Sozialer Auftrag hat noch Bestand

Die Zunftstange der Schiffleut, die eine Inn-Plätte darstellt, wird nur bei Festumzügen am Jahrtag und an Fronleichnam durch Vereinsmitglieder getragen, wie hier in der St.-Leonhard-Kirche zu Nußdorf. Foto steffenhagen
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Die Zunftstange der Schiffleut, die eine Inn-Plätte darstellt, wird nur bei Festumzügen am Jahrtag und an Fronleichnam durch Vereinsmitglieder getragen, wie hier in der St.-Leonhard-Kirche zu Nußdorf. Foto steffenhagen

Zum 186. Mal trafen sich die Nußdorfer Schiffleut zu ihrem Jahrtag. Nach einem Festumzug durch das Dorf, der von der Nußdorfer Blaskapelle begleitet wurde, führte der Weg die Schiffleute zunächst in die St.-LeonhardKirche zu einem Festgottesdienst, der von Pfarrer Josef Reuder zelebriert wurde und in dem der Nußdorfer Kirchenchor für eine festliche Kirchenmusik sorgte. Danach ging es zum Jahrtag in den Schneiderwirt, nicht nur um den Jahrtag abzuhalten, sondern um auch Geburtstag zu feiern, den 375. ihres Schiffleut- Vereins.

Nußdorf - Wie mag es wohl in Nußdorf gewesen sein, vor mehr als 375 Jahren, als der Inn noch nicht so brav und friedlich in seinem von Menschenhand geschaffenen Flussbett lag, als seine Ufer noch dicht an den kleinen Weilern rund um Nußdorf verliefen, als der Wasserweg zwischen Hall in Tirol und Ungarn die Lebensader wirtschaftlichen Wachstums in Mitteleuropa und die Innschifffahrt noch kein Freizeitvergnügen, sondern für die Schiffleut harte Arbeit war? Es war das Jahr 1635, als Schiffleut aus Nußdorf ihren Verein, nein vielmehr ihre Bruderschaft gründeten. In erster Linie ging es ihnen von Anfang an um die Schaffung einer Art Versicherung, die bei Notfällen für die Mitglieder der Bruderschaft einstand.

Weil die Arbeit hart und der Fluss gefährlich war, gab es immer wieder schreckliche Unfälle, und der Tod stand oft nur eine Handbreit von den Schiffleuten entfernt. Mit der Zahlung aus der Notkasse konnte immerhin die ärgste Not bei den Verunglückten oder Hinterbliebenen gelindert werden.

Auch im Jahr 2010, anlässlich des 186. Jahrtages der Schiffleut, denn nicht immer in den 375 Jahren konnte dieser Tag abgehalten werden, "hat dieser soziale Auftrag immer noch Bestand", sagt Johann Dettendorfer, Erster Vorsitzender der Nußdorfer Schiffleut. Und dass sie es ernst damit meinen stellen sie schnell unter Beweis. Durch verschiedene Aktivitäten aus dem vergangenen Jahr und aus Mitgliedsbeiträgen ist ein Betrag übrig, den der Verein in diesem Jahr in soziale Aufgaben und Einrichtungen seiner Gemeinde investieren will. So wurde einstimmig beschlossen, dass der Nußdorfer Kirchenchor eine Spende von 1000 Euro erhält und die Orgelrestaurierung in der Kirche St. Leonhard in gleicher Höhe bezuschusst wird. Auch für ihre Vorfahren und zur Erinnerung an längst vergessene Zeiten wird es einen Betrag geben.

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim plant den Bau eines Denkmals. Es handelt sich dabei um eine Reliefplastik aus Metall, die einen Schiffszug darstellt und über eine Länge von etwa 200 Metern am Innufer aufgebaut werden soll. Manfred Kreibig, Leiter des Inn-Museums, stellte das Projekt kurz vor und erzählte in seinem Vortrag von der Tradition und Geschichte der Inn-Schifffahrt.

Der Verein, der wohl einer der ältesten Vereine der Region ist und inzwischen über 360 Mitglieder zählt, konnte an seinem Jahrtag auf ein bewegtes Jahr 2009 zurückblicken. Am Jahresanfang wurde das Theaterstück "Wallfahrt ins Elend" als Vorpremiere aufgeführt. "Mit Erfolg!" wie Johann Dettendorfer feststellen kann, denn es hat so viel Anklang gefunden, dass es nun anlässlich der Landesgartenschau im Inn-Museum nochmals und nun offiziell als Premiere am 26. April aufgeführt wird.

"Einer unserer Glanzpunkte war die Teilnahme am Trachtenumzug des Oktoberfestes in München", erinnert sich Dettendorfer. Mit Pferdegespann und Festwagen in Form einer alten Innplätte waren sie dabei. Aber auch die Innfantasie, eine Bootsparade auf dem Inn, zu der mehr als 2000 Besucher kamen, gehörte genauso zum Jahresprogramm wie die Teilnahme am Leonhardiritt oder die Restaurierung eines Schiffsmodells in der Heilig- Kreuz-Kirche zu Windshausen.

Zu den Gratulanten gehörte natürlich auch Nußdorfs Erster Bürgermeister, Sepp Oberauer. "Schiffleut-Vereine gibt es nicht viele", stellte er fest, "und doch gibt es gleich je einen davon in den beiden Nachbargemeinden Neubeuern und Nußdorf, wobei die gemeinsame Tradition und Geschichte beider Vereine die Menschen verbindet."

So lobte Johann Dettendorfer auch die gute Zusammenarbeit und Verbundenheit der beiden Vereine. Jubiläum feiert in diesem Jahr auch die Frauengruppe, die erst vor zehn Jahren gegründet wurde.

In der Führung gab es einen Wechsel. Das Ruder wurde einstimmig in die Hände von Elisabeth Niederthanner gelegt. stv

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