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Dialektpflege im Café

„Wi snack Platt“: In Stephanskirchen treten alle vier Wochen Nordlichter auf

Jochen Schwarz , hier mit seiner Frau Helga, gründete den norddeutschen Kreis in Stephanskirchen. Der Mecklenburger war Pastor in der evangelischen Partnergemeinde.
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Jochen Schwarz , hier mit seiner Frau Helga, gründete den norddeutschen Kreis in Stephanskirchen. Der Mecklenburger war Pastor in der evangelischen Partnergemeinde.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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„Moin“ tönt es vergnügt. Die Runde im Café wird um einen Platz erweitert. Und die Herrschaften am Nachbartisch staunen. Denn in der Runde in Stephanskirchen heißt es „Wi snack platt“.

Stephanskirchen – Hans Joachim, genannt Jochen, Schwarz, ehemaliger Pfarrer der evangelischen Partnergemeinde in Hohenkirchen an der mecklenburgischen Ostsee, hat die Runde vor 24 Jahren in Stephanskirchen ins Leben gerufen.

Der Liebe wegen im Süden gelandet

Ihm ging es wie etlichen anderen: Sie landeten der Liebe wegen in Stephanskirchen, Rosenheim oder am Samerberg. Waren zwischendurch auch mal weg und kamen zurück, wie Gesche Braun, Witwe des ehemaligen Stephanskirchener Pastors Dietrich Braun. Die Rüganerin Dr. Rosemarie Kraeft hat einen schwereren Weg hinter sich: Von der DDR mit Berufsverbot als Lehrerin belegt, weil sie nicht aus der Kirche austreten wollte, trotzte sie sich ihren Weg in den Westen – und schließlich in den Süden – frei.

Hörbar norddeutsch sind sie alle. Und wenn man den „Preissn“ schon nicht loswird, dann kann man ihn ja auch ein wenig streicheln. Ihm ab und an mal norddeutsche Töne und Geschichten gönnen. Und großzügig darüber hinwegsehen, dass sie keine Preissn sind, sondern Mecklenburger, Rüganer, Holsteiner oder Hamburger. Und ein Vorzeigebayer. Der Platt nicht versteht.

Platt ist nicht gleich Platt

Jochen Schwarz ist mit Platt aufgewachsen. Mit einem Platt, das aus dem Mecklenburgischem Richtung Heidjer Platt geht. Denn: Platt ist nicht gleich Platt. Wie Bayrisch nicht gleich Bayrisch ist. Also klingt Schwarz anders, als zum Beispiel Edith Aron-Maurer, die aus Hamburg stammt. Schwarz erzählt, dass Platt zu DDR-Zeiten so gar nicht erwünscht war. Hat den Pfarrer nur bedingt interessiert. In seiner Pfarrei an der Ostsee, in paar Kilometer westlich von Wismar, wurde platt gesnackt.

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1997 ging er in den Ruhestand, zog schließlich mit seiner zweiten Frau Helga nach Stephanskirchen. Helga Schwarz ist Fränkin. Sie versteht mittlerweile Platt, spricht es aber nicht. Schwarz musste erst einmal auf Platt verzichten. Bis er Thea Müller traf, ein weiteres in Stephanskirchen heimisch gewordenes Nordlicht. Und schon war die Idee für den plattdütschen Kreis geboren. Denn bei aller Liebe der „Tougewanderten“ zu Bayern: Ab und an müssen norddeutsche Töne sein. Ob es Gedichte und Geschichten von Platt schreibenden Autoren wie jüngst Rudolf Tarnow sind, oder ob über den Krieg in der Ukraine diskutiert wird. Denn auch das geht selbstverständlich auf Platt.

Das 25. Jubiläum 2023 fest im Blick

Beim ersten Treffen „nach Corona“ war der Kreis kleiner als gewohnt. „Einige unserer fleißigsten Platt-Sprecher sind leider nicht mehr in der Lage zu unserem Treffen zu kommen“, bedauert Schwarz. Aber vielleicht finden sich ja bis zum 25. Jubiläum im nächsten Jahr noch ein paar Nordlichter, die mal vorbeikieken, hofft Schwarz. Jeden dritten Dienstag im Monat trifft sich die Runde um 13.30 Uhr. Manchmal im Café Bauer, manchmal beim Antretter. Jochen Schwarz weiß wo und gibt unter 08031/7610 Auskunft.

Und wer da nicht kann oder nicht weiß, wie sattelfest sein Platt ist: Der norddeutsche Kreis unternimmt mit den Senioren der evangelischen Pfarrei einen Ausflug in den Raritätenzoo nach Ebbs. Treffen ist am 19. Mai um 11 Uhr vor dem Gemeindehaus in Haidholzen treffen. In Fahrgemeinschaften geht es dann nach Ebbs. Geplant ist ein gemeinsames Mittagessen dort und anschließend der Besuch des Raritätenzoos.

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