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Plötzlich liegt der Radler vor dem Auto

Erkenntnisse eines Vielfahrers: Was für Radler in der Region am gefährlichsten ist

Knallrot oder neonfarben gewandet – und doch wird auch Vielradler Frank Wiens immer wieder von Autofahrern übersehen.
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Knallrot oder neonfarben gewandet – und doch wird auch Vielradler Frank Wiens immer wieder von Autofahrern übersehen.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Schnell für Ruhe zwischen Emma und Paul auf der Rückbank sorgen, das Handy checken, die Klimaanlage einstellen – und schon knallt‘s. Oder die Bremsen quietschen. Weil der Mensch am Steuer den Menschen im Sattel übersehen hat. Frank Wiens zählt seine Beinaheunfälle schon gar nicht mehr.

Stephanskirchen – Sommerreifen aufziehen, Fahrradreifen aufpumpen – es ist gleich Ostern, Frühling und Sommer können kommen. Jetzt wagen sich auch die Schönwetterradler wieder auf die Straßen. Die, die sich nicht so sicher durch den Verkehr bewegen, wie Frank Wiens. Der Stephanskirchner fährt pro Jahr allein im Alltag – ohne Ausflüge und Urlaube – in Stephanskirchen, Rosenheim und Umgebung zwischen 5000 und 6000 Kilometer. Er bewegt sich dementsprechend routiniert im Straßenverkehr. Weiß aber um die Gefahren.

Übersehen zu werden ist die größte Gefahr

Natürlich sind längst nicht alle Autofahrer Rowdys. Die gibt es auch. Aber meist werden Radfahrer übersehen, sagt Wiens. Weil der Autofahrer oder die Autofahrerin abgelenkt ist durch Handy, Kaffee, Musik, Navi, Lüftung, zankende Kinder auf der Rückbank oder was auch immer. Weil der Radfahrer im toten Winkel des Rechtsabbiegers ist. „Oder dunkel gekleidet“, sagt Wiens, der immer in knallfarbiger Jacke unterwegs ist.

Die konkreten Ursachen kennt Robert Maurer, Sprecher der Polizeiinspektion Rosenheim, nicht immer im Detail. Das wäre bei 239 Unfällen mit Radfahrern in seinem Zuständigkeitsbereich auch etwas zu viel verlangt. Aber zwei Drittel aller Unfälle mit Radfahrern passierten, so Maurer, weil der Auto- oder, noch schlimmer, der Lkw-Fahrer den Mensch auf dem Drahtesel übersehen hat.

Hupen und Schneiden - das nervt die Radler

Etwa 160 Unfälle mit übersehenen Radfahrern im gesamten Inspektionsbereich. Oft „nur“ Blechschaden. Damit kann Frank Wiens umgehen. Es sei ja auch wirklich nicht so, dass man permanent aus dem Sattel gehoben werde. „Aber ich habe irgendwann aufgehört, meine Beinaheunfälle zu zählen.“ Fahrradfahrer, die nach einem gerade noch vermiedenen oder glimpflich abgegangenen Unfall Autofahrer anmeckern oder mit der Hand gegen das Fahrzeug schlagen, findet Wiens zwar nicht gut, die Reaktion aber menschlich. „Viele Radfahrer sind genervt, dass sie angehupt werden, dass Fahrzeuge zu knapp an ihnen vorbeifahren, sie schneiden – alles Zeichen für das Recht des Stärkeren.“ Bei der Aufzählung solches Fehlverhaltens kann der fröhliche Frank Wiens ganz unwirsch dreinschauen.

Allerdings, das räumt Wiens gerne ein, machen es Verkehrsplaner Auto- wie Radfahrern oft schwer. „Radwege sind bei der Straßengestaltung oft nur ein Nachgedanke, nach dem Motto ‚Oh, Radweg brauchen wir ja auch noch‘ und so sieht das dann auch aus.“ Vor allem an großen Kreuzungen und Kreisverkehren.

„Kreisverkehre sind Horror für alle“, findet Wiens, seit 2020 Radverkehrsbeauftragter in Stephanskirchen. Radfahrer wissen nicht, ob das Auto abbiegt – weil mal wieder nicht geblinkt wird –, und Autofahrer haben mehr Möglichkeiten, dass der Radfahrer aus dem toten Winkel auf dem Kotflügel landet. Da würden nur Unter- oder Überführungen für Radfahrer helfen. „Und da ist die Frage, wer die zahlt.“

Ampeln anders zu schalten würde helfen

An großen Ampelkreuzungen wäre nach Ansicht von Frank Wiens das Risiko viel einfacher zu verringern: Leicht versetzte Ampelschaltungen würden reichen, „dann sind die Radfahrer längst weg, bis die Linksabbieger fahren dürfen.“

Und dann ist da ja noch das Tempoproblem. Innerorts 30, das fände Frank Wiens gut. Da seien die Geschwindigkeitsunterschiede nicht so groß, die Unfallgefahr damit nicht so hoch und die Folgen nicht so schwer. Frank Wiens ist sicher: „Die latente Gefahr hält für meine Begriffe viele Menschen, die das sonst gern täten, vom Radeln ab.“