Stephanskirchen: „Sommer dahoam“ soll von Corona ablenken und scheitert vielleicht daran

Offenen Bühnen für Musik, Akrobatik und anderes an sonst nicht dafür genutzten Orten – wie zum Beispiel im Freigelände der Schulen oder an der Schlossbergkuppe – könnten zum „Sommer dahoam“ in Stephanskirchen beitragen.
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Offenen Bühnen für Musik, Akrobatik und anderes an sonst nicht dafür genutzten Orten – wie zum Beispiel im Freigelände der Schulen oder an der Schlossbergkuppe – könnten zum „Sommer dahoam“ in Stephanskirchen beitragen.

Open Air-Kino im Kirchplatz Haidholzen oder im Park der Otfried Preußler Schule, Klavierkonzert auf dem Rathausplatz, Dirt Park in Waldering, Rucksackkonzerte des Spielmannszugs – Ideen für einen „Sommer dahoam“ gibt es genug. Welche davon tatsächlich umzusetzen sind, das ist in Corona-Zeiten noch offen.

von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Steffi Panhans, die Dritte Bürgermeisterin, wünscht sich offene Bühnen an Standorten, die sonst nicht für diese Zwecke genutzt werden. Kleine Veranstaltungen, die einen Rahmen schaffen, in dem sich Menschen mal wieder begegnen können – auf Abstand, aber immerhin. Warum also nicht ein kleines Konzert an der Schloßbergkuppe, ein Künstler im Rosengarten, Musik auf der Wiese am Bauhof? „Oder ein Gartenkonzert am Seniorenheim – denn die Senioren leiden ganz besonders unter den Einschränkungen.“

Rucksack-Konzerte? Musiker wären dabei

Franz Kotter vom Spielmannszug Stephanskirchen wäre sofort dabei: Die Instrumente in den Rucksack, die Musiker ab aufs Rad – oder auf den Bulldoganhänger als mobile Bühne – und dann los. Zu Stopps und Standkonzerten in allen Ortsteilen. „Mit zehn Leuten dürfen wir ja wieder. Und wir wollen wieder mal unter Menschen und vor Publikum“.

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Die Idee des „Sommer dahoam“ findet durchaus Anklang, viele Vereine dächten nach, was sie beitragen können und wollen. „Es schreien aber nicht alle „hier“ vor Begeisterung“, sagt Steffi Panhans, die Unsicherheit, was geht und was nicht geht sei noch sehr groß. Sie verstehe die Zurückhaltung, schließlich wolle niemand einen Infektionsherd befeuern. Außerdem sei es für die Vereine auch schwierig, Kosten abzuschätzen – auf denen sie womöglich sitzen bleiben, wenn kurzfristig abgesagt werden muss, weil sich mal wieder Vorschriften geändert haben.

Unsicherheit größtes Problem

Die Unsicherheit, was möglich ist und was nicht, sieht auch Bürgermeister Karl Mair als größtes Problem: „Eigentlich weiß man immer erst eine Woche vorher, was erlaubt ist.“ Derzeit sind es Veranstaltungen mit 50 Personen in geschlossenen Räumen, 100 Personen an der frischen Luft. „Natürlich wollen wir die Gemeinschaft im Ort stärken. Da passt die Idee gut. Ich respektiere aber, wenn ein Verein Bedenken hat.“ Deswegen werde auch beim Ferienprogramm, sollte es denn stattfinden dürfen, heuer mehr auf professionelle oder semiprofessionelle Anbieter gesetzt.

Ideen gut, Umsetzung schwierig

Florian Beck, Gemeinderat und Kommandant der Feuerwehr Stephanskirchen findet sowohl die Idee als auch den Namen „Sommer dahoam“ gut, gibt aber gerne zu, der größte Mahner zu sein. „Ich habe halt immer die Feuerwehrvorschriften im Hinterkopf. Und die sind hart. Wir dürfen zum Beispiel niemanden ins Gerätehaus lassen, der nicht bei der Feuerwehr ist.“ Deswegen sehe er auch keinen Weg, dass die Wehr dieses Jahr beim Ferienprogramm dabei ist. „Die Ideen sind gut, aber die Umsetzung finde ich oft schwierig. Wie will man bei einem Konzert zum Beispiel die 100 Leute einhalten?“ Den 101. Besucher wegschicken? Das will und macht wohl keiner, sind sich alle Beteiligten einig.

Vereine sitzen auf Kohlen

Natürlich säßen die Vereine alle auf Kohlen, keiner wisse so recht, wie es weitergeht, was wann erlaubt ist, wann Jahresversammlungen nachgeholt werden dürfen, so Beck. Zumal auch Feste, die den Vereinen jedes Jahr Geld in die Kassen bringen – wie die Feuerwehrfeste oder das Seefest der Jungbauernschaft – abgesagt werden müssen. Deswegen habe er auch Verständnis, für jeden, der etwas auf die Beine stellen will. „Aber ich rate zur Vorsicht, das muss alles gut überlegt sein.“

Die Corona-Arbeitsgruppe des Gemeinderates wird sich noch mit dem Thema beschäftigen, vermutlich auch der Hauptausschuss. Einen Silberstreif sieht der Bürgermeister: „Die Leute sind sehr diszipliniert“, hielten sich weitestgehend an die Corona-Vorschriften.

Umsetzung wäre kurzfristig möglich

Steffi Panhans kann die Beratungen von Gemeinderat und -verwaltung abwarten. Meisten Ideen ließen sich wohl auch kurzfristig umsetzen, schließlich seien die Leute derzeit nicht so ausgebucht wie in anderen Jahren. „Und es muss nicht alles perfekt laufem, es darf handgemacht sein.“ Das sieh Franz Kotter ähnlich: „Wir müssen keine musikalische Glanzleistung abliefern. Hauptsache, die Leute fühlen sich gut unterhalten.“

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