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Prutting im Wasserstreit

Streitpunkt Trinkwasser: Stadtwerke Rosenheim wollen Wasserentnahme offenbar machtvoll durchsetzen

Still ruht der Hofstätter See: Die Stadtwerke Rosenheim wollen dauerhaft Wasser aus einem naheliegenden Brunnen beziehen. Die Pruttinger Gemeinderäte sind entschieden dagegen.
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Still ruht der Hofstätter See: Die Stadtwerke Rosenheim wollen dauerhaft Wasser aus einem naheliegenden Brunnen beziehen. Die Pruttinger Gemeinderäte sind entschieden dagegen.
  • VonJohannes Thomae
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Die Stadtwerke Rosenheim wollen 1,6 Kubikmeter Trinkwasser aus einem Brunnen in der Nähe des Hofstätter und Rinser See beziehen. Die Gemeinde Prutting befürchtet, dass die Natur darunter leidet, und will mit allem gebotenen Nachdruck dagegen vorgehen. Auch mögliche Klagen werden geprüft.

Prutting – Eine lebhafte und emotionale Diskussion löste im Gemeinderat jetzt ein Schreiben der „Schutzgemeinschaft Hofstätter- und Rinser See (SHR)“ aus. Darin wurde darauf hingewiesen, dass die Stadtwerke Rosenheim beim Landratsamt unlängst einen Antrag auf dauerhafte Trinkwasserentnahme aus einem Brunnen in Seenähe gestellt hätten.

Eigentlich wollte Bürgermeister Johannes Thusbaß (CSU/Parteifreie) den Gemeinderat über dieses Schreiben nur informieren, hatte dazu Gemeinderätin Barbara Stein (FW), die, wie auch Gemeinderat Stefan Schöne (FWB), in der SHR engagiert ist, um eine Erläuterung der Hintergründe gebeten. Sie gab einen Überblick über die Konfliktsituation zwischen den Stadtwerken und dem SHR, die seit zwanzig Jahren besteht.

1,6 Millionen Kubikmeter

Anders als die Stadtwerke ist die Schutzgemeinschaft davon überzeugt, dass zwischen Hofstätter und Rinser See sowie dem Burger Moos einerseits und den Grundwasserströmen andererseits eine Verbindung besteht. Diese Ansicht würde, so Barbara Stein, durch etliche Gutachten unterstützt. Sie sei aber auch für den Laien durch bloßen Augenschein festzustellen: Im Winter gebe es im Hofstätter See immer wieder Stellen, an denen sich eine Eisschicht nicht oder nur spät bilde. Es sei dies auf Quellaufstiege im See zurückzuführen. Wegen dieser Verbindung sei zu befürchten, dass bei einer Wasserentnahme von 1,6 Millionen Kubikmetern pro Jahr, wie sie die Stadtwerke beabsichtigt, die Seen unmittelbar mitbetroffen wären und damit das FFH-Schutzgebiet Burger Moos.

Laut Barbara Stein stößt sich die Schutzgemeinschaft aktuell vor allem an zwei Punkten: Bislang sei von den Stadtwerken die Wasserentnahme nur als Sicherungsmaßnahme dargestellt worden, für den Fall, dass im Netz oder in den Hauptquellen der Stadtwerke im Bereich von Bad Aibling Probleme aufträten. Von dieser Sicherungsfunktion sei im aktuellen Antrag jedoch nichts mehr zu lesen.

Lebhafte Diskussion

Mehr noch: Die Stadtwerke würden auf Informationsblättern damit werben, dass die Stadtwerke östlich des Inns ein zweites Standbein für die Trinkwasserversorgung aufbauten. Der zweite Kritikpunkt der SHR: Der Antrag der Stadtwerke ziele auf ein sogenanntes beschleunigtes Verfahren ab, bei dem keine Bürgerbeteiligung vorgeschrieben sei, damit sei den Bürgern und den betroffenen Gemeinden der Klageweg verwehrt.

Der Vortrag Steins führte unmittelbar zu einer lebhaften Diskussion, bei der sich die Gemeinderäte einig waren, dass die Entwicklung gestoppt werden müsse. Tobias Wimmer (FWB) brachte die Meinung des Gemeinderates auf den Punkt: „Der Pumpversuch muss verhindert werden, sonst haben wir verloren“.

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Bürgermeister Thusbaß sah dafür rechtlich wenig Chancen, vor allem weil Vogtareuth in der Nähe des geplanten Stadtwerkebrunnens seine eigene Wasserversorgung aufbaue. Zwar seien die Wasserentnahmen hinsichtlich der Menge nicht zu vergleichen – bei Vogtareuth gehe es nur um rund ein Sechstel der Menge, die die Stadtwerke fördern wollten, eine Menge, die auch von der Schutzgemeinschaft als unbedenklich angesehen werde. Dennoch: „Was der einen Kommune erlaubt wird, wird das Landratsamt der anderen nicht verweigern“.

Die einzige Chance wäre für Pruttings Bürgermeister, wenn Vogtareuth vor diesem Hintergrund die Bemühungen um eine eigene Wasserversorgung einstelle und dafür Wasser von den Nachbargemeinden beziehe. Allerdings sei das bei dem fortgeschrittenen Stand, in dem man sich in Vogtareuth in Sache eigenem Brunnen befinde, unwahrscheinlich.

Problem soll breit an die Öffentlichkeit

Die Gemeinderäte drängten jedoch darauf, nichts unversucht zu lassen. Schäden, so meinte Dr. Mathias Huber (CSU), würden sich unter Umständen erst nach Jahren zeigen, dann sei es aber zu spät, selbst wenn dann die Wasserentnahme eingestellt werde, sei nichts mehr zu retten. Es könne nicht angehen, so ergänzte Peter Brunner (CSU), dass es bei solchen Entscheidungen nur noch um Gewinnmaximierung gehe, Natur und damit Heimat keinerlei Stellenwert mehr zukomme.

Für Stefan Schöne war der Schluss daraus klar: Das Problem müsse breit an die Öffentlichkeit. Aber nicht nur Bürger, auch Landtagsabgeordnete und der Umweltausschuss des Landtages müssten darauf hingewiesen werden. Es gehe hier um den Schutz eines überregional bedeutsamen Naturraumes, der nicht nur als Naherholungsgebiet eine Funktion habe, sondern auch als CO2-Speicher. Der zudem ein Schutzgebiet mit einer einzigartigen Flora und Fauna sei.

Kein offizieller Ratsbeschluss

Es wurde zu dem Thema zwar kein offizieller Gemeinderatsbeschluss gefasst, inoffiziell aber war der gesamte Gemeinderat einer Meinung: Es dürfe nicht beim Reden bleiben, es müsse gehandelt werden. Prutting habe hier mit den Anliegergemeinden und mit Stephanskirchen bei allen politischen Entscheidungsträgern vom Landrat bis zur Regierung von Oberbayern das Problem mit allem gebotenen Nachdruck vorzubringen. Zudem seien Klagemöglichkeiten über Naturschutzverbände zu prüfen.

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