Ein Ort der Stärkung: Darum ist Pfraundorf für Pfarrer Josef Hartl ein „Naturschutzgebiet“

Pfarrer Josef Hartl beim Schlusssegen mit der Monstranz in der St. Nikolaus Kirche Pfraundorf.
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Pfarrer Josef Hartl beim Schlusssegen mit der Monstranz in der St. Nikolaus Kirche Pfraundorf.

Pfarrer Josef Hartl begeht am 29. Juni Diamantenes Priesterjubiläum. Der heute 85-jährige Seelsorger erlebte in seinem Leben Höhen und Tiefen. Und Pfraundorf half ihm dabei, sich von seiner schweren Krankheit zu erholen.

Von Franz Ruprecht

Raubling/Pfraundorf – Wie gerne hätten die Pfraundorfer „Schäfchen“ ihren „Hirten“ gefeiert. Aber die Corona-Krise macht diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Am 29. Juni 2020 begeht der katholische Geistliche Josef Hartl Diamantenes Priesterjubiläum. Genau vor 60 Jahren, am 29. Juni 1960 (Namenstag von Peter und Paul), wurde er von Josef Kardinal Wendel im Dom zu Freising zum Priester geweiht. Eine Feier anlässlich des Jubiläums kann coronabedingt nicht stattfinden. Geplant ist aber eine Nachfeier im nächsten Jahr.

Mit 25 Jahren zum Priester geweiht

Der Pfraundorfer Pfarrer i.R. – „in Rotation“ übersetzen es viele Bürger – ist als inzwischen 85-jähriger Seelsorger häufig auf dem Radl unterwegs zu sehen. Dabei scheut er auch keine längeren Fahrten, wie zum Beispiel nach Rosenheim, wenn es um Krankenbesuche eines seiner „Schäfchen“ geht.

Als 25-jähriger Priesteranwärter wurde er 1960 mit 32 Kollegen in Freising zum Priester geweiht, die feierliche Primiz war anschließend in seiner Heimatgemeinde St. Jakobus in Bad Endorf. Die Seelsorgestationen begann Hartl 1960 als Kaplan in Anger, Teisendorf und Traunstein, ab 1966 war er Kurat in Eisenärzt.

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Ab 1973 bis zu seiner schweren Erkrankung im Jahr 1983, war er Pfarrer und Leiter des Pfarrverbandes Siegsdorf-Eisenärtz-Hammer. Nach dieser schweren Krankheit mit Gehirnblutung und Sprachlosigkeit bangte er um seinen Beruf als Seelsorger, den er mit Hingabe versah und weiterhin versieht. „Ich betrachte Pfraundorf für mich gewissermaßen als Naturschutzgebiet, in dem ich mich gesundheitlich wieder erholen und stabilisieren kann. Das hat sich bewahrheitet.“ An diese Aussage in seiner ersten Predigt 1987 in Pfraundorf erinnert er sich noch genau.

Im Umkehrschluss können sich die Bürger von Pfraundorf dankbar zeigen über ihren Pfarrer mit Herz und Bürgernähe. „Bleim’s fei lang bei uns“, war einer von vielen guten Wünschen, die heute nach 33 Jahren, seit Amtseinführung 1987 in der Sankt Nikolauskirche Pfraundorf, nach wie vor aktuelle Gültigkeit haben.

Hartls Schaffenskraft scheint unermüdlich. Als einen großen Tag für den ganzen Ort sieht er in den vergangenen Jahren zum Beispiel die 700-Jahr-Feier der Sankt Nikolaus Kirche Pfraundorf am Kirchweihsonntag, 18. Oktober 2015: „Es war ein Tag der Freude und des Dankes, der über die Jahrhunderte hinweg zu allen reichte, die diese Kirche geplant, erbaut, erweitert und renoviert haben – bis in unsere Gegenwart herein“, sagt der Jubilar.

Pfarrer vermisst bereits Kirchenlieder

Auch wenn bei der Renovierung 2015 noch nicht alles fertig gewesen sei: „Ecclesia semper reformanda“ – die Kirche sei immer im Bau, immer reformbedürftig! Das gelte für die Kirche als Bauwerk und ebenso für die Kirche als Gemeinschaft, ist der Geistliche überzeugt. Die Corona-Pandemie setzt nicht nur der ganzen Weltbevölkerung zu, sondern auch den Kirchen und im Detail auch dem Pfarrverband Raubling-Kirchdorf-Nicklheim, wo auch Pfraundorf dazugehört.

Im Moment ist die Anzahl der Besucher bei Gottesdiensten begrenzt. In Pfraundorf durften anfangs nur 23 Personen teilnehmen, durch die kürzliche Lockerung mittlerweile 37 Personen – weiterhin herrsche jedoch Maskenpflicht. Es geht etwas aufwärts, freut sich der Pfarrer, schmerzlich vermisst er, als begnadeter Sänger, jedoch die Kirchenlieder. Eine Feier wie vor zehn Jahren zum goldenen Priesterjubiläum ist derzeit nicht erlaubt, soll aber 2021 nachgeholt werden. Dann können auch aus voller Brust wieder Loblieder gesungen werden.

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