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Wegen Corona erst mit Verspätung

138 Jahre Erfahrung und Engagement: Stephanskirchen verabschiedet Ex-Bürgermeister und sieben Räte

Bürgermeister Karl Mair hatte die Amtskette angelegt, als sein Vorgänger Rainer Auer (zweiter von links) und die Gemeinderatsmitglieder Christine Annies, Margit Sievi, Ludwig Demberger, Dr.Rolf-Jürgen Löffler, Toni Forstner und Dieter Glas (von links) verabschiedet wurden. Bernhard Himmelstoß war beruflich verhindert.
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Bürgermeister Karl Mair hatte die Amtskette angelegt, als sein Vorgänger Rainer Auer (zweiter von links) und die Gemeinderatsmitglieder Christine Annies, Margit Sievi, Ludwig Demberger, Dr.Rolf-Jürgen Löffler, Toni Forstner und Dieter Glas (von links) verabschiedet wurden. Bernhard Himmelstoß war beruflich verhindert.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Es hatte ein wenig was von der Oscar-Verleihung: Jeder Geehrte hatte einen eigenen Laudator, der an die Stärken, Schwächen und Steckenpferde erinnerte. Der ehemalige Bürgermeister Rainer Auer und sieben Gemeinderäte wurden in Stephanskirchen verabschiedet.

Stephanskirchen – Exakt 15 Monate nach ihrer letzten Sitzung gingen 138 Jahre kommunalpolitisches Erfahrung ganz offiziell in den Ruhestand. „Corona hat‘s vorher verhindert“, bedauerte Bürgermeister Karl Mair. Der fand, als er am 1. Mai 2020 das Bürgermeisterbüro im ersten Stock des Stephanskirchner Rathauses bezog, in Schränken und Schubfächern „Relikte“ beider Vorgänger.

Was bleibt von einem Bürgermeister?

Und fragte sich, was eigentlich von einem Bürgermeister bleibt. Bei Rainer Auer, von 2008 bis 2020 parteiloser Bürgermeister, habe sich da so einige angesammelt: das Ortsentwicklungskonzept, die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in zehn von der Gemeinde gebauten Häusern, die Biodiversitäts-Modellgemeinde, die Trinkwasserversorgung, die Sanierung der Finanzen und vieles mehr.

Der Widerstand gegen den Brenner-Nordzulauf.

Ganz wichtig: Als 2016 klar war, dass der Brenner-Nordzulauf (OVB-Themenseite) geplant wird, stellte sich Rainer Auer an die Spitze des politischen Widerstands. Bis heute ist Auer eloquenter Gegner eines Trassenneubaus, er favorisiert den Ausbau der Bestandsstrecke. „Der Widerstand passt zu ihm.

Rainer Auer respektiert „Obrigkeiten“ nicht automatisch, der Respekt will verdient sein.“ Und gegen den Strich bürste Auer auch ganz gerne. „Er war schon als Gemeinderatsmitglied 2002 bis 2008 kritisch und unkonventionell“, so Mair. Der sich schmunzelnd daran erinnert, wie verdutzt Auer gewesen sei, als er ihn 2008 als „Berufspolitiker“ bezeichnet habe. Dabei sah der Mann mit dem Ohrring sich eher als Anti-Politiker, gar Revoluzzer. Was Auer lachend bestätigte.

Ein starkes Team im Rathaus

Georg Plankl, der geschäftsleitende Beamte der Verwaltung, erinnerte an die Verblüffung der Verwaltung, als der frisch gewählte Bürgermeister Auer meinte, als Vermittler zwischen Rat und Rathaus wirken zu müssen. „Er hat schnell gemerkt, dass das nicht nötig war – und wir wurden ein starkes Team“.

Ohne das wären die vielen erwähnten Projekte auch nicht umzusetzen gewesen, so Auer. Er dankte Plankl, dass dieser seinen manchmal etwas ungestümen Bürgermeister mit einem „Hast Du an das und das und das und das gedacht?“ einbremste, bevor er mit seiner neuesten Idee an die Öffentlichkeit platzte. „Das hat mir manche Blamage erspart“, gestand Auer grinsend. Auer, hatte Plankl diagnostiziert, ist ein großer Verfechter des gesunden Menschenverstandes, der sich meist auch durchsetze, wenn genug Leute beteiligt sind.

„Den Übergang haben wir gut hinbekommen“

Auer und Mair waren sich einig, dass die sechs gemeinsamen Jahre als erster und zweiter Bürgermeister nicht immer reibungslos waren, „aber den Übergang haben wir gut hinbekommen“, sagte Auer und erntete ein Nicken von Mair.

Unkonventionell, engagiert, politisch und 24 Jahre dabei

Der amtierende Bürgermeister hatte den ausgeschiedenen Gemeinderäten Laudatoren zugedacht. Die Laudatio für Toni Forster, Gemeinderat von 1984 bis 1996 und 2008 bis 2020, übernahm Auer. Wolle man Forstner in dürren Worten erklären – lebt in Baierbach, ist Landwirt, Schütze, im Trachtenverein und in der CSU „immer schon, naja, bei der CSU jetzt doch nicht mehr“ – ergebe das ein Bild der Enge. Und das sei grundfalsch. „Enge mochte Toni nie. Nicht im Beruf und nicht in der Politik. Unkonventionelle Ansätze reizen und reizten ihn. Er ist das beste Beispiel, dass Tradition sehr modern sein kann. Für mich war er im Gemeinderat ein großer Gewinn.“

Christine Annies war von 1996 bis 2020 Gemeinderätin, zunächst für die Parteifreien, später für die Grünen. Und sie war von 2002 bis 2014 Vertreterin des Bürgermeisters. Ihre Laudatorin Margit Sievi war zur gleichen Zeit SPD-Rätin. „Wir haben und hatten viele gemeinsame Ziele, haben uns ausgetauscht und wurden Freundinnen.“ Christina Annies wollte sich nicht profilieren, nicht wichtig machen. Sie wollte wissen, wie es den Nachbarn, den Menschen in der Gemeinde, der Natur, der Landwirtschaft, geht und was sie tun könne, so Sievi. „Wenn Christine nicht 2007 die Initiative ergriffen hätte, hätten wir vielleicht noch immer kein Seniorenheim in der Gemeinde.“

Eingriffe in sensible Naturbereiche? Für Margit Sievi immer ein Graus

Margit Sievi, ebenfalls von 1996 bis 2020 im Gemeinderat, zeitweise Vorsitzende der SPD-Fraktion. „Sie hat bestimmt so viel Zeit in die Vorbereitung auf eine Sitzung gesteckt, wie die Sitzung selber dauerte“, so Laudatorin Steffi Panhans, die dritte Bürgermeisterin. Eingriffe in sensible Gebiete der Natur seien Margit Sievi immer ein Graus gewesen. Zweites Schwerpunktthema war der Verkehr.

Dr. Rolf-Jürgen Löffler war ebenfalls von 1996 bis 2020 im Gemeinderat, lange Jahre Vorsitzender der CSU-Fraktion. Sein Laudator Rudolf Zehentner, der Altbürgermeister, sagte, auch die kommunale Ebene sei für Löffler immer eine politische Ebene gewesen und so sei er auch aufgetreten. „Er hatte immer den Mut zum Konflikt und der ist Bestandteil der Demokratie.“ Bei Verkehr beispielsweise krachte es öfter zwischen Löffler und Margit Sievi.

Klar Grenzen für die Ortsteile

Als Nachrücker kam Ludwig Demberger 2012 in die SPD-Fraktion. Da hatte seine Tochter Ulrike den Gemeinderat gerade verlassen. Demberger habe sich immer gegen eine Zersiedelung Stephanskirchens gewehrt, so sein Laudator Uwe Klützmann-Hoffmann, aktueller SPD-Gemeinderat. Demberger wollte klar abgegrenzte Ortsteile. Zweites großes Thema des Bausachverständigen war der öffentliche Personennahverkehr.

Nur eine Periode war Dieter Glas für die CSU im Gemeinderat. Der Geschäftsmann hatte nach Aussage seines Laudator Thomas Hoffmann, CSU-Fraktionskollege, immer ein offenes Ohr für die Vereine. Nach sechs Jahren habe Glas beschlossen, den Ruhestand zu genießen, nicht mehr anzutreten.

Der Siebte im Bunde der ausgeschiedenen Räte, Bernhard Himmelstoß (CSU) war beruflich verhindert.

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