KINDERNÖTE BEIM RAUBLINGER BÜRGERTREFF IN GUTEN HÄNDEN

Das Sorgenfresserchen hilft

Das Sorgenfresserchen „Kali“hilft den Kindern in Raubling. Vertrauensvoll schreiben sie ihm Briefe und schildern ihre Probleme. Paulina Wenzl ist seine geistige Mutter. MAier
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Das Sorgenfresserchen „Kali“hilft den Kindern in Raubling. Vertrauensvoll schreiben sie ihm Briefe und schildern ihre Probleme. Paulina Wenzl ist seine geistige Mutter. MAier

Kennen Sie „Kali“? Er ist ein Sorgenfresserchen mit dunklen Haaren aus Wolle und großen rosafarbenen Händen. „Kali“ kann die Sorgen der Kinder in positive Energie umwandeln. Seine geistige Mutter ist Paulina Wenzl, ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Bürgertreff der Sozialen Stadt in Raubling.

Raubling– In „Kalis“ Bauch haben viele Briefe Platz. Seit zwei Jahren frisst er die Sorgen der Kinder, die sie ihm in ihren Briefen anvertrauen. „Kali“ kann ihren Kummer gut verdauen. Er wandelt die Sorgen und Nöte in positive Energie um und beantwortet jeden Brief. Als Erkennungszeichen für die gelungene Verdauung der Sorgen gilt der Marienkäfer, der jedem Antwortschreiben beiliegt.

Die Idee für „Kali“ stammt von Paulina, die seit vielen Jahren mit Kindern arbeitet. In vielen Kinderlagern arbeitete sie als Betreuerin und auch beim Kinderschutzbund in Rosenheim war sie aktiv. Für den Raublinger Bürgertreff organisiert sie Spiele- und Bastelnachmittage sowie eine Hausaufgabenhilfe.

Eines Tages hatte sie beim Basteln „Kalis“ Haare in den Händen und schon war die Idee geboren, ein Sorgenfresserchen zu schaffen. Mitarbeiter vom Raublinger Bauhof sägten die großen Hände aus und die Kinder gaben ihm den Namen „Kali“ – ohne „r“.

Seitdem wird „Kali“ von den Kindern mit den verschiedensten Sorgen, aber auch mit Vorschlägen und Anregungen gefüttert. Vertrauensvoll schreiben sie ihre Nöte auf die vorgefertigten Zettel, die gleich neben „Kali“ zu finden sind. Wenn sie darauf ihre Telefonnummer angeben, ruft „Kali“ gern zurück.

Geheime Abmachungen

Manche Kinder nennen in ihren Briefen aber auch geheime Übergabeplätze für ihre Briefe. „Lieber Kali, lege deine Antwort bitte unter den Baum beim Kircherl“ steht da manchmal zu lesen – und „Kali“ hält sich immer an die Geheimhaltungspflicht. Kein Wort kommt über seine Lippen. Er verrät kein Kind, das ihm seine Sorgen anvertraut hat.

Wenn Kinder Sorgen mit ihren Eltern haben, dann versucht „Kali“ zu vermitteln, um die Beziehung zwischen Eltern und Kind wieder zu stärken. Er kann aber auch Trost spenden und Hoffnung geben bei schlechten Schulnoten oder Ärger mit der Freundin.

Zum Glück habe es bisher keine ganz großen Probleme bei den Kindern gegeben, von denen „Kali“ Post bekam. Aber auch dann wüsste Paulina, was zu tun wäre.

Die Mädels schreiben öfter als die Buben, weiß Paulina – und einmal hat sogar ein Hund geschrieben, der sich darüber geärgert hat, dass er nicht bei seinem Frauchen im Bett schlafen darf, die Katze aber schon.

Auch zum Ablauf im Bürgertreff gibt es immer wieder Anregungen und Wünsche. Eine Sitzecke wurde beispielsweise gebaut, nachdem sie in Briefen vorgeschlagen wurde.

Magisches Denken ist hilfreich

Sabine Baumgartner, Leiterin des Bürgertreffs, ist froh über das Sorgenfresserchen. „Kinder können magisch denken“, erklärt sie. Die Umwandlung von Sorgen in positive Energie sei für die Briefeschreiber absolut vorstellbar und deshalb würden sie „Kali“ auch so gern in Anspruch nehmen.

Manchmal seien es „nur“ Kleinigkeiten, so glauben die Erwachsenen, die Kinder aus dem Gleichgewicht bringen. Eltern und Lehrer würden das oft nicht ernst nehmen, weiß Baumgartner. Die Kinder wüssten dann nicht wohin dann mit den Gefühlen? Und da sei „Kali“ genau der Richtige.

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