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Stephanskirchen: „Wir erkennen unsere Gemeinde nicht wieder“

Das denkmalgeschützte Schloß Innleiten, auch als Gillitzerschlössl bekannt, ist nur einen Steinwurf vom geplanten Tunnelportal des Brenner-Nordzulaufs entfernt auf Schluff gebaut. Die Erschütterungen könnten zu massiven Schäden führen, befürchten Fachleute.
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Das denkmalgeschützte Schloß Innleiten, auch als Gillitzerschlössl bekannt, ist nur einen Steinwurf vom geplanten Tunnelportal des Brenner-Nordzulaufs entfernt auf Schluff gebaut. Die Erschütterungen könnten zu massiven Schäden führen, befürchten Fachleute.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Die Trasse ist nicht raumverträglich. Bei dieser trockenen Feststellung wollte es der Stephanskirchner Gemeinderat nicht belassen bei der gemeindlichen Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren. Zu sehr ist ihr Ort betroffen, zu sehr fühlen sich gerade die langjährigen Gemeinderäte verschaukelt.

von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie), seit 2002 Mitglied des Gemeinderates, fasste zusammen: „Die Gemeinde Stephanskirchen wird für ihre nachhaltige Entwicklung bestraft. Hätten wir in den letzten Jahrzehnten – wie andere Gemeinden – wahllos Wohngebiete ausgewiesen, wäre hier gar keine Möglichkeit für eine Trasse.“

Trasse widerspricht Regionalplan

Christian Hausstätter, in der Gemeindeverwaltung für die Bauleitplanung verantwortlich, hatte die Argumente gegen die Trassen im Gemeindegebiet gesammelt und zur Stellungnahme gebündelt. Er verweist in seinem Entwurf auch auf das Leitbild des Regionalplans, in dem festgehalten ist, dass die Region als attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum mit landschaftlicher Schönheit und Vielfalt erhalten bleiben soll. Die natürlichen Lebensgrundlagen sollen gesichert und das reiche kulturelle Erbe bewahrt werden. „Der Neubau einer Eisenbahntrasse widerspricht all diesen Zielen fundamental“, so die Stellungnahme.

Innauen und Simssee beeinträchtigt

Die Innauen und der Simssee, Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiete von Bedeutung über die Gemeinde hinaus, würden von der Trasse tangiert. Da käme es selbst nach den Unterlagen des Raumordnungsverfahrens zu Beeinträchtigungen. Ein Ausgleich innerhalb des Gebiets sei unmöglich, da es sich um „sehr hochwertige Flächen handelt, die nicht weiter aufgewertet werden können“, heißt es in der Stellungnahme.

Rüge vom Europäischen Rechnungshof

Der Europäische Rechnungshof (EuRH) habe unter anderem bemängelt, dass es keine gemeinsame Verkehrsstudie und auch keine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse der Gesamtstrecke gebe. „Es entsteht der Eindruck, dass hier aus politischen Gründen ... ein Mega-Projekt um jeden Preis durchgedrückt werden soll“, heißt es in der Stellungnahme der Gemeinde.

Keine Aussage über Trassentiefe

Der Großteil der beiden Trassen durch Stephanskirchen soll unterirdisch verlaufen. In welcher Tiefe, das sei in den Unterlagen des Raumordnungsverfahrens nicht zu ersehen. Von Erschütterungen sei auszugehen, hält die Gemeinde fest. Außerdem seien die Erläuterungen fehlerhaft, denn Auswirkungen auf Gewerbe und Industrie fehlten für Stephanskirchen wo eine Firma direkt, eine zweite zumindest indirekt betroffen seien.

Lärm und Erschütterungen

Lärmbelästigung sei während der Bauphase sicher in großen Teilen der Gemeinde zu erwarten, im laufenden Betrieb treffe es die beiden Ortsteile an den Tunnelportalen – sprich: Eitzing und Innleiten – massiv. Die beiden Tunnelportale befinden sich zudem in der Nähe denkmalgeschützter Gebäude, der Krottenhausmühle und des Schlosses Innleiten. Beide wären Erschütterungen ausgesetzt, die die Bausubstanz gefährden. Hinzu komme, dass im Bereich Innleiten/Leonhardspfunzen mit Funden aus der Römerzeit zu rechnen sei.

Trinkwasser nicht aufs Spiel setzen

Ein großer Teil der Stellungnahme beschäftigt sich mit der Trinkwassersituation. Denn sowohl der neue Brunnen der Gemeinde als auch vier Brunnen der St. Leonhardsquelle werden von der Planung tangiert. Hinzu komme, dass niemand vorhersagen könne, wie sich die Bauarbeiten und dann der Tunnel auf die Grundwassersituation auswirken. „Sauberes Trinkwasser ist eines der höchsten Güter und sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden“, so die Stephanskirchner Stellungnahme. Dass der enorme Flächenverbrauch der Trassen alle Aussagen der Landes- und Bundespolitik zur Begrenzung des Flächenfraßes ad absurdum führe, sei offensichtlich.

Weniger Züge im Inntal als in 1990ern

Petra Schnell (UF) und Johannes Lessing (Die Grünen) waren nicht sicher, ob der Vorspann zur Bedarfsplanung gut sei. „Nicht, dass wir in der Querulantenschublade landen“, Tso Lessing. In der steckten dann auch Stadt und Landkreis Rosenheim, denn beide hätten den fehlenden Bedarfsnachweis ebenfalls bemängelt, so Mair. Außerdem führen heute im Inntal nachweislich weniger Züge als noch in den 1990er Jahren.

Thomas Riedrich (Parteifreie) plädierte ebenfalls dafür, die fehlende Bedarfsanalyse anzuführen, „wenn wir unsere Heimat schon opfern müssen, dann sollten wir wenigsten nachvollziehen können, warum.“

Das letzte Wort hatte der Bürgermeister: „Sollte eine der beiden Trasse kommen, dann werden wir unsere Gemeinde nicht wiedererkennen.“

Gegen die Stimme Lessings wurde die Stellungnahme beschlossen.

Einwände bis Freitag früh abgeben

Die Frist für Einwände im Raumordnungsverfahren läuft am Freitag, 24. Juli, ab. Einwände, die am 24. bis 8 Uhr im Briefkasten des Rathauses stecken, kommen noch rechtzeitig bei der Regierung von Oberbayern an, versichert Geschäftsleiter Georg Plankl.

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