100 Tage im Amt: Rohrdorfs Bürgermeister hat Lust, was auf die Beine zu stellen

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Rohrdorf – Er ist ein Mann des Wortes, der Simon Hausstetter, einer der jungen Garde neuer Bürgermeister. Nicht nur als Antiquar, der er bis 30.April war. Auch als Bürgermeister legt er Wert auf reden, reden, reden – miteinander, nicht übereinander.

Pragmatische Entscheidungen? Kann er: Hausstetter hat auf einen Dienstwagen verzichtet, sich lieber einen erfahrenen dritten Bürgermeister an Bord geholt. Und er war es, der die Fahrt der Bürgermeister zur Regierung von Oberbayern initiierte, um dieEinwände aus seiner Gemeinde zum Brenner-Nordzulaufpersönlich abzugeben, am letztmöglichen Tag. Die Regierungspräsidentin war beeindruckt.

Vom Antiquar zum Bürgermeister – woher kam die Lust auf Exekutive, auf Verantwortung für eine Gemeinde?

Simon Hausstetter: „In den letzten Jahren hat sich in mir eine gewisse Vorliebe für große Projekte entwickelt, sei es das Freilichttheater in Rohrdorf 2017, das ich als Organisationsleiter mitplanen durfte, diverse Ausstellungen des Museumsnetzwerkes Rosenheim oder Aktivitäten imHistorischen Verein. Das Organisieren und Umsetzen macht mir große Freude, ob in Vereinen oder jetzt als Bürgermeister. Die Lust, etwas auf die Beine zu stellen, entspringt dabei gewiss auch der Wechselwirkung aus geisteswissenschaftlicher Theorie und bodenständigem, sachorientiertem Praxisbezug im Dorfleben.“

Was war seit dem 1. Mai die größte Überraschung?

Hausstetter: „Überrascht – und sehr gefreut – hat mich von Anfang an, wie groß der Zusammenhalt der Bürgermeister untereinander ist. Neugewählte Bürgermeister und wiedergewählte bilden eine äußerst interessante Mischung, die von der Unterschiedlichkeit der Charaktere lebt und allen Gemeinden von großem Nutzen sein kann. Der permanente Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Landkreis und die gegenseitige Unterstützung zeigen, dass in der Kommunalpolitik Parteizugehörigkeit – von Extrempositionen abgesehen – keine Rolle spielt. So blicke ich gemeinsamen Projekten mit anderen Gemeinden voller Offenheit und Freude entgegen und sehe hierin eine Bestätigung dafür, dass nur durch Kooperation und Zusammenarbeit die Lösung gemeinsamer Probleme möglich ist.“

Immer wieder bilden sich in Rohrdorf Arbeitskreise. Keine Angst, sich darin zu verheddern?

Hausstetter: „Die Arbeit im kleinem Kreis kann wesentlich konzentrierter vonstattengehen als in großen Gremien, daher halte ich die Bildung von Arbeitskreisen für sehr sinnvoll, sofern diese auch wirklich zu Ergebnissen kommen. Da die Arbeitskreise aber verpflichtet sind, dem Gemeinderat über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten, ist die Gefahr, sich im AK-Gewirr zu verstricken und dabei nichts auf den Weg zu bringen, hoffentlich recht gering.“

Welches Thema, welches Projekt packen Sie als Nächstes an?

Hausstetter: „Derzeit beschäftigen wir uns ganz intensiv mit der Dorfplatzgestaltung in Achenmühle. Seit mehreren Jahrzehnten wird bereits über dieses Thema diskutiert, eine Lösung kam bisher nie zustande. Der Ortsteil Achenmühle verfügt nicht über die klassische Dorfstruktur rund um Kirche, Maibaum und Wirtshaus und wird von der Kreisstraße in zwei Teile getrennt. Daher will die Neugestaltung des Dorfplatzes, die vor allem den Ortskern beleben soll, wohlüberlegt sein. Mittlerweile liegen uns drei Entwürfe vor, die wir nun den Vereinen vorlegen werden, um zu beraten, in welche Richtung wir weitergehen. Die Vereine sind es ja letztlich, die den Dorfplatz durch Veranstaltungen mit Leben füllen und deshalb von Anfang an in die Planung miteinbezogen werden müssen.“

Zieht es Simon Hausstetter im Urlaub in die Berge oder ans Meer? Und besonders gerne in welche Region?

Hausstetter: „Abgesehen davon, dass ein längerer Urlaub derzeit amtsbedingt nicht denkbar ist, kann ich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Das Meer und die Berge sind im Übrigen gar nicht so unterschiedlich – beide zeigen uns, wie gewaltig die Natur und wie klein der Mensch ist. Diese Erkenntnis halte ich gerade für die moderne Gesellschaft für äußerst wichtig. Um auf den Urlaub zurückzukommen: Es gibt viele Regionen und Städte, denen ich in besonderer Weise verbunden bin – Wien, Rom, Umbrien, Alt-Österreich, Griechenland und noch andere mehr.“ Interview: Sylvia Hampel

Aus dem Antiquariat ins Rathaus: Simon Hausstetter, seit 100 Tagen Bürgermeister von Rohrdorf.

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