LESERFORUM

Stark gefährdet und doch schutzlos

Zu „Der Supermarkt kann kommen“ (Lokalteil):. In diesem Bericht verweist der Architekt Feirer-Kornprobst auf Gutachten, darunter auch das der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP).

Man mag von dem Gutachten halten was man will, eines kann man aber sicher sagen: So richtig hingeschaut scheint von dem beauftragten Ingenieurbüro für Landschaftsökologie niemand zu haben. Denn in dem Heckenstreifen von etwa zwölf Metern, der jetzt für 19 zusätzliche Parkplätze weichen muss, tummeln sich nachgewiesenermaßen zahlreiche Waldeidechsen. Eine Art, die auf der Roten Liste steht. Das ökologisch Wertvolle daran ist, dass sich diese Echsenart dort spontan, also auf natürliche Weise, angesiedelt und in dem Heckensaum einen Lebensraum gefunden hat. Mit einem erneuten Gutachten über einen längeren Zeitraum hätten die Gutachter das erkennen und dokumentieren können.

Ein Interesse daran, den Lebensraum einer geschützten Echsenart zu erhalten, scheint aber niemand zu haben. Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat hatten wohl eher im Sinn, dem Investor keine weiteren Planungshindernisse in den Weg zu legen. Fragt man bei der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt an, ob man aus Gründen des Artenschutzes nicht in die Planung eingreifen müsste, erfährt man, dass es sich bei Waldeidechsen um keine saP-Art handelt. So absurd es klingt: Die Waldeidechse fällt nicht in das Raster einer artenschutzrechtlichen Prüfung. Für Eingriffe in ihren Lebensraum gibt es also keinen Schutz! Damit segnet der behördliche Naturschutz den Eingriff ab. Wohlwissend, dass Reptilien mit Abstand den höchsten Gefährdungsgrad haben. Wäre es deshalb nicht wert, unabhängig einer artenschutzrechtlichen Prüfung, jede geschützte Art zu erhalten?

Michael Hertel

Riedering

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