Blütenpracht statt gemähter Flächen

Stephanskirchen: Mähkonzept weckt Interesse der Nachbargemeinden

Priorität 1 trifft auf Priorität 3: Das Fußballfeld wird wöchtentlich kurzgeschoren, zwischen Tor und Tartanbahn blüht es bunt.
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Priorität 1 trifft auf Priorität 3: Das Fußballfeld wird wöchtentlich kurzgeschoren, zwischen Tor und Tartanbahn blüht es bunt.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Akkurat gestutzter Rasen zwischen den Gräbern, blühende Wiesenstreifen am Friedhofsrand. Kurzes Gras auf dem Spielfeld, Blütenpracht hinter dem Tor. In vielen Gemeinden noch immer unvorstellbar, in Stephanskirchen schon lange Realität. Was die Nachbargemeinden am Mähkonzept begeistert.

Stephanskirchen – Den „Grünflächenpflegeplan“, kurz das Mähkonzept für gemeindliche Flächen hat Thomas Fichter schon 2009 entworfen. Der Bauhofmitarbeiter ist gelernter Natur- und Landschaftspfleger.

Erst nach der Blüte wird gemäht

Dass ein Fußballplatz wöchentlich gemäht werden muss, ist für Fichter ebenso selbstverständlich, wie die Tatsache, dass es bei der Wiese am Vereinsheim reicht, wenn die einmal im Jahr – und zwar nach der Blüte – gemäht wird. Und weil erst nach der Blüte gemäht wird, werden in Stephanskirchen auch keine bunten Samenmischungen gebraucht, das blühende Paradies für Insekten hat sich über Jahre entwickelt.

Er habe den Auftrag gehabt, das Mähkonzept so zu gestalten, dass sich Ökologie und Ökonomie die Waage halten, erklärt Fichter. „Wir haben deutlich mehr gespart, als ausgegeben“, sagt er ein gutes Jahrzehnt später: Zeit gespart, Kraftstoff gespart und Dünger gespart. Denn das Schnittgut bleibt liegen. Das darf sich die Natur zurückholen.

Geplante Schulung fällt wegen Corona aus

Natürlich sei das Mähkonzept nicht statisch, erklärte Fichter jüngst auch Bürgermeistern und Bauhofmitarbeitern der Gemeinden der Ökomodellregion Kampenwand-Hochries-Wendelstein. Schließlich fielen immer wieder Flächen weg, kämen andere hinzu – zum Beispiel die 27 neuen Baumscheiben in der Hubertusstraße, die ursprünglich fünf, sechs Mal im Jahr gemäht hätten werden sollen, jetzt aber ab Frühjahr in wechselnder bunter Pracht dastehen.

Fichter gibt sein Wissen und seine Erfahrungen gerne weiter, so wie jetzt beim Treffen der Ökomodellregion, zu dem ihn seine Kollegin Karin Gall, im Rathaus zuständig für das Artenvielfaltsprogramm und den Klimaschutz, begleitete und dort über Biodiversität referierte. Fichter sollte im April dieses Jahres eine Schulung für Bauhofmitarbeiter anderer Gemeinden halten. Die fiel allerdings wegen der Corona-Pandemie aus.

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