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„Westlich vom Inn noch nie gesehen“

„Smaragdgrüner Regenwurm“ – Wo ein Oberaudorfer Biologe die extrem seltene Art in der Region entdeckt hat

Der „Smaragdgrüne Regenwurm“ ist selten zu sehen, er verkriecht sich am liebsten im Totholz.
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Der „Smaragdgrüne Regenwurm“ ist selten zu sehen, er verkriecht sich am liebsten im Totholz.
  • VonPaula L. Trautmann
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Regenwürmer sind normalerweise rosa, braun bis rötlich. Einen grünen Regenwurm haben bisher wohl nur wenige Menschen gesehen. Ein Oberaudorfer Biologe hat nun ein Exemplar der extrem seltenen Art entdeckt. Wo er ihn gefunden hat, und wieso sich der Wurm grün färbt.

Oberaudorf – Dr. Hans Smettan ist Biologe im Ruhestand, wobei ein Biologe wohl nie wirklich im Ruhestand ist. „Ich halte Augen und Ohren immer offen“, sagt der 74-Jährige. Seine Wachsamkeit hat ihm vor Kurzem ein Geschenk beschert: Smettan hat einen „Smaragdgrünen Regenwurm“ entdeckt – ein toller Moment, wie er sagt.

Fast 30 Jahre seit der letzten Begegnung

Denn das letzte Mal als der Biologe einen solchen Smaragdwurm gesehen hat, ist beinahe 30 Jahre her. Zu dieser Zeit schrieb er einen naturkundlichen Wanderführer über das Kaisergebirge und beschäftigte sich dafür mit der Pflanzen- und Tierwelt. Bei der Recherche 1985 habe er einen „Smaragdgrünen Regenwurm“ im modrigen Holz einer alten Buche gefunden. „Als ich einen solchen Wurm bei Oberaudorf sah, war mir sofort klar, dass es sich um etwas Besonderes handelt“, sagt Smettan.

Er entdeckte den „Smaragdgrünen Regenwurm“ am Brünnstein, auf dem Weg von Buchau zur Längaualm. „Ich hatte einen Höhenmesser dabei, es war in 760 Metern Höhe“, sagt der Biologe. Die Straße sei nass gewesen, weil es zuvor geregnet hatte. „Das kann ein Grund sein, warum er unterwegs gewesen ist“, erklärt Smettan. Und das obwohl die Art, nicht wie „normale“ Regenwürmer im Boden lebt, sondern in modrigem Totholz.

„Wenig bekannte und durch ihr Aussehen auffällige Art“

Die rosa-braunen Regenwürmer retten sich bei Regen nämlich aus ihren Höhlen im Boden, um nicht zu ersticken. Ertrinken können die Regenwürmer nicht, aber wenn nicht genügend Sauerstoff im Wasser ist, müssen sie an die Oberfläche. Das ist jedoch nur eine von vielen Theorien, endgültig wissenschaftlich geklärt ist das nicht. Was auch immer den grünen Wurm aus seinem Versteck trieb, Smettan ist sich sicher: „Westlich vom Inn ist er in Bayern noch nie gesehen worden. Es ist doch schön, wenn im Kreis Rosenheim eine Art gefunden wird, die bisher wenig bekannt und durch ihr Aussehen recht auffällig ist.“

Keine Datensammlung für Nachweise des Wurms

„Die Art dürfte in den bayerischen Alpen verbreitet, aber selten sein“, sagt auch Johannes Voith vom Landesamt für Umweltschutz. Das sei jedoch eine Vermutung. Seines Wissens gebe es keine Datensammlung für Nachweise dieser Art. Im Nationalpark Berchtesgaden sei der Wurm aber bereits öfter gesichtet worden. Dort habe Voit den „Smaragdgrünen Regenwurm“ sogar selbst einmal entdeckt.

„Natürlich ist das etwas Besonderes, ich habe ihn davor auch nur auf Bildern gesehen“, sagt Voith. Er habe nicht nach der Art gesucht, es sei ein Zufallsfund gewesen. Solche Funde seien selten, weil der Wurm im Totholz verborgen lebt und kaum auf der offenen Bildfläche erscheint. „Käfersammler, die Totholz untersuchen, finden ihn vielleicht mal, aber ansonsten ist das eine sehr verborgen lebende Art.“ Es sei deshalb schwierig abzuschätzen, wie verbreitet oder selten sie wirklich sind.

Funde auch in Italien und Österreich

Das bestätigt auch Smettan. Dem Biologen zufolge gibt es einige Hinweise aus den Berchtesgadener Alpen und aus den Chiemgauer Alpen. Auch in Südtirol in Italien und besonders in Nordtirol in Österreich wurde der besondere Wurm gesichtet. Smettan freut es besonders, dass er den „Smaragdgrünen Regenwurm“ fast 30 Jahre nach seiner ersten Begegnung nun erneut gesehen hat – vor allem, weil die Entdeckung ebenso wie bei Voith ein Zufall war. Er sei an diesem Tag nicht gezielt losgegangen, um den Wurm zu finden.

Seinen Fotoapparat und Notizblock habe er dennoch dabei gehabt. Ein Glück – denn so konnte der Biologe ein Bild von dem seltenen Wurm machen. Seine Haut schimmert nicht nur in einem, sondern in mehreren Grüntönen. „Bemerkenswert ist, dass die grüne Färbung dieses Regenwurmes erst auftritt, wenn er geschlechtsreif ist“, erklärt Smettan. Zu Beginn seines Lebens sehe er aus wie ein „normaler“ Regenwurm.

Seit der Kindheit an Biologie interessiert

Das fasziniert Smettan: „Die Biologie ist einfach meine Leidenschaft.“ Schon als Kind habe er sich für Tiere und Pflanzen interessiert. Später hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Er war Biologie- und Chemielehrer an einem Gymnasium in Stuttgart. Zudem war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Botanik der Universität Hohenheim und arbeitete an Forschungsprojekten des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg.

Smettan untersucht auch im Ruhestand Pflanzen- und Tierwelt

Seit zehn Jahren ist der Wahl-Oberaudorfer im Ruhestand, untersucht auf seinen Wanderungen aber weiterhin die Pflanzen- und Tierwelt. Vielleicht entdeckt er dabei ja bald wieder einen „Smaragdgrünen Regenwurm“. Smettan würde sich sicher freuen, wenn es diesmal nicht so lange dauert.

Einer von 47 Regenwürmern auf der Roten Liste

Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz koordiniert das Rote-Liste-Zentrum alle bundesweiten Roten Listen der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Nach Angaben auf der Website der Einrichtung sind Rote Listen wissenschaftliche Fachgutachten und dienen der Information der Öffentlichkeit über die Gefährdungssituation der Arten. Der „Smaragdgrüne Regenwurm“ ist einer von 47 seiner Artgenossen. Er wird als extrem selten eingestuft und kommt in Deutschland nur in den bayerischen Alpen vor. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Wurms ist „Aporrectodea smaragdina rosa“. Namensgeber war der Website der Roten Liste zufolge der italienische Zoologe Daniele Rosa (1857 – 1944). Ihm waren in Österreich gefundene Exemplare einer unbekannten Regenwurmart zugeschickt worden, die er im Jahr 1892 als neu für die Wissenschaft beschrieben hat. Die Gattungszugehörigkeit ist nicht endgültig geklärt, der Wurm wird teilweise auch der Gattung Allolobophora zugeordnet. Der kurzfristige Bestandstrend ist der Roten Liste zufolge gleichbleibend.

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