Sinnlos oder unbedingt erforderlich?

Flurstück 635 bleibt im neuen FNP landwirtschaftliche Grünfläche. ge

Einen lebhaften Schlagabtausch gab es im Oberaudorfer Gemeinderat in Sachen neuer Flächennutzungsplan. Besonders hinsichtlich der geplanten Gewerbefläche an der Autobahn reichten die Diskussionsbeiträge von „sinnlos“ bis hin zu „funktionsfähige Flächen sind für eine Gemeinde unbedingt erforderlich“.

Oberaudorf – Der Entwurf des Flächennutzungsplans (FNP) lag im Zeitraum von 14. August bis 21. September öffentlich aus. Am Verfahren wurden 63 Behörden beteiligt, von 20 Stellen gingen ausführliche Bewertungen ein, die in der Sitzung behandelt wurden.

Besonderes Interesse galt zum einen den Einwänden von Bürgern, zum anderen den Stellungnahmen des Bund Naturschutz und der Regierung von Oberbayern.

Laut Bund Naturschutz, den Gemeinderat Martin Gruber während der umfangreichen Diskussion als „Verhinderungsbund bezeichnete, trage die Gemeinde Oberaudorf „eine große Verantwortung für den guten ökologischen Zustand und für das Erscheinungsbild unseres Landes“. Deshalb werde gebeten, die im neuen FNP vorgesehenen Siedlungsausweitungen zu unterlassen.

Diese Bitte wurde in der Abwägung zur Kenntnis genommen. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Gemeinde Oberaudorf in Bezug auf Neuaufweisung von Bauflächen bisher sehr zurückhalten vorgegangen sei. Es seien vor allem Flächen mit bestehender Bebauung entsprechend ihrer tatsächlichen Nutzung als Bauflächen ausgewiesen worden. Darüber hinaus seien ausschließlich kleinen Ortsabrundungen vorgesehen, um Wohnraum für die heimische Bevölkerung zu schaffen.

Die vorgesehene Gewerbegebietsausweisung östlich der Autobahn „ist in Folge der vorhandenen Schutzgebiete sowie der topografischen Verhältnisse nicht nur kurz- sondern voraussichtlich auch langfristig die einzige gewerbliche Fläche, die ausgewiesen werden kann“, so die Entgegnung der Gemeinde. Und weiter: „Da qualitativ und quantitativ gleichwertige Alternativstandorte fehlen und durch die Lage an der Autobahn immissionsschutzrechtliche Konflikte vermieden werden können, ist der Standort auch seitens der Regierung von Oberbayern als Ausnahmetatbestand anerkannt.“

Massive Versiegelung der Landschaft

Vehement wies Gemeinderätin Andrea Wögerbauer (Bündnis 90/Die Grünen) auf die bayernweit massive Landschaftsversiegelung hin. „Und wir machen da voll mit!“ Mehrheitlich sprach sich das Gremium aber für diesen Standort aus, benötige eine Gemeinde doch auch funktionsfähige Flächen, wie mehrfach betont wurde. Bürgermeister Hubert Wildgruber betonte mit Blick auf Nachbargemeinden, dass die Gemeinde ohnehin sehr behutsam mit der Ausweisung von Gewerbeflächen vorgeht.

Die Regierung von Oberbayern befasst sich in ihrer Stellungnahme ausführlich mit möglichen Alternativstandorten, vor allem den bisher in der Öffentlichkeit diskutierten Standort nördlich der Tiroler Straße. Insbesondere dieses Grundstück komme „für eine gewerbliche Nutzung nicht infrage, da im Westen ein allgemeines Wohngebiet anschließt und es damit zu immissionsschutzrechtlichen Konflikten kommen würde.“ Allenfalls eine Mischnutzung sei hier denkbar, so die Regierung weiter.

Zum möglichen Gewerbegebiet östlich der Autobahn A 93 äußerte sich die Regierung im bisherigen Planungsstadium vorsichtig verhalten. „Eine gewisse gewerbebauliche Entwicklung ohne eine erhebliche Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes „erscheint möglich“. Bei einer abschließenden Bewertung auf konkretisierter Planungsebene (Bebauungsplan) müssten die Wirkungen der geplanten baulichen Anlagen auf das Landschaftsbild entsprechend gewürdigt werden.

Auf Anregung der Bauleitplanung vom Landratsamt Rosenheim wurden der Hubertusweg und die Lauren tiusstraße – bisher Außengebiet – zum Allgemeinen Wohngebiet, also dem dörflichen Innenbereich zugesprochen.

Vier Stellungnahmen von Bürgern lagen im Rahmen des Abwägungsprozesses dem Gemeinderat vor. Nicht nachvollziehbar ist für die Grundeigner Peter und Theresia Limbeck, warum nur der östliche Teil des Flurstücks 63/5 der Gemarkung Niederaudorf als Allgemeines Wohngebiet dargestellt ist, der westliche Teil des Grundstücks jedoch als Fläche für die Landwirtschaft.

Nach Ansicht der Gemeinde besteht hier kein Baurecht über Paragraf 34, da insbesondere die Parzelle 63/5 nicht von drei Seiten umschlossen ist. Zudem sei keine Erschließung vorhanden. Eine mögliche Erschließung entlang er nördlichen Grundstücksgrenze von Osten her, würde zum Verlust der dortigen Gehölzstrukturen führen, die derzeit eine harmonische Ortsrandgestaltung erzeugten.

Eine Möglichkeit zur Lösung solcher „Problemfälle“ wäre die Aufstellung einer Ortsabrundungs-/Klar stell ungssatzung, was eventuell auch ohne Flächennutzungsplanänderung veranlasst werden könnte, hieß es im Gemeinderat. In einer umfangreichen Stellungnahme sprachen sich die Familien Pichler, Maier und Boser aus Niederaudorf dafür aus, die im neuen FNP vorgesehene Einstufung ihrer Gebäude und Grünflachen als Außenbereich zu ändern und diese wieder der historisch gewachsenen Dorffläche (wie bisher im rechtskräftigen FNP) zuzuführen. Die Hofstellen seien, so Architektin Belinda Reiser, aus der Darstellung des neuen FNPs herausgenommen worden, da hier am Ortsrand keine bauliche Entwicklung oder Nachverdichtung gefördert werden sollte.

Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus, die betroffenen Gebäude wieder dem Dorfgebiet zuzuordnen.

Hans Rechenauer äußerte sich in 18 Einzelpunkten, die sich auf Themen im gesamten Gemeindegebiet bezogen, zum neuen Flächennutzungsplan. Überwiegend handelte es sich hier um redaktionelle Änderungen und Angleichungen, die im neuen FNP übernommen werden. Aufgrund der Änderungen wird der Flächennutzungsplan in den erwähnten Einzelfällen nochmals verkürzt ausgelegt.

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