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Programmieren selbst beigebracht - Das sind ihre nächsten Pläne

Abiturienten aus Stephanskirchen entwickeln App für Notenüberblick

Mit der App „stududu“ haben Schüler ihren Notendurchschnitt fest im Blick.
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Mit der App „stududu“ haben Schüler ihren Notendurchschnitt fest im Blick.

Ein App, die den Notendurchschnitt im Blick hat. Die anzeigt, in welchem Fach es kritisch wird. Die keine Cookies nutzt. Und die die Postleitzahl nur wissen will, damit sie richtig rechnet. Das ist „stududu“, gemacht in Stephanskirchen, entwickelt von Abiturienten.

Von Kilian Schröder

Stephanskirchen – „Andere Kinder wünschen sich einen Hund, wenn sie Verantwortung übernehmen wollen.“ Das sei die Antwort seines Freundes gewesen, erzählt Luis Haitzer aus Stephanskirchen, als er ihm seinen Plan erklärt hatte. Der war vielleicht auch ein wenig ungewöhnlich: Mitten im Abistress 2020 hat sich Haitzer zusammen mit seinem besten Freund Marinus Paul vorgenommen, eine App für Schüler zu programmieren.

In diese können Noten eingetragen werden und sie errechnet automatisch den Notendurchschnitt. Außerdem zeigt die App an, bei welchen Fächern der Schüler am Ball bleiben sollte. Seit der initialen Idee zur App ist einiges passiert: Heute hat die App „stududu“ tausende Downloads und Haitzer und Paul arbeiten durchgehend an der Weiterentwicklung. Dabei wollen die jungen Gründer einiges besser machen als die großen Firmen.

Idee, die Schule zu verändern

Angefangen hat alles damit, dass Haitzer und Paul unzufrieden waren. Unzufrieden mit dem Stand der Digitalisierung in der Schule. „Wir hatten das Gefühl, dass wir die Schule gern verändern würden“, sagt Haitzer. „Aber nur meckern, ohne etwas zu tun, das geht nicht.“

Marinus Paul kümmert sich bei der App vor allem um das Design.

Haitzer brachte sich selbst programmieren bei und schrieb den Code für die App. Paul kümmerte sich vor allem um das Design. Bis die erste Version stand, habe es eineinhalb Jahre gedauert – und die „war eine Katastrophe“, sagt Haitzer. Zuerst sei es ein einfacher Taschenrechner gewesen, womit die Schüler den Notendurchschnitt ausrechnen konnten.

Heute sieht die App anders aus. Die Noten lassen sich per Scrollen eintragen, das sei „haptischer“, automatisch rechnet die App das Zeugnis aus. Die Schüler können die App an die verschiedenen Notensysteme der Bundesländer anpassen.

Die Schüler können in der Standardversion bis zu zehn Prüfungen eintragen, an die die App erinnert. Außerdem erkennt sie sogenannte „kritische Fächer“, in denen der Schüler auf der Kippe steht. Das gehört für die beiden Gründer zu den wichtigsten Aspekten: Dass Digitalisierung nicht nur die „alte Welt“ auf einem Bildschirm ist, sondern den Schülern hilft.

Für Haitzer und Paul bedeutet die App aber auch: wenig Freizeit. Beide arbeiten an dem Unternehmen neben ihrer Ausbildung, beziehungsweise neben dem Studium. Haitzer macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsprodukte in München, Paul studiert Kommunikationsdesign.

„Ich war nie so der große Partygänger. Ich habe mal kurz ein bisschen Fußball gespielt, aber eigentlich ist die App mein Hobby“, sagt Haitzer. Er hat inzwischen auch schon andere Apps programmiert, zum Beispiel ein Spiel mit Wikipedia-Artikeln oder eine Grifftabelle für das Saxophon.

Paul, Haitzers „Sparringpartner“, wie der ihn nennt, gestaltet die Website und sorgt dafür, dass die App möglichst ansprechend aussieht: „Die Schüler sollen Spaß daran haben“, sagt Paul. Außerdem verwaltet er das Social-Media-Profil von „stududu“.

Was ihnen dabei hilft: „Ich bin ein ,Macher-Typ‘“, sagt Haitzer über sich. Er habe schon immer gern Sachen gebaut und konstruiert.“ Das sagt auch sein bester Freund und Kollege, Marinus Paul: „Luis ist jemand, der seine Ideen durchzieht. Diese Energie ist beeindruckend.“ Es gibt ein Bild von ihm, wie er mit sechs Jahren eine Weltraumrakete zeichnet und den Plan schmiedet, diese auch zu bauen. Mit der Zeit habe sich sein Eifer in das Digitale verlagert.

Mit 16 Jahren die erste Firma gegründet

Schon mit 16 hat Haitzer sein erstes Unternehmen gegründet – ein Familiengericht musste ihn damals für geschäftsfähig erklären. „Das hat natürlich trotzdem noch Probleme gegeben. Wenn man mit 16 zur Sparkasse geht und über sein Unternehmen sprechen will, wird man schief angeschaut“, sagt Haitzer. „Stududu“ leitet er heute mit Paul und seinem Vater, der sich vor allem um die Steuern kümmert.

Luis Haitzer hat den Code für die App „stududu“ entwickelt.

Die Konkurrenz an Apps, die den Schulalltag organisieren, ist groß. Trotzdem will „stududu“ besser sein. Haitzer denkt, dass Benutzer der App anmerken, dass Schüler sie entwickelt haben.

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Ein wichtiges Thema ist außerdem der Datenschutz: Laut Haitzer benutzt „stududu“ keine Cookies, sammelt keine Standortdaten. Nur die Postleitzahl brauche es, damit die App wisse, welches Notensystem sie benutzt. Die Daten würden nicht im Ausland, sondern in einem deutschen Rechenzentrum auf einem Server gespeichert.

Eine Zusammenarbeit mit großen Konzernen, wie zum Beispiel Google, gibt es nicht: „Das wäre natürlich einfacher, aber wir haben da, gerade gegenüber den Schülern, die Verantwortung, mit ihren Daten sicher umzugehen“, sagt Haitzer. Dazu hat er auch ein eigenes Analysetool entwickelt, um die Downloads nachvollziehen zu können.

Es soll eine Premium-Version geben

Ganz fertig sind sie trotzdem noch nicht. Haitzer und Paul planen schon die nächsten Tools, zum Beispiel eine Möglichkeit, Hausaufgaben zu teilen und den Stundenplan zu integrieren. Außerdem soll die App bald auch in einer Premium-Version erscheinen, die Geld kostet, denn das Unternehmen soll sich selbst tragen. Darin könnten die Schüler dann noch mehr Prüfungen eintragen und die Werbung abschalten.

In der Standard-Version von „stududu“ sollen Firmen mit Ausbildungsplätzen und Praktika werben können – da sei man bereits in Gesprächen, sagt Haitzer. Insgesamt haben sie noch große Pläne. Ihr Motto ist: „Schule, wie sie sein sollte“. Und die höre schließlich nicht bei einer App auf.

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