Endlich selber lesen – Wie Nola aus Stephanskirchen ihren ersten Schultag erlebte

Auf ins Abenteuer Schule: Nola konnte den ersten Schultag kaum erwarten.
+
Auf ins Abenteuer Schule: Nola konnte den ersten Schultag kaum erwarten.
  • vonJohannes Thomae
    schließen

Lesen, sie will endlich selber lesen können, die sechsjährige Nola. Darum hat sie die Tage bis zur Einschulung an der Otfried-Preußler-Schule gezählt. Heute (8. September) war ihr erster Schultag.

Stephanskirchen – „Hallo Kinder, jetzt geht’s los“ Mit diesem Lied begrüßten Viert- und Zweitklässler der Otfried-Preußler-Schule in Stephanskirchen die neuen Schulanfänger. Und viele von ihnen werden sich gedacht haben: „Endlich!“ Nola jedenfalls, so erzählt ihr Papa Dominik Miller, hatte es zum Schluss kaum noch erwarten können und jeden einzelnen Tag gezählt.

In unbekannte Welten tauchen

Für die Sechsjährige ist das Wesentliche am jetzt beginnenden Abenteuer, Lesen zu lernen. Nicht mehr warten zu müssen, bis Mama oder Papa zum Vorlesen Zeit haben, sondern selber eintauchen können in unbekannte Welten, wann und wo man will: Das ist für Nola ganz offenbar ein Riesenstück an Lebensqualität, um dessen Willen allein sich die Schule schon lohnt.

Die kurze Begrüßungsansprache von Rektor Florian Burggraf war deshalb sicher auch nach Nolas Geschmack, denn er erklärte den Kindern, warum die Schule den Namen eines Kinderbuchautors trägt – weil Otfried Preußler selber einmal Rektor an genau dieser Schule war. Und Florian Burggraf hatte den Räuber Hotzenplotz als Handpuppe nicht nur als Verstärkung dabei, sondern auch ein bisschen als Zeichen dafür, dass in der Schule Spaß und Freude nicht außen vor bleiben müssen.

Die Freude am Entdecken erhalten

Im Gegenteil: Eindringlich warb er bei den Eltern dafür, Anteil an dem zu nehmen, was die Kinder lernen „und vor allem: Lobt sie, lobt sie, lobt sie“. Denn das sei entscheidend dafür, dass bei den Kindern das, was sie jetzt alle mitbrächten, nämlich die Freude, Neues zu lernen und zu entdecken, erhalten bliebe.

Genau aus diesem Grund haben sich Nolas Eltern auch dafür entschieden, ihrer Tochter nicht schon vorab das Lesen beizubringen – sie wollten ihr dieses Erlebnis, gemeinsam mit anderen für sich eine ganz neue Welt zu erschließen, nicht nehmen.

Erste Unterrichtsstunde am ersten Schultag

Den ersten Schritt auf dieser Abenteuerreise gab es denn auch noch am ersten Schultag, denn auf die Begrüßung in der Aula folgte tatsächlich schon eine Unterrichtsstunde. Was haben alle Schultüten gemeinsam, war die zu lösende Aufgabe und das gemeinsam gefundene Ergebnis: die Dreiecksform. Die war dann auf das erste Arbeitsblatt zu zeichnen und auszumalen, auch eine Hausaufgabe gab es schon: Drei Sachen aus der eigenen Schultüte sollen gemalt werden.

Ein kleines Bisschen lesen geht schon bald

Bei diesem „Arbeitstempo“ ist verständlich, warum Nolas Lehrerin, Christiane Kirschner, sagen kann, dass die Kinder schon um Allerheiligen herum ein kleines Bisschen lesen können werden. Kein Vergleich mehr zu der Schule früherer Jahrzehnte, in denen es gefühlt Jahre dauerte, bis man endlich das eine oder andere Wort entziffern konnte.

Nolas vierjährigen Bruder Julis wird’s freuen – er, so sagt Mama Janna Miller, hofft voller Optimismus darauf, dass die große Schwester ihm in Bälde wird vorlesen können. Irgendeinen Vorteil muss es ja haben, dass Mama in letzter Zeit öfter ohne ihn mit Nola einkaufen war – beim Aussuchen der Schulsachen wollte Nola allein mit ihrer Mutter unterwegs sein.

Den Schulanfang feiern

Am Nachmittag des ersten Schultages war die ganze Familie aber vereint, ein kleiner Ausflug stand auf dem Programm, denn ein erster Schultag ist nun Mal ein Ereignis, das gefeiert werden muss und auch gefeiert werden kann: Denn wenn es nach dem Willen der Otfried-Preußler-Schule geht, sollen zumindest die ersten vier Jahre etwas sein, woran man sich in seinem späteren Leben mit guten Gefühlen erinnern kann.

Und das Nonplusultra wäre dann, wenn Nola sich nach diesen vier Jahren mit ähnlichen Worten von der Grundschule verabschieden könnte, wie sie es vor Kurzem beim Kindergarten tat: „Mama“, fragte sie, „warum kann Kindergarten eigentlich nicht ewig dauern?“

Kommentare