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Vorbereitungen laufen

Wenn‘s finster wird in Stephanskirchen: Warum beim Blackout das Scheitern droht

Energiekrise: Ein Teelicht wird mit einem Stabfeuerzeug angezündet. Für Kerzen und Taschenlampen müssen die Bürger für den Fall eines Blackouts selber sorgen
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Kerzen und Taschenlampen sollte für den Fall eines Blackouts jeder selbst im Haus haben. Die Gemeinde hat andere Aufgaben zu erfüllen.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Wie lange hält die Kläranlage durch? Ist die Feuerwehr einsatzbereit? Gibt es eine Wärmestube? Stephanskirchen bereitet sich, wie alle Gemeinden in der Region, auf einen längeren Stromausfall vor. Und droht zu scheitern.

Stephanskirchen - Es sind nicht Heizöl und Diesel. Beides gibt es, wenn auch teurer als vor einem Jahr. Es sind nicht die Ansprechpartner für den Notfall. Die Liste mit deren Namen und Kontaktdaten ist aktualisiert. Es sind nicht die analogen Funkgeräte. Die sind bei den vier Feuerwehren und in der Gemeindeverwaltung vorhanden. Es sind die Notstromaggregate, die Monika Hollinger, in der Verwaltung für öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig, beschäftigen. Noch stehe die technische Abstimmung gar nicht ganz. „Und wir können ja keines bestellen, das für uns nicht passt.“ Die Lieferzeit sei dann das nächste Kapitel.

Völlig gleichgültig, dass Stephanskirchen über ausreichend Geld verfügt, Notstromaggregate sozusagen aus der Portokasse zu bezahlen. Und der Gemeinderat den Bürgermeister schon Ende November ermächtigte, dies zu tun. Sie sind einfach nicht zu bekommen. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Florian Beck, Gemeinderat und Kommandant der Feuerwehr Stephanskirchen. Was Bernd Fessler, Bürgermeister in Großkarolinenfeld und Sprecher der Landkreis-Bürgermeister, bestätigt: „Abgegrast - und das deutschlandweit“. Ihm sei keine Gemeinde im Landkreis bekannt, die gut versorgt sei. Die Kollegen suchten alle.

Lieferzeiten bis zu einem Jahr

Und das grenzübergreifend. Beck weiß über seine Feuerwehrkanäle von der Suche bis nach Holland und Österreich. Fessler hat für Großkarolinenfeld in Österreich bestellt, da war die Lieferzeit noch am kürzesten. Generell heiße es derzeit bei den Herstellern „40 Wochen Minimum“, eher ein Jahr, berichtet Fessler, „und dann ist nicht sicher, ob sie das einhalten können. Das weiß heute kein Mensch.“

Katastrophenschutz ist Aufgabe des Landkreises

Auch wenn das Thema Katastrophenschutz an sich vorrangig Aufgabe des Landkreises ist, so sind die Gemeinden doch erste Anlaufstelle für ihre Bürger. Neben der Verwaltung zumeist auch die Feuerwehr. Denn die ist nach Ansicht Vieler zuständig, wenn‘s brennt - ob im wörtlichen oder im übertragenen Sinne. Nur: Die Feuerwehren wären im Falle eines längeren Stromausfalls als Helfer in der Not lahmgelegt. „Wir haben zwar die technischen Voraussetzungen, unsere Fahrzeuge, die Funkgeräte, Beleuchtung und Telefon über ein Notstromaggregat zu laden und zu betreiben. Aber es fehlen die Aggregate. Und damit sind wir vier Wehren, Stand heute, im Notfall nicht einsatzfähig“, sagt Beck.

Die Stadtwerke Rosenheim halten, so sagte Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) im Gemeinderat, „für die auch uns betreffende Wasserversorgung ein Notstromaggregat vor.“ Und sie haben laut Mair auf ihrem Betriebsgelände einen Heizöltank mit 650 Kubikmetern Fassungsvolumen sowie einen Tankanhänger mit einem 1000-Liter Tank. „Wasser wird‘s immer geben“, ist Bürgermeister-Sprecher Fessler überzeugt.

Bedenken wegen der Kläranlage

An der Kläranlage Bockau, die neben Stephanskirchen noch für acht weitere Gemeinden zuständig ist, befindet sich ein Notstromaggregat mit einem 990-Liter Tank. Zusätzlich gibt es einen 1500-Liter Tank. Die sieben Pumpstationen sind alle mit einem Notstromaggregat ausgerüstet und können je nach Abwassermenge ein bis zwei Tage betrieben werden. Und dann? Das wollte nicht nur Steffi Panhans (SPD) wissen. Mair berichtete, die Gemeinden gingen davon aus, dass die Notversorgung ausreiche. Auch weil bei einem Blackout nicht so viel Abwasser anfalle. Fessler geht für seine Gemeinde davon aus, dass an den neuralgischen Punkten mit einem mobilen Notstromaggregat weiter gearbeitet werden kann. Darüber hinaus seien kreative Lösungen gefragt. Es sei ja dann auch die Frage, wie lange ein Blackout tatsächlich dauere. Und wenn all Stricke rissen, dann müsse man auch darüber nachdenken dürfen, im Katastrophenfall auch mal nicht-geklärtes Abwasser in Flüsse und Bäche zu leiten.

Wärmestube in der Grundschule

Derzeit arbeitet die Gemeindeverwaltung an einem Konzept, das die (gemeinsame) Notstromversorgung sowohl des Rathauses als auch der benachbarten Grundschule Schloßberg sicherstellt. Denn die Grundschule soll im Katastrophenfall als „Leuchtturm“–Anlaufstelle für die Bevölkerung zur Verfügung stehen, „Wärmestube“, sanitäre Anlagen, eventuell auch medizinische und lebensmitteltechnische Notversorgung bieten. Dafür allerdings wird ein entsprechend großes Notstromaggregat gebraucht und für das muss laut Monika Hollinger noch ein Standort gefunden werden. Allerdings schränkte Mair gleich ein: „Wir bekommen auf unbegrenzte Zeit keine Versorgung hin. Für einige Tage schon.“

Harald Oberrenner, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde, bat darum, bei diesen Planungen auch an Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu denken. Denn wenn diese auf einen Aufzug angewiesen sind, sind sie im Falle eines Blackouts quasi in ihrer Wohnung gefangen und komplett allein. Sie kämen aus eigener Kraft gar nicht zur Grundschule in Schloßberg. Auch zu keinem Lebensmittelgeschäft, das trotz Blackouts noch aufhaben könnte.

Wer Konserven für einen möglichen Blackout kauft, wie es auf diesem Symbolbild ein Mitarbeiter eines Rettungsdienstes Interessierten erklärt, der sollte sich auch noch einen Campingkocher mit Gaskartusche besorgen - sonst bleiben die Ravioli kalt.

Beck hatte schon in der Gemeinderatssitzung darauf hingewiesen, dass auch jeder für sich selber schauen müsse, wie er sich auf einen Blackout vorbereiten könne. Da sieht auch Fessler so: „Die mittlerweile weit verbreitete Vollkaskomentalität funktioniert bei einem längeren Blackout einfach nicht mehr.“ Allerdings, und da ist sich Fessler mit Monika Hollinger einig, halte er die Gefahr eines längeren Blackouts aktuell für nicht mehr so akut, wie noch vor wenigen Wochen befürchtet. Und bis zum nächsten Winter sind dann hoffentlich die jetzt händeringend gesuchten Notstromaggregate geliefert.

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