Statt Sonnenschirme jetzt Masken: Stephanskirchner Firma überlässt Mitarbeitern Maschinen

Blick in die Produktionsräume von Weishäupl. Chef Oskar Weishäupl hat für das Engagement seiner Mitarbeiter nur ein Wort: „Einmalig!“

Was man im Kleinen alles bewirken kann, beweisen einige Mitarbeiter der Firma Weishäupl in Stephanskirchen. Seit Montag nähen sie nach Feierabend Mund-Nasen-Masken für den Katastrophenschutz des Landratsamts Rosenheim. 950 Stück wurden mittlerweile angefertigt.

Stephanskirchen–  „Einmalig“ findet Seniorchef Oskar Weishäupl das Engagement seiner Mitarbeiter. Die Firma Weishäupl, die Sonnenschirme und Gartenmöbel herstellt, ist mit Nähmaschinen und Zuschneidemaschinen ausgestattet. Und Oskar Weishäupl sagt: Solange es nötig sei, stelle er seiner Belegschaft weiterhin das Equipment zur Verfügung.

Initiator der Hilfsaktion ist Erich Turetschek, Schreinermeister und Lagerleiter in der Firma Weishäupl, Feuerwehrkommandant in seinem Heimatort Höhenmoos. Gegenüber den OVB Heimatzeitungen schildert er, wie es zu der improvisierten Masken-Produktion kam.

Die Corona-Krise habe er von Anfang an sehr ernst genommen, sagt Turetschek. Aus dem Bekanntenkreis wusste er, dass Ärzte und Krankenschwestern „händeringend“ Schutzausrüstungen suchen. Als sich die Situation immer mehr zuspitzte, wollte Turetschek nicht mehr länger untätig bleiben. „Ein Feuerwehrmann kann nicht wegschauen, wenn es brennt“, sagt er.

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Auf Facebook stieß er auf einen Post des stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Darin teilte der Politiker mit, dass er für jeden Landkreis Vliesstoffe besorgt habe, um vor Ort selbst Masken schneidern zu können.

Daraufhin habe Turetschek gleich beim Krisenstab des Landratsamts Rosenheim angerufen und sich erkundigt. „Die wussten davon nichts“, berichtet Turetschek.  

Also habe er eine E-Mail an den Kreisbrandrat des Landratsamts Rosenheim gesendet mit der Bitte, ihm zu helfen, wie er an Material komme. „Dadurch habe ich offenbar einen Stein ins Rollen gebracht“, sagt Turetschek.

Am Montag bekam er einen Anruf eines befreundeten Kreisbrandmeisters aus Prien, der ihm eine 400 Meter Rolle FFP2 und 20 „Mustermasken“ beschaffte.

Zuvor habe er schon mit den Firmenchefs und der Näherei gesprochen, ob sie gemeinsam tätig werden wollen. „Die haben keine Sekunde gezögert“, erzählt der Feuerwehrkommandant begeistert.

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Montagnachmittag habe er dann mit sieben Mitarbeitern der Näherei  „voller Elan“ losgelegt – mit genügend Abstand voneinander und unter Einhaltung der Hygienevorschriften, betont Turetschek.

Aber nach vier Stunden hätten sie „gerade mal“ 140 Masken genäht. Enttäuschend sei das gewesen. Auch am Dienstag hätten sie wieder nur 150 Masken angefertigt.

Also habe Turetschek innerhalb der Firma einen erneuten Aufruf gestartet, wer bei der Masken-Produktion behilflich sein will. Daraufhin hätten sich nicht nur Näher gemeldet, sondern auch Schreiner und Büroangestellte. Das Team bestehe nun aus 13 Personen. Am Mittwoch dann die Steigerung: 350 Masken. Der Zusammenhalt sei unglaublich, schwärmt der Schreinermeister, und betont: „Das ist eine absolute Teamleistung.“

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Seniorchef Oskar Weishäupl ist stolz auf seine Mitarbeiter. Als Dank versorgt er sie ab 16 Uhr mit einer deftigen Brotzeit. „Das machen die alle in ihrer Freizeit“, so Weishäupl.

Für die Unterstützung der Firma ist Erich Turetschek sehr dankbar.  Der Zusammenhalt sei „wie in einer Familie“. Mittlerweile kenne er weitere Betriebe, die ebenfalls Masken herstellen.

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