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Schlechte Noten

Stephanskirchens Radfahrer stellen ihrer Gemeinde Armutszeugnis aus

Parkenden und fahrenden Autos weichen Radfahrer oft auf den Gehweg aus, wie hier in der Wasserburger Straße bevor der Radweg am Schloßberg erreicht ist.
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Parkenden und fahrenden Autos weichen Radfahrer oft auf den Gehweg aus, wie hier in der Wasserburger Straße bevor der Radweg am Schloßberg erreicht ist.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Sie fühlen sich nicht sicher, sondern bedrängt und behindert, die Radfahrer aus Stephanskirchen, die sich an einer Umfrage des ADFCs beteiligten. Und sie finden, die Gemeinde tue zu wenig für sie. „Auf vieles, das kritisiert wurde, haben wir gar keinen Einfluss“, bedauert der Bürgermeister.

Stephanskirchen – „Und wie ist Radfahren in deiner Stadt?“ Auf diese Frage antworteten die Stephanskirchner mehrheitlich mit Kritik. Bei Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) erreichte Stephanskirchen gerade mal eine Durchschnittsnote von 4,2. Zum Erschrecken des Fahrradbeauftragten der Gemeinde, Frank Wiens, und des Bürgermeisters Karl Mair.

Nur ein kleiner Trost: Rosenheim bekam die gleiche Bewertung, Raubling schnitt mit 3,8 unwesentlich besser ab, Bruckmühl mit 4,3 etwas schlechter.

„Die Ergebnisse des ADFC-Klimatests zeigen, dass beim Radverkehr in der Gemeinde Stephanskirchen Handlungsbedarf besteht“, sagt Mair. Das sieht auch Wiens so. Und nicht nur der: Die Teilnehmer befanden, dass in den zwei Jahren seit dem letzten ADFC-Klimatest nicht genug getan wurde, 59 Prozent gaben hier die Schulnoten 5 und 6.

Gemeinde hat anfünf Staatsstraßen keinen Einfluss

Allerdings, und da sind sich der Bürgermeister und sein Fahrradbeauftragter einig, die Gemeinde in vielen Dingen nichts tun kann. Denn dass sich über 75 Prozent der Radfahrer nicht sicher fühlen, über schlechte Ampelschaltungen klagen, das liegt vor allem daran, dass die am häufigsten genutzten Radwege und alle Ampeln an den fünf Staatsstraßen im Gemeindegebiet zu finden sind. Und die sind Sache des Freistaats, da hat die Gemeinde wenig bis keinen Einfluss.

Eine Verbesserung gab es: „Die von Radfahrern schon seit langem kritisierte Ampelschaltung an der Kraglinger Kreuzung wurde durch das Staatliche Bauamt so verändert, dass sich Radfahrer und Autofahrer hier nicht mehr in die Quere kommen“, so Mair.

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Ein weiteres, von der Gemeinde nicht zu änderndes Grundproblem: Aufgrund der Stadtrandlage ist der Verkehr im Gemeindegebiet Stephanskirchen sehr dicht – allein die beiden Innbrücken werden laut Mair täglich von 50 000 Pkws überquert. „Bei uns fährt der ganze östliche Landkreis nach Rosenheim durch.“

Das ist Wiens auch bewusst. Dennoch gebe es Möglichkeiten, sagt er und verweist auf die Kraglinger Straße, die verschmälert und dadurch als Abkürzung für Autofahrer uninteressant gemacht wurde. Als Gegenbeispiel nennt Wiens die Reikeringer Straße: Da gilt zwar nun offiziell Tempo 30, aber die Straße wurde verbreitert, einen Geh- oder Radweg gibt es nicht. „Das ist inkonsequent, denn die Verbreiterung zieht zusätzlichen Verkehr an“, ärgert sich Wiens.

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Wiens hat die hohe Verkehrsdichte auf seinem Weg zum Schreibtisch in Rosenheim immer wieder erlebt. Mittlerweile weicht er den Staatsstraßen so gut wie möglich aus. „Die Kraglinger Straße ist jetzt eine tolle Strecke für Radfahrer.“ Nur das letzte Stück Wasserburger Straße, da muss man sich noch mit den vielen Autofahrern zwischen den parkenden Autos hindurch quälen. Einer der Brüche, den auch Mair – der auch nicht entlang der Staatsstraße zum Simssee radelt – auf den alternativen Routen festgestellt hat. Die wären oft schnell vom Bauhof zu schließen, sagt Wiens mit Verweis auf den Weg von Haidholzen durch die Kleingartenkolonie nach Landmühle oder zum Baumarkt.

Der ADFC-Klimatest zeigte auch, dass die Stephanskirchner überwiegend der Meinung sind, das Ortszentrum – Wiens geht davon aus, dass Schloßberg gemeint ist – wäre mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Allerdings fühlten sie sich von Autofahrern bedrängt und behindert. Und sie sind sauer, dass es nicht häufiger geahndet wird, wenn Autofahrer auf dem Radweg parken. Da gab es eine 5-. „Da könnte die Gemeinde durchaus etwas tun“, so Wiens. Das sei eine politische Entscheidung.

Nichts tun kann die Gemeinde hingegen bei der in der Umfrage sehr schlecht bewerteten Möglichkeit, Fahrräder im Bus mitzunehmen. „Wir haben keine kommunale Buslinie“, so Mair. Und für die Linienbusse ist der RVO zuständig. Der Radl nicht mitnimmt, weil Kinderwagen, Rollstuhl und Rollatoren vorgehen, deswegen nicht sicher sei, dass der Passagier samt Drahtesel die gesamte gewünschte Strecke mitfahren kann, erklärt ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht lesen möchte.

Bei Einbahnstraßen hätte die Gemeinde eine Eins verdient

Einige Ergebnisse der Umfrage kann Mair nicht nachvollziehen. Beispiel: Bei der Frage „Bei uns sind die meisten Einbahnstraßen in der Gegenrichtung für Radfahrer/innen freigegeben“ nur mit Note 3,7 und damit etwas schlechter als zwei Jahre zuvor bewertet. „Allerdings gibt es in unserem Gemeindegebiet nur eine Einbahnstraße und in dieser kann man sehr wohl in die Gegenrichtung fahren! Da hätten wir eigentlich eine 1 verdient.“

Generell sieht Bürgermeister Mair das gerade mit „ausreichend“ bewertete Ergebnis des Fahrradklimatests als Auftrag, etwas zu tun. Was nicht nur den Fahrradbeauftragten Wiens freuen dürfte.

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