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Straßenfeger Kommunalwahl: In Oberaudorf treten die Bürgermeisterkandidaten zum Duell an

Am Podium:Dr. Matthias Bernhardt, Nicole Herm und Martin Baumann (von links) greifen in Oberaudorf nach dem Amt des Bürgermeisters. Mit über 500 Bürgern diskutierten sie über die künftige Entwicklung des Ortes. Anker

„Stillstand. Verrottete Infrastruktur. Nichts geht voran.“ Mit dieser provokanten Situationsbeschreibung eröffnete Moderator Rudolf Erhard die Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten in Oberaudorf. Die anschließende Diskussion zog rund 500 Besucher in den Bann.

Oberaudorf – Unter dem Motto „Jetzt redn mia!“ stellten sich Martin Baumann (CSU), Dr. Matthias Bernhardt (Freie Wählergemeinschaft) und Nicole Herm (Bündnis 90/Die Grünen) den Oberaudorfer Bürgern. Und die kamen in Scharen: Über 500 Menschen verspürten im Kursaal „Wechselstimmung“. Beherrscht wurde der Abend von den großen Themen Ortsentwicklung, Brenner-Nordzulauf mit der geplanten Verknüpfungsstelle in Niederaudorf, neue Kläranlage und Kloster Reisach.

Acht Minuten für eine Vorstellung

Zunächst wurde den Kandidaten die Gelegenheit gegeben, sich in einem Acht-Minuten-Referat persönlich vorzustellen. Die zentrale Frage: Warum wollen Sie Bürgermeister werden? Er habe keine Angst vor der Herausforderung. Mit diesen Worten ging Martin Baumann, Kandidat der CSU, die Vorstellungsrunde. Es sei nun an der Zeit, Entscheidungen zu treffen und für die Zukunft zu kämpfen. Baumann verwies auf die Vielfalt der Kandidaten auf der CSU-Liste. Die Liste trage die Farben Oberaudorfs, so Baumann.

Nicole Herm, Kandidatin der Grünen, gab ehrlich zu, auf politischer Ebene ein unbeschriebenes Blatt zu sein. Ihr Herz blute, wenn sie auf Oberaudorf sehe. Zusammen mit den fachkundigen Mitarbeitern der Gemeinde wolle sie jetzt „das Ruder herumreißen“. Es sei an der Zeit, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. „Diesen Mut habe ich!“

Dr. Matthias Bernhard verwies auf den Slogan der Freien Wähler: „Oberaudorf kann mehr!“ Eine solide Infrastruktur müsse auf die Beine gestellt werden. Vor allem , müsse mit Blick auf die angespannte Haushaltssituation die Gemeinde unbedingt mehr Geld einnehmen. Es brauche Gewerbeansiedlung. Er habe, schon mögliche Flächen im Hinterkopf. Diese jedoch vor der Wahl kundzutun, sei kontraproduktiv, meinte er.

Im Zusammenhang mit den Grobtrassen Brenner-Zulauf unterstrich er, dass sich die Bahn derzeit in einem Umstrukturierungsprozess befinde. Das Schlagwort laute Digitalisierung.

Die mögliche Verknüpfungsstelle in Niederaudorf erfordere einen intensiven Dialog „mit den Gemeinderäten der benachbarten Inntalgemeinden“, unterstrich Baumann. Der CSU-Kandidat: „Was ist besser, Fackeln aufstellen oder miteinander reden?“

Fackelaktion kritisch bewertet

Bernhardt konterte, dass die Aktion der Freien Wählgemeinschaft – wie berichtet wurde der mögliche Korridor auf den Feldern Niedernaudorfs mit Fackeln dargestellt – als Information der Bürger gedacht war, um das Ausmaß zu verdeutlichen. Er rief zum gemeinsamen Widerstand auf. Das Dorf sei in dieser Sache zusammenzubringen.

Nicole Herm beklagte, dass in Sachen Lärmschutz von der Bahn viel versprochen, aber noch nichts umgesetzt worden sei. Der mögliche Ausbau der Bestandsstrecke müsse dringend nach Neubaustandard erfolgen.

Gespannt verfolgten die Oberaudorfer die Ausführungen der Kandidaten zum Thema neue Kläranlage. Derzeit erhalten die Bürger die ersten Bescheide. Nach Überzeugung von Dr. Bernhard gehe die Rechnungsstellung an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei. Die zum Teil vorherrschende Erschütterung über die Höhe der Rechnung – darüber klagte auch ein Bürger bei der Diskussion¨– liege an der mangelnden Informationspolitik der Gemeinde.

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Martin Baumann sah es als ehrliche Handlung an, mit der Rechnungstellung noch vor der Wahl zu beginnen. „Das Thema soll nicht unter den Tisch gekehrt werden“, betonte er. Eine erneute Reparatur der Kläranlage sei nicht wirtschaftlich gewesen.

Genaue Zahlen hinsichtlich des Kostenrahmens könne man aufgrund der Situation des Baugewerbes nicht vorlegen. In der Gemeindeverwaltung stünden die Mitarbeiter jederzeit für die Bürger zur Beratung hinsichtlich der Höhe der finanziellen Belastung zur Verfügung.

Wie können junge Familien im Ort gehalten werden? Auch diese Frage beschäftigt die Kandidaten. Vor allem dem sogenannten Heimfeld, auf dem (wie berichtet) der Kindergarten gebaut wird, kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Baumann schlug einen Ideenwettbewerb aus der Bürgerschaft vor, während Dr. Bernhard erneut auf die knappen Gemeindekassen und den damit beschränkten Handlungsspielraum verwies.

Er hätte, so Bernhart, das Beratungsangebot in der Gemeinde anders gestaltet. Für die Bürger brauche es definierte Ansprechpartner, mahnte er an. Hinsichtlich der Informationspolitik warf Nicole Herm ein, dass die Gemeinde in der Bringschuld stehe, die Menschen ausreichend zu informieren.

Kloster Reisach: Druck ausüben

Hinsichtlich der Auflösung des Klosters Reisach zeigten sich alle Kandidaten überzeugt, dass die Entscheidungsträger mit entschiedenem öffentlichen Druck für eine sinnvolle Nutzung zu sensibilisieren seien. Nicht fehlen durfte die Frage zur Führungskompetenz der Kandidaten, schließlich unterstünden dem Bürgermeister rund 100 Gemeindemitarbeiter. Alle Kandidaten verwiesen auf ihre berufliche Erfahrung und auf ihren Willen, sich entsprechendes Wissen mittels Fortbildung anzueignen. Etwas irritiert reagierten die Kandidaten auf die letzte Frage aus dem Publikum: Ob die Gemeinde möglicherweise zusätzliche Bootsflüchtlinge im Rahmen des Bündnisses „Städte Sicherer Häfen“ aufnehmen könne. Rudi Erhard wertete das zunächst ratlose Schweigen der Kandidaten schmunzelnd als „kalt erwischt!“ Nach kurzem Nachdenken erwiderten sie, die Organisation nicht zu kennen. Man werde sie aber prüfen. Wohlwollender Schlussapplaus galt dem Veranstalter, den Kandidaten wie auch dem Moderator. (Die Personenporträts der drei Kandidaten finden Sie unter www.ovb-online.de, Anm. d. Redaktion)

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