Bewegtes Leben

Sportikone Bertl Rahm aus Raubling wird 96 - mit Liebe zum Sport und trotz Schicksalschlägen

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Bertl Rahm wird 96 Jahre am Mittwoch, 30. Dezember. Sport, etwa Bergsteigen, war und ist wichtig für ihn.

Berge, Tennis, Fußball, Ski – Bertl Rahm aus Raubling hat viele Interessen. Erst mit 90 Jahren hat er zum Beispiel seine geliebten Ski in die Ecke gestellt. Der Raublinger, der am Mittwoch, 30. Dezember, seinen 96. Geburtstag feiert, hat in seinem Leben so einiges mitgemacht.

Von Petra Rapp

Raubling- Steil und eng führt die Holztreppe hinauf in den zweiten Stock des Wohnhauses mitten in Raubling. Wie schafft man das mit 96 Jahren hier rauf und runter ohne Aufzug? „Das geht schon“, meint Rupert Rahm, den alle in Raubling „Bertl“ nennen. „Bewegung ist wichtig und die Treppe deshalb wahrscheinlich auch ein Grund, warum ich doch noch relativ mobil bin“, meint der Raublinger, der am Mittwoch, 30. Dezember, seinen Geburtstag feiert.

Auch geistig zeigt er sich nach wie vor als eloquenter, sehr interessierter Gesprächspartner, vor allem, wenn es um das tägliche Geschehen im Sport und um seine geliebten Berge geht. Keine Bergsendung, kein Skirennen, kein Fußballspiel und kein Tennismatch, das er nicht im Fernsehen verfolgt. Der Sport hat schon immer einen sehr großen Teil seines langen und ereignisreichen Lebens bestimmt und ihn auch durch schwere Zeiten getragen.

Bertl Rahm und seine Frau Irene teilen die Leidenschaft für die Berge und den Sport.

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Erfolgreich beim TuS Raubling

Geboren in Kirchdorf bei Haag, kam er als Vierjähriger nach Raubling, wo seine Eltern ein Milchgeschäft übernahmen. Mit seinem vielseitigen Bewegungstalent fand der großgewachsene Junge schnell im TuS Raubling eine zweite Heimat. Seit 85 Jahren ist er jetzt Mitglied im dortigen Verein.

Zuerst war er bei den Leichtathleten, wo er als Hochspringer und Stabhochspringer auch überregional auf sich aufmerksam machte, später nach dem Krieg bei den Fußballern, wo er als damaliger „Läufer“ im Mittelfeld in der legendären Amateurliga-Mannschaft des TuS Raubling entscheidenden Anteil am Erfolg der Mannschaft in der damals höchsten Amateurspielklasse hatte.

Zeit seines Lebens fand der 96-Jährige Ruhe in den Bergen.Rapp

Bertl Rahm und Tennis

Nach der Fußballkarriere dann als begeisterter Tennisspieler in der Tennisabteilung im TuS, wo er nicht nur durch seine ästhetische Spielweise auffiel, sondern sich auch viele Jahre als Sport- und Platzwart engagierte. Seine große Liebe gehörte aber immer den Bergen, in denen sich der sportliche Autodidakt so oft wie möglich kletternd oder auf Ski aufhielt.

Was damals meist so aussah: Raus aus der Arbeit, rauf auf’s Radl, hinein nach Tirol und hinauf zum Stripsenjochhaus, wo er mit seinen Inntaler Freunden wie Herbert Konrad und Ludwig Joas im Wilden Kaiser mit genagelten Schuhen und Hanfseilen die schwierigsten Routen kletterte. Oder er ist im Winter jede freie Minute zum Skifahren auf den Wendelstein, in die Kitzbüheler Berge oder wie später mit seiner zweiten Frau Irene gerne auch weiter weg. Zum 70sten hat ihm seine Frau den Traum vom Skifahren im kanadischen Banff und Lake Louis erfüllt.

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Der Raublinger liebt die Berge

Die Berge hielt er fest in seinen Bildern. Schon in jungen Jahren hatte er, der so gut wie jeden Gipfel in den Alpen kennt und auf sehr vielen von ihnen war, immer eine Kamera dabei. Und sie hielten ihn in schweren Zeiten, die so ein langes Leben mit sich bringt. Nach der Schule begann er mit 14 eine Ausbildung zum Schlosser in der damaligen Papierfabrik in Redenfelden, bevor er mit 17 als Soldat eingezogen wurde und weit hinein ins russische Reich musste. „Was ich nie vergessen werde, ist der ständige unerträgliche Hunger, den wir hatten“, erzählt Rahm. Er erlitt im Krieg zwei schwere Schussverletzungen, eine davon kostete ihn fast seine ganze Sehkraft auf einem Auge.

Über vier Jahrzehnte arbeitete Rahm bei PWA. Rapp

Im Nachhinein bewahrten sie ihn aber vor Schlimmeren, sagt er. „Ich war zum Kriegsende in der Genesungskompanie und geriet dadurch nicht in russische Gefangenschaft“, erzählt Rahm, der nach eigener Aussage immer eher ein unpolitischer Mensch war. „Der Krieg war damals eine Verpflichtung, der man nicht aus konnte“.

Schicksalschläge und der Krieg prägten Bertl Rahms Leben

Nach dem Krieg konnte er in der PWA weiterarbeiten, wo er sich zum Industriemeister fortbildete und später zum Betriebsleiter des Kraftwerks aufstieg, bevor er nach 44 Jahren Firmenzugehörigkeit mit 60 in den Ruhestand ging. Im Berufsleben war er wie im Sport nach Aussage früherer Mitarbeiter als Chef ein echter „Teamplayer“, der in seiner ruhigen, besonnenen, aber durchaus sehr zielgerichteten Art bei allen beliebt und geschätzt war.

In den Bergen fand er die Ruhe, die er beizeiten brauchte und er konnte dort nach schweren Schicksalsschlägen immer Kraft tanken, sagt er. Seine erste Frau starb ebenso viel zu früh an Krebs wie einige Jahre später auch seine Schwester und seine einzige Tochter.

Umso glücklicher war er, dass er mit seiner zweiten Frau Irene wieder eine Partnerin fand, die seine große Berg- und Sportleidenschaft mit ihm teilte und die sie beide bis vor Kurzem noch intensiv leben konnten. Mit Anfang 90 musste Bertl Rahm seine geliebten Ski endgültig in die Ecke stellen und auch mit dem Radfahren ist es jetzt vorbei. Aber noch schafft er die Treppe hinunter, sodass zumindest einer Spazierfahrt in die geliebten Berge nichts im Wege steht.

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