Aus dem Gemeinderat

Mehreinnahmen in Stephanskirchen: „Wir werden uns sehnsüchtig an diesen Haushalt erinnern“

Gut gefülltes Portemonnaie: Die Gemeinde Stephanskirchen gehört zu den wohlhabendsten im Landkreis.
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Gut gefülltes Portemonnaie: Die Gemeinde Stephanskirchen gehört zu den wohlhabendsten im Landkreis.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Das Sparbuch wächst und wächst. Zwei Millionen Euro mehr als geplant nahm die Gemeinde im Jahr 2019 ein. Sie mussten nicht angetastet werden, wanderten in die Rücklage. Dort stehen jetzt gut 15 Millionen zu Buche. Und schuldenfrei ist Stephanskirchen auch.

Stephanskirchen – „Wir sind so aufgestellt, dass wir zwei, drei Jahre Corona-Mindereinnahmen gut überbrücken können.“ Glücklich der Kämmerer, der das Ende 2020 sagen kann. Philipp Brück, Stephanskirchens Kämmerer, gehört zu den Glücklichen. Denn: Knapp zwei Millionen Euro mehr als vorgesehen nahm die Gemeinde 2019 allein im Verwaltungshaushalt ein. Die Hälfte davon kam über höhere Gewerbesteuerzahlungen herein, auch der Anteil an der Einkommenssteuer – mit 27,3 Prozent der größte Brocken bei den Einnahmen des Verwaltungshaushaltes –, die Umsatzsteuer und die Einnahmen aus Mieten, Gebühren und Entgelten lagen höher als angesetzt. Und so wuchs der Verwaltungshaushalt von 26,8 auf 28,8 Millionen Euro.

6,1 Millionen Euro blieben Überschuss

Größter Posten bei den Ausgaben ist die Kreisumlage mit knapp 6,1 Millionen, weit vor dem Sachaufwand mit 3,7 Millionen und dem Personal mit 3,5 Millionen. Dass der Kämmerer auf der Ausgabenseite weniger Gewerbesteuerumlage angesetzt hatte, als fällig wurde, störte ihn nicht. Denn die Gewerbesteuerumlage ist direkt an die Gewerbesteuereinnahmen gekoppelt, „deshalb ist das eine Mehrausgabe, die ich gerne in Kauf nehme.“ Da andererseits hunderte Ansätze nicht ausgeschöpft wurden, zum Beispiel für Malerarbeiten, die auf 2020 verschoben wurden, blieben Brück statt der geplanten knapp 2,5 Millionen gut 6,1 Million Euro übrig, die er für Investitionen in den Vermögenshaushalt übertragen konnte.

Unerwartete Millionen für die Rücklage

Die aber auch nicht in Gänze ausgegeben wurden, so dass unerwartete 2,1 Million Euro in den Rücklagen – quasi auf dem Sparbuch – der Gemeinde landeten. „Wir werden uns in ein paar Jahren sehnsüchtig an den Haushalt 2019 erinnern“, kommentierte Hubert Lechner (Parteifreie) die Zahlen.

Viel Spielraum für Investitionen

Geschäftsleiter Georg Plankl äußerte sich sehr zufrieden mit der Entwicklung der freien Finanzspanne – des Überschusses aus dem Verwaltungshaushalt, der in den Vermögenshaushalt übertragen wird. Die sei in der letzten Dekade eigentlich immer bei drei Millionen und drüber gewesen, was bei geplanten Investitionen im Bereich von sechs Millionen Euro hervorragend sei. Rechnet man die Zuschüsse dazu, die für die eine oder andere Investition fließen, muss Stephanskirchen nur in einem deutlich geringeren Maß als andere Gemeinden auf Rücklagen oder Kredite zurückgreifen.

hier etwas verschoben, dafür dort ungeplant etwas ausgegeben

Insgesamt werden bei den Ausgaben des Vermögenshaushaltes die vom Kämmerer angesetzten 5,8 Millionen beinahe erreicht, 5,7 Millionen wurden es letztlich. Allerdings gab es Verschiebungen. So kaufte die Gemeinde erst 2020 und nicht wie gedacht schon 2019 Wohnungen am Tulpenweg, dafür wurden für Grundstückskäufe etwa 650 000 Euro mehr ausgegeben, als zu Jahresbeginn von Brück eingeplant.

Keine Schulden und eine große Rücklage

Das Ende vom Lied: Stephanskirchen hatte am Jahresanfang 2019 keine Schulden und auch am Ende nicht. Und aus den knapp 14,8 Millionen auf der hohen Kante wurden im Laufe des Jahres knapp 15,4 Millionen.

Gemeindefinanzen vorausschauend und nachhaltig geplant

Meist müssen Kämmerer ihre Kollegen und auch die Kommunalpolitiker beim Geldausgeben eher einbremsen. Brück hingegen bescheinigt ihnen „eine sehr vorausschauende und nachhaltige Planung der Kommunalfinanzen“. „Und wir werden in den nächsten Jahren noch genauer hinschauen, wie wir das Geld ausgeben“, kündigte Petra Schnell (Unabhängige) an. Außerdem könne sich die Gemeinde nur bei den Gewerbe- und Einkommenssteuerzahlern bedanken, fügte sie an und erntet dafür Kopfnicken der anderen Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses.

Endgültige Abrechnung erst Anfang 2021

Zu beschließen gab es im Ausschuss nichts. Das hätte der Gemeinderat in seiner Dezember-Sitzung tun sollen. Die aber fiel wegen des Corona-Lockdowns aus, so dass die Feststellung der Jahresrechnung auf Anfang 2021 verschoben ist.

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