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OLAF OBSOMMER MIT KANU-EXPEDITION IN TADSCHIKISTAN

Ein Tanz übers wilde Wasser

Olaf Obsommer,Extrem-Kanute und Expeditionsleiter in Tadschikistan. Erik Bommer
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Olaf Obsommer,Extrem-Kanute und Expeditionsleiter in Tadschikistan. Erik Bommer

Nein, es sind nicht die klassischen Touristenziele, die Olaf Obsommer ansteuert. Die Leidenschaft des Extrem-Kanuten gehört tosenden Wasserfällen, brausenden Wellen und spektakulären Schluchten. Und ja, trotz seiner 47 Jahre ist er mitten drin in der Wildwasser-Szene und scheut keinen „Tanz“. Jetzt ist er aus Tadschikistan zurückgekehrt.

Oberaudorf/Duschanbe – Fast wäre in letzter Minute noch alles gescheitert. „Die Fluggesellschaft hatte unsere Kanus in München vergessen“, sagt Obsommer, Kopf und Organisator der Expedition nach Tadschikistan in Zentralasien. Das hätte ins Auge gehen können, denn die Truppe musste drei Tage lang in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, auf ihre Sportgeräte warten. Doch Zeit zu vertrödeln hatten die zehn Männer und eine Frau nicht. Das Visum war für drei Wochen ausgestellt und zum Einstieg an der Quelle des Flusses Muksu mussten sie erst einmal auf 4500 Meter Höhe aufsteigen. Querfeldein, mitten durchs Niemandsland, immer die gesamte Ausrüstung, die Zelte und die Kanus schleppen. Gut, dass umherziehende Nomaden ihnen immer wieder Esel vermieteten. 40 Kilometer ging es so durch die asiatische Steppe.

Langsam akklimatisierte sich die Expedition an die Höhe, die feuchte Hitze, die fremde Sprache und das einheimische Essen. Auf Märkten und in Dörfern kauften sie die nötigen Lebensmittel ein. „Im Grunde gibt es überall das gleiche: Gemüse wie Gurken, Tomaten, Karotten, dann Reis, Bulgur-Weizen, Hammelfleisch und Joghurt.“ Daraus wurde dann immer ein recht passables Mahl zubereitet. „Mit den dortigen, speziellen Gewürzen durchaus genießbar“, sagt Obsommer. Er sei allerdings in dieser Hinsicht nicht sehr anspruchsvoll.

Oft war der Tross umringt von Kindern und neugierigen Einheimischen. „Sie sind sehr freundlich. Immer wieder wurden wir in ihre Gärten zum Tschai, zum Tee, eingeladen.“ Auffallend sei, dass sich Frauen dort recht frei bewegen können – ganz anders, als Obsommer es in Pakistan erlebt hat.

So einsam es in der Steppe war, so „überlaufen“ ging es auf dem Pamir-Highway zu: ein Touri-Hotspot. Diese Strecke gilt als eine der spektakulärsten und abenteuerlichsten Traumpisten der Welt. Ausgesprochen viele Fahrradreisende seien hier unterwegs. Nett sei es immer wieder gewesen, wenn Obsommer dort unvermittelt deutsche Laute gehört hat. „Da bist du mitten in der Pampa, weit weg von jeder europäischen Zivilisation und dann fluchen zwei Radler auf Deutsch.“

Begleitet wurde die Kanu-Expedition – dabei waren vier Deutsche, je ein Amerikaner, ein Lette, eine Ukrainerin samt Ehemann und zwei Russen – stets von einheimischen Guides. Das ist nicht nur vorgeschrieben, sondern auch ganz vorteilhaft. „Sie können einfach russisch. Denn nur die jungen Leute aus der Bevölkerung beherrschen etwas Englisch. Mit den Älteren sei die Verständigung schwierig.

Und dann war es soweit. Nach zehn Tagen Geschleppe durch eine grandiose Landschaft mit schnee bedeckten Bergen und glitzernden Flussläufen fuhren elf Kanuten los. Vor ihnen lagen 130 Kilometer Wildwasser des Flusses Muksu mit viel September-Hochwasser, Stromschnellen, Gischt und reißenden Strudeln. „Es war schon ziemlich spektakulär“, meint Obsommer im Rückblick.

Immer wieder mussten sie ihre Kanus über unpassierbare Schluchten tragen. Rein, raus und wieder rein ins Boot. Und immer dabei: Helmkamera, Drohne, Fotoapparat. „Die Kulisse in dieser Gletscherregion war unglaublich“, schwärmt der Extrem-Kanute, der zu den weltweit 150 Top-Fahrern gehört, die solche Strecken überhaupt bewältigen können.

Fit hält sich der Oberaudorfer in den heimischen Bergen. „Da bin ich viel unterwegs“, sagt er. Tadschikistan sei in seinen Augen genauso sicher wie Oberbayern. Auf der anderen Seite sei viel Militär unterwegs.

Doch eine Sache hat ihn völlig überrascht. „Früher habe ich mich nie gerne um die Formalitäten einer solchen Reise gekümmert. Inzwischen habe ich aber verstanden, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist.“ Doch dass man sich für die Beantragung eines Visums in Duschanbe nur kurz online anmelden und 65 Dollar zahlen muss und dann kommt das PDF-Dokument, das habe ihn schon erstaunt. „Welch ein Service!“ Da dauert die Beantragung eines Passes in Deutschland unvergleichlich länger.

Mit der Befahrung des Muksu hat sich ein Großprojekt vollendet, das im Jahr 2010 begonnen hat. „Ich wollte mit meinen Kanufreunden die drei großen, legendären Flüsse im asiatischen Raum befahren“, erzählt der Extrem-Sportler. 2010 war der Bashkaus im Altai Gebirge dran, 2015 der Saryjas in Kirgistan und eben jetzt 2017 der Muksu in Tadschikistan.

Das sei wie beim Bergsteigen von Reinhold Messner: Alle Achttausender bestiegen. Super!

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