100 Tage im Amt: Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt über Pläne und Herzenswünsche

Bürgermeister Matthias Bernhardt ist seit 1. April der neue Rathauschef der Gemeinde Oberaudorf. Während seiner Amtszeit möchte er noch viel bewegen.
+
Bürgermeister Matthias Bernhardt ist seit 1. April der neue Rathauschef der Gemeinde Oberaudorf. Während seiner Amtszeit möchte er noch viel bewegen.

Seit 1. April ist Matthias Bernhardt (FWO) Bürgermeister vor Oberaudorf. Weil sein Vorgänger Hubert Wildgruber schon einen Monat vor Amts-Ende den Chefsessel räumte, begann Bernhardt seine Tätigkeit früher. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen spricht er über einen Start unter schwierigen Corona-Bedingungen.

Von Barbara Forster

Herr Bernhardt, Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Matthias Bernhardt: Anspruchsvoll und interessant. Es macht sehr viel Spaß.

Zuvor waren Sie Professor am Institut für Hydrologie und Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien. Vermissen Sie Ihren alten Job?

Bernhardt: Meine bisherige Tätigkeit hat mir ebenfalls sehr viel Freude bereitet. Ich hatte allerdings bisher keine Zeit, sie zu vermissen. Es gab sehr viel zu tun. Ich bin aber sehr zufrieden mit meiner neuen Aufgabe. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Mich füllt das Bürgermeisteramt sehr aus.

Wie ist die Stimmung unter dem neuen Gemeinderat?

Bernhardt: Ich denke, wir kommen so langsam rein. Für die neuen Gemeinderäte ist das natürlich viel Arbeit sich neben ihrem Beruf in alle Themen einzuarbeiten. Das geht vom Brenner Nordzulauf über das Kloster Reisach bis über die Dorfentwicklung. Wir sind aber auf einem guten Weg.

Was war in den ersten Wochen zu tun?

Bernhardt: Es war einiges umzusetzen. Zum Beispiel die Problematik mit Corona. Wir haben uns schnell auf die sinkenden Einnahmen eingestellt. Dann gab es Herausforderungen bei der Kläranlage. Wir mussten die Klärschlammabnahme sicherstellen. Dieser konnte aufgrund der Umbaumaßnahmen bei uns nicht mehr zwischengespeichert werden. Durch Gesprächen mit Verantwortlichen der Städtischen Kläranlage konnte eine positive Lösung herbeigeführt werden, dafür bin ich sehr dankbar. Auch in der Verwaltung wurde personell umstrukturiert. Der bisherige Geschäftsleiter Thomas König hat eine neue Stelle in seiner Heimat angenommen und somit mussten wir uns neu aufstellen. Auch im Kindergarten hatten wir einige personelle Wechsel. Uns ist es auch gelungen, durch die Umstrukturierung die Personalkosten zu senken, ohne dass es einen Qualitätsverlust gibt.

Es musste also erst einmal „aufgeräumt“ werden.

Bernhardt: Das waren Dinge, die wir in den ersten Tagen erst einmal auf die Reihe bringen mussten. Das alles hat aber sehr gut funktioniert.

Sie hatten keinen einfachen Start. Corona hat überall seine Spuren hinterlassen. Macht sich das bereits im Haushalt bemerkbar?

Bernhardt: Ja. Man merkt es vor allem an Rückgängen in der Gewerbesteuer und bei den Kurbeiträgen. In den nächsten Jahren müssen wir dann mit rückgängigen Erlösen aus der Einkommenssteuer rechnen. Im Allgemeinen ist die finanzielle Situation durch die getroffenen Maßnahmen aber stabil.

Lesen Sie auch: 100 Tage im Amt: Söchtenau: Bernhardt Summerer verstärkt den Bürgermeisterchor Inwiefern?

Bernhardt: Wir haben frühzeitig darauf reagiert. Es wurde vorausschauend ein Rückgang von dreißig Prozent bei den Gewerbesteuereinnahmen angenommen. Dementsprechend haben wir den Haushalt angepasst. Heißt aber auch, dass wir im Investitionsbereich nicht so flexibel sind wie erhofft. Deshalb hoffen wir, dass die Förderungen, die Bund und Länder für den Dezember planen, zumindest einen Teil des Fehlbetrags ausgleichen können.

Angepackt wird jetzt die Renovierung der Alten Schule. Anstatt eines Kindergarten-Neubaus plant man nun eine Sanierung.

Das war anfangs auch der ursprüngliche Plan, die Alte Schule auszubauen. Die Alte Schule Niederaudorf bietet Platz für drei weitere Gruppen. Aktuell sind zudem zwei Ortsvereine im ersten Stock der Schule untergebracht. Die Vereine werden künftig ein Stockwerk höher ziehen. Im September werden wir in die Ausschreibung gehen und ortsnahe Architekten anschreiben. Der Gemeinderat wird dann den besten Plan selektieren. Im nächsten Jahr hoffen wir dann, mit dem Umbau beginnen zu können.

Ab September werden die Kindergartengebühren um 50 Euro erhöht. Wie waren die Reaktionen der Eltern?

Bernhardt: Verständlicherweise war das für die Eltern keine erfreuliche Nachricht und auch mir und dem Gemeinderat ist die Entscheidung nicht leichtgefallen. Aus unserem Haushalt heraus konnten wir uns aber eine weitere Steigerung des Gemeindeanteils für beide Kindergärten von etwa 1,2 Millionen Euro im Jahr nicht leisten. Seit Bestehen des Kindergartens haben sich Eltern und Gemeinde den nicht vom Freistaat getragenen Betrag geteilt. Dieser beläuft sich auf etwa 4 900 Euro pro Kind und Jahr und wird im Verhältnis 75 Prozent (Gemeinde) und 25 Prozent ((Eltern) aufgeteilt. Die Gemeinde trug vergangenes Jahr aber nahezu 94 Prozent dieser Kosten. Durch die Anpassung sind wir nun bei einem Verhältnis von circa 85 Prozent zu 15 Prozent. Diese Aufteilung verschafft uns etwas Luft, um in andere Gebiete im sozialen Bereich zu investieren.

Es soll auch in die Renovierung der Grundschule fließen.

Bernhardt: Genau. Ein hoher Anteil der Kinder kommt jetzt in die Schule. Wir benötigen neue Klassenzimmer und eine zeitgemäße Unterbringung der Mittagsbetreuung. Dafür brauchen wir einfach Geld.

Geld braucht die Gemeinde auch für eine neue Kläranlage.

Bernhardt: Ja. Die Kosten sind auf zwölf Millionen prognostiziert. Der Bau der Kläranlage läuft momentan und circa 90 Prozent der Bauleistungen sind vergeben. Wir haben ein wöchentliches Treffen mit den Bauleitern, um vor allem auch die laufenden Kosten durchweg kontrollieren zu können. Wir rechnen damit, den Bau termingerecht fertigstellen zu können.

Sie kandidierten damals mit dem Versprechen, mehr in die Vereine zu investieren.

Und da sind wir auch schon dabei. Investieren bedeutet ja nicht nur monetär. Es geht auch darum, sich den Sorgen der Vereine anzunehmen. Ohne unsere Vereine wäre Oberaudorf austauschbar. Sie machen unsere Kultur aus. Im Moment haben die Ortsvereine Niederaudorf keinen Zutritt zum Kloster Reisach. Dies ist für uns ein unhaltbarer Zustand. Wir versuchen deshalb in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt und dem Kultusministerium eine Lösung herbeizuführen. Natürlich besteht auch Handlungsbedarf bei Räumlichkeiten der Vereine im gesamten Ortsgebiet. Auch hier versuchen wir nach und nach Lösungen zu finden.

Kloster Reisach. Ein gutes Stichwort. Lange Zeit war es um dieses Thema still ...

Bernhardt: Das stimmt. Wir wollen das Kloster aber wieder aus dem Dornröschenschlaf bringen. Wir wollen zum einen das kirchliche Leben erhalten. Da sind wir derzeit mit dem Bistum im Gespräch. Und zum anderen wollen wir das kulturelle Leben erhalten. Sprich: den Ortsvereinen eine Perspektive im Kloster schaffen. Uns ist bewusst, dass wir als Gemeinde das Kloster als Ganzes nicht übernehmen oder betreiben können. Das kann nur im Zusammenspiel aus Kirche, Freistaat und Gemeinde funktionieren. Daran arbeiten wir gerade und haben auch schon erste Lösungswege.

Lesen Sie auch: 100-Tage-Fazit von Priens Bürgermeister Andreas Friedrich: „Ich bin nach wie vor tiefenentspannt“

Ein umfangreiches Projekt.

Ein Multimillionen-Projekt! Das wird auf jeden Fall dauern. Wichtig ist aber, dass man überhaupt wieder Gespräche darüber führt und das Thema Kloster prominent auf der Tagesordnung aller Verantwortlichen untergebracht wird. Wenn das momentan durchgeführte Brandschutzgutachten zu einem positiven Ergebnis kommt, will die Gemeinde die Räume, die bisher von den Vereinen genutzt wurden, pachten und einen Zutritt ermöglichen. Natürlich steht auch die Durchführung des Klosterfestes ganz oben auf der Liste. Das ist nach den momentanen Bestimmungen nicht möglich.

Haben Sie noch einen Herzenswunsch, den Sie in Ihrer Amtszeit umsetzen möchten?

Bernhardt: Nur einen! (lacht) Mir sind mehrere Dinge wichtig. Zum einen möchte ich ein gesundes Tourismuskonzept das unseren Heimatort nicht nur für den Touristen, sondern auch die Einheimischen attraktiver macht. Das Thema Fahrradfahren wird hier eine wichtige Rolle spielen. Eine Pumptrack-Strecke und eine Downhillstrecke sind Projekte, die ich anschieben möchte. Zusätzlich brauchen wir unbedingt eine Schlechtwetterattraktion im Angebot. Neben diesem Thema müssen wir uns im Bereich Gewerbe verstärken. Wir brauchen mehr Einnahmen. Deswegen entwickeln wir gerade das Gebiet über die Autobahn. Ich möchte diesen Punkt jetzt aber nicht zu weit ausbauen. Man kann vielleicht sagen: Wir haben viel in Planung.

Würden Sie sagen, Sie haben in den ersten hundert Tagen viel bewegt in Ihrem Amt?

Bernhardt: Ich bin zufrieden. Wir haben die Gemeinde in Corona Zeiten sicher aufstellen können und einige wichtige Entschlüsse gefasst. Natürlich gibt es noch sehr viel zu tun. Im Großen und Ganzen bin ich aber recht zufrieden und freue mich über meine neue Aufgabe.

Kommentare