Stephanskirchen: Nur Corona bremst das Erfolgsmodell Anrufsammeltaxi

Aufkleber, wie hier am Schloßberg, oder Schilder weisen darauf hin, welche Bushaltestellen auch vom Anrufsammeltaxi angefahren werden.
+
Aufkleber, wie hier am Schloßberg, oder Schilder weisen darauf hin, welche Bushaltestellen auch vom Anrufsammeltaxi angefahren werden.

Es heißt „Sammeltaxi“, coronabedingt können aber nur Passagiere aus einem Haushalt zusteigen. Die Zahl der Gemeinden, die bei dem besonderen Service mitmachen, wächst.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen/Riedering/Rohrdorf – Die Stephanskirchner haben schon 2012 die Fahrzeiten deutlich ausgedehnt, die Riederinger bieten künftig mehr Haltestellen an - die Erfahrungen der Gemeinden mit dem Anruf-Sammeltaxi AST der Stadtwerke Rosenheim sind unterschiedlich lang, aber sie sind alle gut.

Das Anrufsammeltaxi, kurz AST genannt, von den Stadtwerken Rosenheim 1993 als Ergänzung zu den Linienbussen eingerichtet, fährt seit 25 Jahren nach Stephanskirchen. Ursprünglich sei es nur für die Zeiten gedacht gewesen, in den keine ÖPNV-Linienbusse fahren, so der Stephanskirchner Geschäftsleiter Georg Plankl, mittlerweile sei das Angebot aber sehr ausgeweitet worden. Von 5 Uhr in der Früh bis 1 Uhr kann das AST geordert werden. Ein Anruf, eine halbe Stunde vorher, unter 0 80 31/1 51 44 genügt. Bei Veranstaltungen im Rosenheimer KuKo reicht die Anmeldung in der Pause.

AST-Haltestellen auch abseits des ÖPNV

Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier findet das AST nicht nur für Fahrten zum Arzt oder nach Hause nach einer Kulturveranstaltung ideal, sondern gerade für seine Flächengemeinde, wo der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) „nicht so ist, wie man es sich wünschen würde“. Sein Gemeinderat sieht das wohl genauso, beschloss jetzt eine Ausweitung des Angebots, „kein Riederinger hat künftig weiter als 500 Meter zur nächsten Haltestelle“.

Denn das AST fährt nicht nur die ÖPNV-Haltestellen an, jede Gemeinde kann zusätzliche Haltepunkte festlegen, erklärt Gerhard Kaiser, bei der Gemeinde Stephanskirchen zuständig für das AST. 225 sind es im gesamten Bereich. Der Endhaltepunkt, der wird vom Fahrgast festgelegt, da geht die Fahrt bis zur eigenen Haustür. Vor der werden Rollstuhlfahrer auch abgeholt.

Strenge Hygieneregeln im AST

Nur mit dem „Sammeltaxi“ ist das so eine Sache. In Stephanskirchen sitzen im Jahresdurchschnitt laut Plankl nur 1,4 Personen im AST. Und in Corona-Zeiten, da ist an Sammeln sowieso nicht zu denken, erklärte Ulrike Willenbrink, Sprecherin der Stadtwerke Rosenheim: „Die AST-Fahrten werden aktuell mit nur einem Fahrgast oder mehreren Personen aus dem gleichen Haushalt durchgeführt. In den Fahrzeugen bleibt der Beifahrersitz stets frei, der Fahrer ist durch eine Plexiglasscheibe vom Fahrgastraum getrennt.“ Diese Sicherheit wissen die Kunden wohl zu schätzen, denn seit April steigen die Zahlen langsam und seit Juni wieder deutlich an, so Willenbrink. Eine Auswertung im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr habe sie derzeit noch nicht.

200 Fahrten im Monat nach Riedering gebucht

Generell laufe das AST gut, sind sich Stadtwerke und Gemeinden einig. 20 000 Rosenheimer hätten das AST seit 1993 genutzt, so Willenbrink, Vodermaier spricht von 200 Fahrten pro Monat nach Riedering, in Stephanskirchen sind es im Jahresschnitt laut Stadtwerken etwa doppelt so viel wie nach Riedering, passend zur unterschiedlichen Gemeindegröße. „Wobei das AST nach Stephanskirchen zur Herbstfestzeit besonders gut geht – und diese Fahrten fallen ja dieses Jahr aus“, so Plankl. Rohrdorf ist erst seit 1. August mit dabei, Bürgermeister Simon Hausstetter berichtet, dass einige Rohrdorfer schon dringend darauf gewartet hätten und in den ersten zwei Wochen seien mindestens 40 Rohrdorfer auch AST gefahren. „Es werden sicher mehr“, so der Bürgermeister, aber erstmal müsse das Angebot so richtig bekannt werden.

Preis zwischen Taxi und Linienbus

Ob das AST eher von älteren oder jüngeren Kunden genutzt wird, können die Stadtwerke nicht sagen, es werden keine entsprechenden Daten erhoben. Leisten könnten es sich wohl beide Gruppen, denn das AST ist zwar teuerer als der Linienbus, aber günstiger als ein „normales“ Taxi. Von Rosenheim bis ans andere Ende von Stephanskirchen kostet die Fahrt zum Beispiel knapp sieben Euro.

Gemeinden subventionieren Fahrten

Das funktioniert nur, weil das private Taxiunternehmen, das im Auftrag der Stadtwerke fährt, von den Kommunen mitfinanziert wird. Stephanskirchen gibt laut Plankl rund 4000 Euro im Monat dazu, „denn es ist ein toller Service für die Bürger“, Riedering legt pro Monat zwischen 4500 und 5000 Euro drauf, damit die vertraglich mit dem Unternehmen vereinbarte Summe erreicht wird. Je mehr Bürger fahren, desto weniger zahlt also die Gemeinde.

Kommentare