand von sogar zwei Metern. „Und der wird von Lehrern und Schülern genau eingehalten. Aber wie will man erklären, dass das im Bus nicht genauso wichtig sein soll?“ Als Effekt hat Plomer bereits jetzt festgestellt, dass mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

Benno Steinbrecher ist einer der Busunternehmer, die die Schüler nach Brannenburg fahren. Er sagt: „Bis jetzt fehlt nichts, der Bus ist grade mal zu einem Drittel besetzt. Wir schauen uns das einfach von Mal zu Mal an.“ Auch Michael Schmidt sieht die Situation verhältnismäßig entspannt. Der RVO-Niederlassungsleiter Marketing Ost ist Sprecher der Verkehrsgemeinschaft Rosenheim, zu der sich die Busunternehmen Reiter, Steinbrecher, Margreiter, Hollinger, Stadtverkehr Rosenheim und RVO vor Kurzem zusammengeschlossen haben.

Er bestätigt, dass die Schülerbeförderung in diesen Wochen ein heiß diskutiertes Thema sei. Wöchentlich fänden Telefonkonferenzen dazu statt. Allerdings sehe man keine größeren Probleme. Schließlich halte man im Landkreis Rosenheim nach wie vor Kapazitäten für 10 000 Schüler in Bussen vor, auch wenn durch Schichtunterricht nur mit der Hälfte zu rechnen sei.

Situation täglich unter Beobachtung

Aber: Man beobachte die Situation. Täglich würden morgens und mittags die Schüler in den Bussen gezählt. „Sobald Schwierigkeiten auftreten, werden wir sofort reagieren.“ Man sei in engem Kontakt mit dem Landratsamt Rosenheim. Das ist die Behörde, die zuständig für den Einsatz von Ersatzbussen wäre. „Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, die den Landkreis zwingen, zusätzliche Busse einzusetzen“, schickt Pressesprecher Michael Fischer voraus. Man führe aber Gespräche und mache sich Gedanken, wie zu reagieren sei, falls sich wirklich Probleme abzeichnen würden.

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