„Stephanskirchner Kranenquelle“ sprudelt noch nicht so bald

Viel Wald rund um den Brunnen Ödenwald: Das Trinkwasser ist 20 Meter tief unter dem südwestlichen Teil des Waldes (im Bild links unten), die Schutzzonen I und II sind es auch, nur die Schutzzone III wird größer. Je nach Festlegung von Landrats- und Wasserwirtschaftsamt rückt die vom Brunnen nach Norden und Osten gehende Zone, mal weiter mal weniger weit in den Wald hinein. Die violette Line im Bild ist die Gemeindegrenze Stephanskirchen/Prutting.

Genug Wasser da, Qualität stimmt auch – na, dann: Hahn auf und los? So einfach ist es nicht. Bis eine Gemeinde das eigene Trinkwasser ins Leitungsnetz einspeisen kann dauert es.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Zehn Jahre von der Idee bis zum ersten Schluck eigenen Wassers aus dem Hahn – und dann ist vieles gut gegangen. Wie lange es nun tatsächlich noch dauern wird, bis die Stephanskirchner das eigeneWasser aus dem Brunnen Ödenwald trinken können, darauf hat die Gemeinde nicht mehr viel Einfluss. Der Gemeinderat brachte jetzt den Antrag und die Unterlagen für Wasserentnahme und Wasserschutzgebiet auf den Weg.

Brunnenstandort war schnell gefunden

Im April 2012 gab es ein erstes Gespräch mit Vertretern des Landrats- und des Wasserwirtschaftsamtes wegen der eigenen Wasserversorgung, im Oktober 2012 beschloss der Gemeinderat, östlich von Högering eine Probebohrung zu machen. Östlich von Högering, weil dort ein entsprechendes Grundwasservorkommen sehr wahrscheinlich war.

Jedes Jahr was anderes

2013 ging die Probebohrung im Ödenwald nieder, inklusive vier Grundwasser-Messstellen. 14 weitere sollten bis 2016 folgen, zum Teil auch auf Wunsch des Wasserwirtschaftsamtes. Dazu kamen Untersuchungen, ob sich das Stephanskirchner und das Rosenheimer Wasser miteinander vertragen oder ob es zu unguten chemischen Reaktionen kommt. Langzeitpumpversuch, technische Planungen, Grundstücksverhandlungen für Brunnen und Zufahrt, Berechnung der benötigten Wassermenge, Brunnenbau und Berechnung der Größe des Wasserschutzgebietes – das alles dauert.

Dürrejahre bremsten Brunnen aus

Und wenn dann noch zwei Dürrjahre wie 2018 und 2019 dabei sind, in denen ein Leistungspumpversuch nicht möglich ist, dann dauert‘s noch ein wenig länger. Dieser Versuch ist nötig, um die Grenzen des Schutzgebietes deutlich zu machen, erklärte Geologe Axel Thiele vom Wasserburger Büro Crystal Geotechnik den Gemeinderäten.

Drei Schutzzonen für den Brunnen

Die Schutzzone I umfasst nur ein paar Meter rund um den Brunnen, in der Schutzzone II ist das Wasser etwa 50 Tage bis zum Brunnen unterwegs und in der größten Schutzzone III kann es auch mal drei Jahre dauern, bis der Regentropfen am Brunnen ankommt. Die Schutzzonen I und II des Brunnens Ödenwald liegen im Wald, nur die Schutzzone III betrifft auch Felder. Da ist aber laut Thiele keine Veränderung zur derzeitigen Nutzung nötig, „die gute fachliche Praxis kann weiterlaufen.“

Landwirte von Anfang an mit im Boot

Ja, erklärte Thiele auf Nachfrage von Gerhard Scheurer (Parteifreie), Gülle darf – selbstverständlich im Rahmen der Gülleverordnung – weiter auf den Feldern ausgebracht werden, mineralische Dünger hingegen nicht. Das sei auch mit den betroffenen Landwirten alles besprochen, so Jürgen Lohse, der zuständige Mann in der Gemeindeverwaltung. Die seien von Anfang an erfreut und eingebunden gewesen, hätten immer alle Informationen gehabt, Widerstand gebe es kaum.

Nitratwert „über den sich andere freuen würden“

Dritte Bürgermeisterin Steffi Panhans (SPD) wunderte sich, dass der Nitratwert etwas höher sei, als imRosenheimer Trinkwasser. Das liege daran, so Thiele, dass bei den vom Wald umschlossenen Feldern der Boden einen relativ geringen Schutz biete, das federe der Wald aber wieder ab. Die Werte seien völlig unbedenklich, weit unter den Grenzwerten von 50 Milligramm pro Liter„in einem Bereich, über den sich viele andere Wasserversorger freuen würden“, so Thiele.

Wenn alles gut geht noch zwei, drei Jahre

Herbert Bauer (Parteifreie) wollte wissen, wann er denn nun endlich Stephanskirchner Wasser aus dem Hahn trinken könne. „Mit Glück in zwei, drei Jahren“, so Thiele. Genauer sagen kann das auch Lohse nicht, denn auch wenn die Unterlagen in den nächsten Wochen bei den Fachbehörden landen, heißt das noch nicht, dass sie ab Herbst bearbeitet werden: Es gibt Gemeinden, in denen die Trinkwasserversorgung kritischer ist, als in Stephanskirchen, das seit 1. Januar 1981 von Rosenheim beliefert wird, so Lohse. Und diese Gemeinden haben Vorrang.

„Wir müssen trotzdem Gas geben“, so Hubert Lechner (Parteifreie), „denn der Brenner-Nordzulauf droht.“

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